Kühbach

Bürger kämpfen gegen Hallenbau

BI-Sprecher Klaus Kundel blickt mit Sorge auf Ausbau von Agrarunternehmen

25.11.2020 | Stand 28.11.2020, 3:33 Uhr
Thomas Winter

Kühbach - Im Kühbacher Ortsteil Großhausen wächst der Widerstand gegen den Bau einer landwirtschaftlichen Mehrzweckhalle.

Mehrere Anwohner haben sich zu einer Bürgerinitiative (BI) zusammengeschlossen, die laut dem Sprecher der Gruppe, Klaus Kundel, mittlerweile rund hundert Unterstützer umfasst. Ziel der BI mit dem Namen "Paartal erhalten - für Mensch und Natur" sei es, die Halle an diesem Standort zu verhindern, um einer weiteren Zersiedelung der Landschaft und Belastung von Umwelt und Anwohnern entgegenzuwirken.

Wie berichtet, plant der Paarer Landwirt und Lohnunternehmer Johann Krammer zwischen Kühbacher und Großhausen eine landwirtschaftliche Mehrzweckhalle. Als der Bauantrag im Kühbacher Gemeinderat behandelt wurde, äußerten mehrere Räte Bedenken. Der Standort "mitten in der Landschaft", sprich auf freiem Feld, wurde skeptisch gesehen. Die Halle verschandele mit ihren Ausmaßen von 48 mal 20 Metern die Gegend, hieß es.

Auch die verkehrstechnische Anbindung sahen einige Räte kritisch. Sie würde über die Ortsverbindungsstraße (beschränkt auf Lastenverkehr bis zwölf Tonnen) und einen Feldweg erfolgen. Am Ende stimmten acht der 16 Kühbacher Gemeinderäte gegen die Halle, das gemeindliche Einvernehmen der Marktgemeinde konnte somit nicht erteilt werden.

Über privilegierte Bauvorhaben im sogenannten Außenbereich entscheiden bekanntlich zumeist die jeweiligen Landkreisbehörden. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gibt lediglich eine Empfehlung ab, ob es sich tatsächlich um eine Privilegierung handelt. Wie Wolfgang Müller vom Landratsamt Aichach-Friedberg jetzt mitteilte, sei die Genehmigung der Halle noch nicht entschieden, es müssten noch einige Fachstellen beteiligt werden.

Es gehe nicht gegen die Landwirtschaft generell, erklärte Klaus Kundel auf Nachfrage. Der ehemalige Chefarzt der Kliniken an der Paar wohnt in Großhausen und fürchtet, ebenso wie seine Mitstreiter, dass es bei der einen Halle nicht bleiben wird. Er glaubt, dass um den geplanten Mehrzweckhallenbau außerhalb der Ortschaft weitere Gebäude entstehen werden, wenn dem Lohnunternehmer der Platz auf der Hofstelle in Paar zu klein wird.

Um dies zu verhindern, möchte die Bürgerinitiative alle legalen Hebel in Bewegung setzen. Kundel: "Uns geht es um den Erhalt des Paartals, das geprägt ist von einem größtenteils naturbelassenen Flusslauf, einer Reihe von Naturschutz- und Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebieten sowie traditioneller Land- und Forstwirtschaft. "

Mit Sorge beobachteten die Unterstützer der BI, Kundel zufolge Bürger aus Großhausen, Paar, Unterbernbach und Kühbach, wie einzelne aus der Landwirtschaft hervorgegangene Unternehmer ihre Gewerbe immer weiter ausbauten - ohne Rücksicht auf die Belange der Anwohner und der Natur. Bei dem Lohnunternehmer aus Paar handelt es sich Kundel zufolge nicht mehr um einen Landwirt im eigentlichen Sinne, vielmehr agiere hier ein "profitorientiertes Unternehmen". Darum hält er auch eine Privilegierung des Bauvorhabens in diesem Fall nicht für angemessen. Aufgrund bisheriger Erfahrungen mit dem Antragsteller und dessen Aussagen sei mit einem weiteren Ausbau und gegebenenfalls auch mit gewerblicher Nutzung zu rechnen sowie mit einer Zunahme des Verkehrs, macht Kundel deutlich.

Die Bürgerinitiative wehrt sich deshalb gegen die zu "erwartende Staub-, Lärm- und Verkehrsbelastung sowie die zusätzliche Bodenversiegelung". Vor diesem Hintergrund fordert die BI einen alternativen Standort sowie eine breite Diskussion darüber, inwiefern das Anwachsen einzelner landwirtschaftlicher Unternehmen allgemeinverträglich bleiben kann - vor allem im Hinblick auf eine Zunahme des Fuhrparks und eines erhöhten Flächenverbrauchs.

Die Bürgerinitiative hat mehrere Forderungen aufgestellt. Unter anderem verlangt sie Einsicht in die Planung und die zukünftige Nutzung der so genannten Mehrzweckhalle. Die BI interessiert zudem, ob dort Asche zur Düngemittelherstellung gebrochen werden soll. Ebenfalls wünscht sich die Interessengemeinschaft ein artenschutzrechtliches Gutachten zur Erfassung der ökologischen Folgen, ein Emissions- und Wind-Gutachten zur Beurteilung der Belastung durch Lärm und Staub, ein Verkehrsgutachten sowie ein Wassergutachten.

SZ

Thomas Winter