Pfaffenhofen

Das große Fest ums Grüne Gold

Hopfazupfa-Jahrtag in Scheyern - Albert Gürtner verteidigt seinen Titel beim Wettzupfen

16.08.2017 | Stand 02.12.2020, 17:38 Uhr
Mit viel Engagement um die Wette zupften Albert Gürtner (von links), Theresa Zieglmeier, Sabrina Schmalhofer und Adi Schapfl unter den kritischen Augen von Hopfenmeisterin Uschi Kufer. −Foto: Steininger

Scheyern (hsg) Der Hopfazupfa-Jahrtag des Vereins „Bayern, Brauch und Volksmusik“ hat am Dienstag viele Gäste in das Geviert des Scheyerer Prielhofs gelockt. Im Mittelpunkt stand wie immer das Wettzupfen der Politpromis, das heuer erneut Vorjahressieger Albert Gürtner gewann.

Alles rankte sich um das „Grüne Gold“ der Hallertau: Vom extra eingebrauten „Hopfazupfa-Bier“ der Scheyerer Klosterbrauerei bis hin zu den Hopfenreben, die frisch vom Hopfenfeld per Pferdefuhrwerk in den Prielhof gekarrt wurden. Hopfenmeisterin Uschi Kufer brachte den interessierten Gästen das „Hopfazupfa“ von Hand bei. Wie in der guten alten Zeit, als von Pflückmaschinen noch nicht die Rede war und die Hopfazupfa aus strukturschwachen Regionen zu Tausenden per Bahn in die Hallertau fuhren, um bei der Ernte zu helfen und sich ein paar Mark dazu zu verdienen. Die bekamen damals keine Urkunde wie die heutigen „Spaßzupfer“, das war harte Arbeit bei kargem Lohn. Auch gab es damals kein Wettzupfen der Polit-Promis, die sich Jahr für Jahr auf dem Prielhof ein Stelldichein geben und im Akkord die Dolden von den Stengeln zupfen. Dem Sieger winkt kein Lorbeer-, sondern ein Hopfenkranz auf dem Haupt. Trotz bevorstehender Wahlen hatten sich heuer eher weniger Kommunalpolitiker eingefunden. Landrat Martin Wolf (CSU) fehlte aus bekannten Gründen, sein Stellvertreter Anton Westner (CSU) war vom frühen Vormittag an zwar vertreten, musste aber noch andere Termine wahrnehmen. Landtagsabgeordneter Karl Straub (CSU) hatte wegen Sommergrippe abgesagt, so blieben die politischen Wettstreiter auf wenige Personen beschränkt. Allen voran der Bundestagsabgeordnete Erich Irlstorfer (CSU), Pfaffenhofens Vize-Bürgermeister Albert Gürtner (FW), FW-Stadt- und Kreisrat Peter Heinzlmair, Scheyerns Gemeindechef Manfred Sterz (FW) und Wolnzachs Dritte Bürgermeisterin Kathi Gmelch (CSU). Ergänzt wurde die Polit-Prominenz durch die neugewählte Hopfenkönigin Theresa Zieglmeier (23) nebst ihrer Vorgängerin Sabrina Schmalhofer.

„Jetzt geht’s rund“, sagte Vereinsvorsitzende Renate Stallmeister, als sie Irlstorfer und seine Wettbewerber auf das Podium bat, und tatsächlich zupften alle Beteiligten in zwei Vierer-Runden jeweils fünf Minuten lang, was das Zeug hielt. Dann wogen Waagmeister Stan Piecha, Uschi Kufer und Renate Stallmeister die Inhalte der einzelnen Kirm sorgfältig ab. Für besonders sortenreines Zupfen gab es 100 Gramm Bonus-Plus, für schlampige Inhalte mit viel Stengeln und Blättern wurden 100 Gramm abgezogen. Am Ende stand Vorjahressieger Albert Gürtner erneut als Gewinner fest, der 1927 Gramm auf die Waage brachte, gefolgt von Manfred Sterz mit 1634 Gramm und Peter Heinzlmair mit 1472 Gramm. Auf den weiteren Plätzen Erich Irlstorfer, Kathi Gmelch, Adi Schapfl, Theresa Zieglmeier und Sabrina Schmalhofer.

Die hochsommerlichen Temperaturen waren vielleicht der Grund dafür, dass sich der anfeuernde Applaus des Publikums in Grenzen hielt, überhaupt waren nicht ganz so viele Gäste gekommen wie bei früheren Jahrtagen. Das mag an der Hitze gelegen haben oder an den Großveranstaltungen, die parallel stattfanden: Der Frautag in Jetzendorf und die Gartenschau in Pfaffenhofen.

Trotzdem war es ein Brauchtumsfest, wie es nur in Scheyern stattfinden kann: „Zuerst die Seele, dann der Magen“ könnte man es überschreiben, denn beim Segnen der Kräuterbüschel durch Pater Benedikt wird auch gemeinsam gebetet, bevor man sich den Weißwürsten oder anderen bayerischen Schmankerln widmet.