Kelheim

Bunte Bauernwiesen

Im Zuge der Aktion "Der Landkreis Kelheim blüht auf" werden in den Gemeinden artenreiche Biotope ausgewiesen

21.02.2020 | Stand 02.12.2020, 11:54 Uhr
Noch herrscht Winterruhe auf der Blühwiese nahe des Riedenburger Ortsteils Dieterzhofen, aber schon bald werden die Bienen hier jede Menge Blüten finden. −Foto: Rast

Kelheim/Riedenburg - Im vergangenen Sommer ist der Startschuss für die Initiative "Der Landkreis Kelheim blüht auf" gefallen. In einer konzertierten Aktion von Kreis und Kommunen unter Federführung des Kelheimer Landschaftspflegeverbands VöF soll der Artenvielfalt in der Natur auf die Sprünge geholfen werden. Der VöF-Geschäftsführer Klaus Amann legte dem Kreisausschuss jetzt einen Zwischenbericht vor.

Natürlich eignet sich nicht jeder Quadratzentimeter Boden, um darauf ein Naturparadies zu schaffen. Dennoch gibt es viele noch vernachlässigte Flecken, bei denen es sich lohnt, sie ökologisch auf Vordermann zu bringen. Und das vor allem, weil sie "eh da" sind. Entsprechend heißt das Programm auch "Eh-da-Flächen"-Projekt, das im August des Vorjahres an den Start gebracht wurde. An Wegrändern, auf Brachen, an Ranken oder ähnlichen Stellen können sich blütenreiche Wiesen, Nistareale für Wildbienen oder Hecken entwickeln. Werden sie dann auch noch über das gesamte Kreisgebiet vernetzt, entstehen daraus wertvolle Biotope für die bedrohte Flora und Fauna.

Amann unterstrich in seinem Vortrag vor den Kreispolitikern die Bedeutung der Kommunen in diesem Prozess, die auf diese Weise einen wichtigen Beitrag zur Schaffung eines Biotopverbundsystems leisten. Das Endziel wäre, ein "grünes Netz als ökologische Infrastruktur zu etablieren. "Man kann auf diesen Flächen wirklich etwas bewegen, freilich braucht das seine Zeit", lautete das Fazit des VöF-Geschäftsführers im Kreisausschuss nach einem guten halben Jahr.

Der Kreis, seine Städte und Gemeinden setzen das um, was nicht zuletzt das Volksbegehren für den Artenschutz gefordert hatte. Fehlende Strukturelemente in einer über Jahrzehnte gewachsenen Kulturlandschaft sollen wieder geschaffen beziehungsweise deren ökologische Qualität verbessert werden, sofern sie noch vorhanden sind. Beispiele, wo sich so etwas konkret realisieren lässt, gibt es auf den 1067 Quadratkilometern Kreisgebiet zuhauf.

In den 24 Kommunen weiß man genau, wo man in Sachen Biodiversität ansetzen muss. Mittlerweile existiert eine trennscharfe Kartierung, welche Flächen infrage kommen und welche nicht. Die geodatenbasierte Landschaftsanalyse stammt vom Fachbüro AgroScience und wurde von Professor Christoph Künast vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt erstellt. Herausgekommen sind 3293 Hektar in kommunalem Besitz, die sich mehr oder weniger für solche Zwecke eignen.

Die Anzahl geeigneter "Eh-da"-Flächen variiert laut Amann zwischen etwa 15 und 140 pro Gemeinde. Nach der Beratung der Kommunen, der naturschutzfachlichen Planung und der Kostenermittlung, geht es in die Phase der Umsetzung. Als Ziel für dieses Jahr hat der VöF-Geschäftsführer ausgegeben, möglichst in jeder der 24 kreisangehörigen Städte und Gemeinden mindestens eine Maßnahme zu starten.

Nicht zuletzt soll aus den Rathäusern ein Fanal zur Nachahmung ähnlicher ökologischer Initiativen ausgehen. Daher läuft parallel auch noch das von der Staatsregierung angestoßene Pilotprojekt "Natürlich Bayern" zur Aufwertung der biologischen Vielfalt auf privaten Flächen. Auf "Bunten Bauernwiesen - Bunten Bauernäckern", so der Arbeitstitel der Initiative in vorerst zehn Landschaftspflegeverbänden im Freistaat, sollen insektenreiche Lebensräume geschaffen werden. Zunächst wird dazu ein Spenderflächenkataster erstellt, und die Landwirte werden beraten. Im vergangenen Jahr erfolgten schon Maßnahmen auf sechs Flächen, zwei Ansaaten und eine Mahdgutübertragung sind für dieses Jahr bereits fest eingeplant.

Drei Äcker wurden im Vorjahr mit gesammeltem Saatgut aufgewertet. Heuer sollen weitere Ackerflächen gefunden werden, wobei dies allerdings schwieriger ist, als bei Wiesen, wie Amann einräumen musste. Dass es aber geht, beweist ein Vorzeigeprojekt auf einem sechs Hektar großen Acker, der künftig nur noch zur Hälfte extensiv genutzt wird. 2,16 Hektar umfasst später einmal die extensive Wiesennutzung samt 30 Obstbäumen darauf, 0,68 Hektar bleiben Ackerbrache.

DK