Eichstätt

Brücke zwischen Kirche und Sport

Die DJK-Bewegung feiert 100-jähriges Bestehen - ein Besuch in Eichstätt und Adelschlag

16.10.2020 | Stand 02.12.2020, 10:20 Uhr
Sich im sportlichen Wettkampf messen: Dieses Bild wurde offenbar in Dollnstein aufgenommen, wohl in den 1960er-Jahren bei einem Fußballspiel. −Foto: DJK Archiv

Eichstätt/Adelschlag - "Sein Bestes geben" - dieses Motto haben sich schon zahlreiche Sportler vorgenommen, wenn sie an einem Wettkampf teilnehmen.

Auch der DJK-Sportverband, welcher in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, hat sich dieses Leitwort zum Motto im Jubiläumsjahr gemacht. Doch nicht nur der als "Deutsche Jugend-Kraft" gegründete christliche Sportverband feiert in diesem Jahr Jubiläum, auch die DJK Eichstätt ist so alt wie ihr Dachverband und feiert ihren 100. Geburtstag.

Zahlreiche DJK-Vereine sind sogar älter als der Dachverband selbst. Die Wurzeln der meisten liegen in katholischen Burschenvereinen und Jugendbewegungen. So auch bei der DJK Eichstätt, die aus dem Jungmännerverein beziehungsweise der Kolpingjugend hervorgegangen ist. Bis zum Verbot im Dritten Reich wurde bei der DJK organisierter Sportbetrieb unter Männern abgehalten.

"Sport um der Menschen willen", das Leitwort, welches der Vorsitzende des DJK-Sportverbands Carl Mosterts prägte, gilt bis heute. Der bundesweite Verband will christliche Werte vermitteln und Brücken zwischen Kirche und Sport bauen, selbstverständlich nicht mehr nur für Männer, wie auch Vorstandsmitglied Roland Geyer von der DJK Eichstätt lachend bestätigt: "Alle Geschlechter und Kulturen haben bei uns Platz, sind bei uns willkommen. " Bei der DJK trainieren zudem Sportler mit und ohne Behinderung und erleben gemeinsame Werte. "Uns kommt es nicht nur auf die Siege an, der Leistungsgedanke steht bei uns nicht im Vordergrund. Gewinnen ist schön, aber hat für uns als DJK nicht immer und überall absoluten Vorrang", so Geyer.

Die Mitglieder sollen sich im Verein zu Hause fühlen, weshalb es dem Vorstand wichtig ist, diese Grundeinstellung auch an alle Betreuer im Verein weiterzugeben. Schon seit der Wiedergründung der DJK Eichstätt im Jahr 1960 finden alle Konfessionen den Weg zum Verein, der christliche Hintergrund der DJK-Sportvereine ist den meisten Mitgliedern heute gar nicht mehr bewusst. Dies bestätigt auch der Vorsitzende der DJK Pietenfeld/Adelschlag Norbert Koch. "Wir DJK-Vereine bieten Sport für alle, vor allem im Freizeitsport-Bereich, ohne Leistungsdruck. Vom Atheist bis zum täglichen Kirchgänger ist bei unseren Mitgliedern alles vorhanden. " Selbstverständlich wird in den DJK-Vereinen bei vielen Sparten auch der Erfolg angestrebt. Wer an einem Wettkampf teilnimmt, der will gewinnen. "Das verlangt auch der Sportsgeist", bestätigt Koch.

Gewinnen wollen die DJK-Vereine, aber eben nicht um jeden Preis. "Wenn jemand zum Beispiel nicht gut genug für den Einsatz in der Mannschaft ist, schauen wir, dass wir einen Mittelweg finden und trotzdem Spaß vermitteln", sagt Roland Geyer. "Im Mannschaftssport hat man ja immer ein gemeinsames Ziel, man schaut aufeinander, ertüchtigt sich", bestätigt auch der geistliche Beirat der DJK Eichstätt, Domvikar Christoph Wittmann, die gelebten christlichen Werte im Sport. Die Besonderheit eines geistlichen Beirats im Vorstand hebt die DJK-Vereine von anderen Sportvereinen ab. "Die Kirche hat hier die Möglichkeit, in einem neutralen Umfeld auf Menschen zu treffen und ist somit ansprechbar und präsent", so Wittmann. "Über den Sport hat die Kirche die Möglichkeit, Werte an die Leute heranzutragen. "

Für die Mitglieder der DJK Eichstätt galt deshalb seit der Wiedergründung vor 60 Jahren immer auch, dass der Respekt und das Miteinander über den Sport hinaus gelebt werden. Dazu gehören vielfältige Angebote, wie Teamfindungstage, Zeltlager, Ausflüge, Flursäuberungen und Altpapiersammlungen. Jedes Jahr findet zudem ein Gottesdienst für die verstorbenen Mitglieder statt.

So hätte ein Festgottesdienst selbstverständlich auch zum Programm des für Mitte Juni geplanten Festwochenendes anlässlich des 100-jährigen Bestehens der DJK Eichstätt gehört. Dieser fiel jedoch, wie das gesamte Jubiläum, der Corona-Pandemie zum Opfer und soll im nächsten Jahr nachgeholt werden. Neben der Geselligkeit, die bei der DJK Eichstätt immer einen großen Stellenwert hatte, wird auch die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und dem DJK-Diözesanverband groß geschrieben.

Als einer von bundesweit etwa 1250 Vereinen gehört die DJK Eichstätt über den DJK-Diözesanverband dem Sportverband an. "Für uns als Verein ist es wichtig, dass eine Organisation über uns steht, die uns unterstützt", sagt Roland Geyer. "Der Nutzen für die einzelnen Vereine ist unverkennbar. Es ist wichtig, dass jemand da ist und auch mal sagt, in diesem Bereich könnt ihr euch verbessern. " Die Unterstützung bezeichnet nicht nur Geyer als vielfältig, auch sein Kollege aus Adelschlag sieht dies so.

Neben Turnieren und Seminaren bietet der DJK-Verband Beistand bei der Bürokratie und spirituelle Angebote wie Wallfahrten, bei denen die DJK Eichstätt regelmäßig vertreten ist.

Vor allem den Austausch unter den DJK-Vereinen bei den regelmäßig stattfindenden Versammlungen loben die Vorstände. "Da wir DJK-Vereine ähnliche Ziele und Probleme haben, ist ein Austausch wichtig. Man erhält dadurch neue Ideen und findet auch mal neue Wege", so Norbert Koch aus Adelschlag. Doch auch intern arbeiten die DJK-Vereine regelmäßig zusammen. So hatte die DJK Eichstätt beispielsweise einige Jahre eine Spielgemeinschaft im Herrenfußball mit der DJK Preith. "Im Bereich Mädchen- und Damenfußball tauschen wir uns regelmäßig mit der Fußballabteilung der DJK Pietenfeld/Adelschlag aus", erzählt Roland Geyer, der bei der DJK Eichstätt neben seiner Tätigkeit im Vorstand Betreuer der Mädchenmannschaft ist. "Wir haben schon gemeinsame Trainingseinheiten abgehalten und auch, wenn mal Bedarf war, Spielerinnen ausgetauscht", erläutert Roland Geyer die Zusammenarbeit.

Die DJK Pietenfeld-Adelschlag verfügt über eine Mannschaft in der Damen-Hobbyliga, bei der Spielerinnen ganz unterschiedlicher Altersgruppen gemeinsam auf dem Kleinfeld gegeneinander antreten. "Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass die DJK-Vereine Sport für eine große Bandbreite bieten", bestätigt der Vorsitzende aus Adelschlag, Norbert Koch. "Hier wird deutlich, dass die Vernetzung zwischen den DJK-Vereinen gut funktioniert. "

In der Stadt Eichstätt ist die DJK Eichstätt nicht aus dem Vereinsleben wegzudenken. Hervorgegangen aus dem ehemaligen SV Eichstätt, entwickelte sich die DJK im Laufe der Zeit zu einem Großverein mit über 1100 Mitgliedern, welche in 15 Abteilungen Sport in vielen Variationen betreiben können. Die sportlichen Erfolge des Vereins rundeten oft ausgiebige Feiern im DJK-Heim am Schulzentrum Schottenau ab. Neben sportlichen Ehrungen gibt es in der DJK Eichstätt viele langjährige Mitglieder, die für bis zu 60-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet werden. Die Identifikation mit dem Verein und dessen gelebten Werten zeugt von der Verbundenheit mit "ihrer DJK".

EK

Kerstin Kleinhans