Ingolstadt

Das große Stühlerücken

Audi tauscht vier Vorstandsmitglieder aus - Rupert Stadler bleibt trotz aller Kritik am Ruder

28.08.2017 | Stand 02.12.2020, 17:35 Uhr
VW-Boss und Audi-Aufsichtsratschef Matthias Müller mit zwei Aktenkoffern auf dem Weg ins Audi-Vorstandsgebäude in Ingolstadt, dort traf sich der Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung. −Foto: Oppenheimer

Ingolstadt (DK) Das Rätselraten hat ein Ende: Seit gestern stehen die vier neuen Vorstandsmitglieder von Audi offiziell fest. Neben Bram Schot, Wendelin Göbel und Alexander Seitz bekommt auch Peter Kössler einen Chefsessel beim Ingolstädter Autobauer. Dienstantritt ist der 1. September.

Wenn VW-Chef Matthias Müller schon mit dem Porsche zur Audi-Aufsichtsratssitzung nach Ingolstadt kommt, dann parkt er immerhin nicht direkt vor dem Vorstandsgebäude A 50. Den schwarzen 911 turbo S mit dem Stuttgarter Nummernschild stellt er um die Ecke ab. Um 7.45 Uhr marschiert Müller dann mit Aluköfferchen in beiden Händen in Audis Schaltzentrale ein. Fünf Minuten später folgt ihm Peter Kössler, bislang Leiter des Audi-Standorts im ungarischen Györ - und demnächst Produktionsvorstand bei Audi.

Offenbar gibt es zunächst einige Vorgespräche. Die eigentliche Aufsichtsratssitzung beginnt erst gegen 13 Uhr - und dauert nur rund 90 Minuten. Am Ende ist die Entscheidung nach Informationen unserer Zeitung einstimmig. Die Personalie Kössler war dem Vernehmen nach der Grund für die gestrige Sondersitzung des Audi-Aufsichtsrats. Die Familie Porsche hatte offenbar jemand anderes für den Posten des Produktionschefs favorisiert. Nun aber konnte man sich einigen. Mit dem 58 Jahre alten Kössler wird ein erfahrener Audianer Produktionsvorstand - unter anderem leitete er von 2007 bis 2015 das Werk in Ingolstadt. Kössler löst in seiner Funktion Hubert Waltl ab. Einen Nachfolger für Kösslers Posten in Ungarn gibt es laut einem Audi-Sprecher noch nicht.

Mit der Entscheidung für Kössler ist nun vorerst das letzte Mosaiksteinchen im großen Vorstandsumbau bei Audi gesetzt. Um die weiteren drei zu vergebenden Chefsessel gab es keinen Streit. So wird Bram Schot Vertriebsvorstand Dietmar Voggenreiter ersetzen. Der gebürtige Niederländer begann seine Karriere 1982 bei DAF Trucks Niederlande, fünf Jahre später wechselte er zu Mercedes-Benz. Dort hatte er diverse Führungspositionen inne - unter anderem agierte er von 2006 bis 2011 als Präsident und CEO von Mercedes-Benz Italia.

Ein weiterer Neuzugang war schon einmal für einen Audi-Vorstandsposten im Gespräch: Wendelin Göbel. 2011 kursierte sein Name als Nachfolger des damaligen Audi-Einkaufsvorstands Ulf Berkenhagen. Den Job übernahm dann aber Bernd Martens, der ihn immer noch innehat. Nun kommt der 53-jährige Göbel als Personalchef nach Ingolstadt und löst Thomas Sigi ab. Göbel war lange Jahre so etwas wie die rechte Hand des ehemaligen VW-Chefs Martin Winterkorn. Der gebürtige Eichstätter mit dem Schnauzbart begann seine Karriere 1987 bei Audi als Sachbearbeiter in der Abteilung Technische Betriebswirtschaft Aufbau. Anschließend bekleidete er verschiedene Positionen im Einkauf bei Audi und Volkswagen. Von 2003 bis 2007 leitete er das Audi-Generalsekretariat. Aktuell ist Göbel Generalsekretär des VW-Konzerns.

Die Nachfolge von Axel Strotbek als Audi-Finanzvorstand tritt Alexander Seitz an. Der 55-jährige Diplom-Kaufmann ist derzeit für Volkswagen in China tätig. Seine Laufbahn begann der 1962 geborene Seitz 1987 bei Daimler, wo er verschiedene Stationen im Controlling durchlief. Unter anderem fungierte Seitz 1995 bis 2000 als kaufmännischer Leiter beim Aufbau des Daimler-Werks für die A-Klasse in Brasilien. 2005 wechselte Seitz zu Volkswagen, wo er zunächst einige Funktionen in Südamerika bekleidete.

Gerüchte gibt es um einen Wechsel von Stephan Winkelmann: Der aktuelle Audi-Sport-Chef könnte laut "Manager Magazin" Nachfolger von Wolfgang Dürheimer bei Bentley und Bugatti werden.