Manching
"Das A und O war das Tierwohl"

Zehn Jahre EU-Zulassung für das eigene Schlachthaus: Ein Resümee von Hans Huber

06.03.2019 | Stand 23.09.2023, 6:09 Uhr |
Einen Bummerl zerlegt Hans Huber alle zwei Wochen. Solange er im Betrieb ist, will er auch selber schlachten. Sein Tipp fürs Braten: "Rindfleisch muss gut abgehangen sein." −Foto: privat

Manching (PK) Gerade die Fastenzeit bedeutet für viele Verzicht - auf das Smartphone, den Fernseher oder der kirchlichen Überlieferung gemäß auf Fleisch. Doch immer mehr Menschen ernähren sich das ganze Jahr bewusst: Sie essen weniger Fleisch und Wurst - aber wenn, dann was G'scheits, wie man so sagt. Diesen Trend beobachtet seit einigen Jahren auch Hans Huber. Der Metzgermeister aus Manching hat vor zehn Jahren erstmals die EU-Zulassung erhalten, dass er selber schlachten darf.

"Da, schaun S' her": Auf dem Tisch im ersten Stock der Metzgerei stehen weder Kesselsuppe noch eine Schüssel mit dampfenden Weißwürsten. Nein, vielmehr reiht sich ein Aktenordner an den anderen. Lauter Dokumentationen hat Huber darin gesammelt, über den Arbeitsschutz, die Gesundheitsvorschriften, die Schulungen der Mitarbeiter, die Hygienebestimmungen und vieles andere. "Und das wird immer mehr", klagt der Manchinger Gemeinderat. "Für die kleinen Betriebe wird es immer schwieriger", sagt Huber. "Aber die Großen haben die Lobby."

Vor gut zehn Jahren entschloss er sich für die EU-Schlachtzulassung "Das waren ein Haufen Auflagen", erinnert sich Huber. Viele kleinere Betriebe haben damals aufgehört - heute gibt es laut Landratsamt etwa 20 Metzgereien im gesamten Landkreis Pfaffenhofen, die noch selber schlachten. In das Schlachthaus im Zentrum von Manching, wo der Betrieb seit 55 Jahren eine feste Größe ist, hat Huber damals "einige hunderttausend Euro" für den Umbau investiert. Die Überlegung von Hans Huber: "Wenn mein Sohn ihn übernimmt, muss er nicht groß investieren." Seit zehn Jahren hat er nun die EU-Zulassung, die alle fünf Jahre kontrolliert und erneuert wird. "Das A und O war beim zweiten Mal das Tierwohl", erzählt Huber. Ganz genau wollten die Prüfer diesmal wissen, wie der Schlachtvorgang vor sich geht, wie die Tiere betäubt werden und vieles mehr.

Das Schlachten selbst ist für ihn "ein ganz normaler Vorgang. Denn die Tiere werden ja dafür gemästet." Aber Huber plädiert für einen "sanften Umgang", wie es in seinem Betrieb schon immer üblich gewesen sei. So werden die Schweine bei ihm zuvor mit der Zange betäubt - und nicht, wie in manchen Großbetrieben, mit Gas, was wegen der Dauer des Vorgangs immer wieder nicht nur von Tierschützern stark kritisiert wird.

Jeden Montag ist bei der Metzgerei Huber Schlachttag. Schon in aller Früh holt er die Tiere von den Bauern in der Umgebung ab. "Alle liegen im Umkreis, das bedeutet kurze Entfernungen", betont Huber. Einige seiner Landwirte kennt er zum Teil seit Jahrzehnten persönlich, er kennt deren Höfe und weiß, wie die Tiere aufwachsen. "Das Problem ist nur, wenn einer aus Altersgründen aufhört."

18 Schweine, Kälber und alle 14 Tage ein Bulle mit 15 oder 16 Zentnern werden am Montag geschlachtet und in den nächsten Tagen zerlegt, verarbeitet und verwurstet. Mittlerweile merkt Huber auch sein Alter, das Schlachten ist ein körperlich ziemlich anstrengender Vorgang. "Da muss ich mich dann hinterher schon eine Stunde hinlegen", räumt er ein. Aber ans Aufhören denkt er dabei nicht. "Ich werde so lange schlachten, wie ich im Betrieb bin."

Bernhard Pehl