Firmenporträt

Bleche aus Rohrbach für alle Welt

Familienbetrieb Kempf stellt Backbleche und -formen her

17.02.2020 | Stand 02.12.2020, 11:56 Uhr
Brote auf dem Blech. −Foto: Hausmann, Kempf GmbHHausmann, Kempf GmbH

Nahezu jeder Supermarkt verwendet sie: Seit 50 Jahren stellt der Familienbetrieb Kempf Backbleche und -formen her. Ein Blick in die Firma.

Rohrbach - Sitzt man in Hamburg beim Bäcker oder im Australien-Urlaub in einem Café und beißt in seine Semmel, lohnt sich ein Blick auf die Unterseite - denn die Backwaren haben oft eine Sache gemeinsam: kleine Noppen, die Spuren der Kempf GmbH aus Rohrbach (Landkreis Pfaffenhofen).

Es rattert. Warme Luft strömt durch die große Halle, die Leuchtstrahler werfen ihr gleißendes Licht von der Decke. Silbern glänzen die noch unfertigen Formen aus Aluminium und Edelstahl. Hinter einem Gitter dringt ein Piepen hervor, stetig und sonor. Es rattert noch einmal, dann greift ein großer Roboterarm vor sich auf die Arbeitsfläche und schweißt die Form zusammen. In ihr wird bald Toastbrot gebacken, das seinen Weg in Millionen Haushalte findet. Auf insgesamt 15000 Quadratmetern entstehen hier, im Gewerbegebiet in Rohrbach, Materialien für Supermarktketten und Kunden im großen industriellen Bereich.

Guido Kempf geht an den Arbeitsflächen vorbei, an denen die Roboter weiter surren. "Ich bin als Kind hiermit aufgewachsen", erzählt der heute 39-jährige Geschäftsführer. Übernommen hat er die Firma von seinem Vater Josef Kempf, der ihm die Zügel überließ und seitdem vor allem im Hintergrund agiert. Damals, im Jahr 2000, noch parallel zu seinem BWL-Studium an der Technischen Hochschule in Ingolstadt, stieg der Sohn in den Familienbetrieb mit ein.

Über das Werksgelände schreitet er in die nächste Halle: 2,5 Millionen Backbleche wandern hier über die Rollflächen, bis sie sich in meterhohen Regalen stapeln - bereit für den Kunden. Was nun eine weltweit exportierende Firma ist, hat einst ganz klein begonnen: Ohne Metall, ohne Teigformen, nur mit Eiern. "Mein Opa hat eine Methode erfunden, wie Ostereier maschinell gefärbt werden können", erzählt Guido Kempf. 20 Millionen Eier färbte Josef Kempf senior mit seinen Mitarbeitern. "Dass daraus mal dieser Mittelständler wird, hätte man sich damals kaum vorstellen können."

 

Sein Vater übernahm von einem älteren Ehepaar eine Firma in Rohrbach, die Backformen im bayerischen Raum verkaufte. Zuerst liefen noch beide Firmen parallel, bis Josef Kempf junior in den 90er-Jahren schließlich das Eierfärben einstellte. Eine Entscheidung, die sich auszahlen sollte. "Stikkenöfen kamen in den Trend. Hier wird ein Wagen auf Rollen mit Backblechen in den Ofen geschoben", erklärt Guido Kempf. Dazu brauchte man Lochbleche, die Firma Kempf war am Zug.

Der Geschäftsführer greift nach einem Blech aus einem Stapel, fährt mit dem Finger über die kleinen Einstanzungen - ein einziges Blech hat 200000 Löcher. "Mein Vater war einer der ersten, der solche Bleche herstellte." Von den über 50 Firmen, die noch zur Konkurrenz zählten, sind gerade mal zwei übriggeblieben. Und die Firma Kempf steht an der Spitze.

"Als ich anfing, haben wir in wenige Länder exportiert, vor allem nach Österreich und in die Schweiz." Mittlerweile sitzen die Kunden in gesamt Europa, Australien, selbst in Russland.

Mit Schwung öffnet Guido Kempf eine schwere Eisentür, hinter ihr erstreckt sich ein Lager aus Metallrollen. Eine einzige solcher Spulen, auch Coils genannt, wiegt um die vier Tonnen und bietet Material für bis zu 4000 Bleche. Es ist eine Arbeit, die längst nicht mehr nur von Menschenhand zu erledigen ist.

Neben den 90 Mitarbeitern setzt die Firma stark auf Automatisierung. Guido Kempf erinnert sich zurück: "Als wir vor 20 Jahren den ersten Roboter in die Firma holten, kam Unruhe auf." Verlieren nun vielleicht jahrelang angestellte Mitarbeiter durch die Maschinen ihre Jobs? Doch die Sorgen waren unbegründet. "Die Arbeitsplätze sind nicht weggefallen, im Gegenteil. Wir wurden wettbewerbsfähiger und konnten mehr Arbeit stemmen." Und das Wachstum hört nicht auf: Bis zum Herbst erweitert die Firma im Gewerbegebiet "Rohrbach Ost" ihren Betrieb um neun Hektar, einer Größe von zehn Fußballfeldern. "Mittelfristig möchten wir komplett umsiedeln."

Doch noch ist der Betrieb in den bisherigen Hallen in vollem Gange: Kleine Steinchen, Strahlungsmaterial, rauen die Bleche gleichmäßig an. Einige Meter weiter ziehen hinter einer Glaswand Sprühköpfe ihre Bahnen über die Backformen, Farbtropfen tauchen sie in eine grüne Farbe. "Die Beschichtung ist sozusagen unser Kernthema, denn kein Industrieller möchte mehr Backpapier verwenden." Die Maschine hierfür ist eine Sonderanfertigung für die Firma Kempf, der Rest ist Betriebsgeheimnis.

Nun muss das Produkt nur noch bei 400 Grad gebrannt werden, dann ist es fertig. Die Überreste aus der Produktion schickt die Firma zurück zu den Werken in Norwegen und Belgien, von denen sie ihr Aluminium und Edelstahl bezieht. "Nicht über den Händler zu kaufen, macht wirtschaftlich und ökologisch Sinn", ist Guido Kempf überzeugt.

Er steht in der großen Halle, die Leuchtstrahler werfen noch immer ihr gleißendes Licht von der Decke. Es rattert kontinuierlich. Guido Kempf hält das fertige Backblech in der Hand - perforiert, geformt, gestrahlt und beschichtet. Vieles hätte für den heutigen Geschäftsführer anders verlaufen können: Vielleicht hätte er seine Fußballkarriere weiter verfolgt - spielte er doch einst in der Jugendbundesliga des TSV 1860 München oder beim Landesligisten MTV Ingolstadt. Doch stattdessen zog es ihn in den Familienbetrieb. "Ich konnte aber viel aus dem Sportlerleben mitnehmen, allen voran eine Sache: Man funktioniert nur als Team."

DK

Anna Hausmann