Schrobenhausen

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04.08.2017 | Stand 02.12.2020, 17:41 Uhr
Zugreifen bitte! 15 Gymnasiasten durften vegane und herkömmliche Brownies probieren und ihr Urteil abgeben. −Foto: Sedlmeyr

Daniel Wittmann ist eine Vegan Interested Person - und erklärt seinen Lifestyle.

Daniel, warum hast du dich dazu entschieden vegan zu leben?

Daniel Wittmann: Es gibt Tausende Gründe, sich vegan zu ernähren. Ich habe das Gefühl, dass die meisten Menschen, die sich in letzter Zeit entschieden haben, vegan zu leben, dies vor allem wegen der eigenen Gesundheit tun. Für mich entscheiden aber ganz klar die moralischen Aspekte, weil ich Tiersklaverei und die Umweltverschmutzung durch den Konsum von Tierprodukten moralisch nicht vertretbar finde.

 

Wie lange lebst du denn schon vegan?

Daniel: Das kommt darauf an, wie man es sieht. Ich habe die vegane Ernährung Anfang der neunten Klasse, also im September 2015, erstmals für einen Monat ausprobiert, danach gab es dann bis Ostern 2016 immer wieder Zeiten, in denen ich Eier von Hühnern meiner Verwandten, also aus sehr artgerechter Haltung, gegessen habe.

 

Ernährt sich deine komplette Familie auch vegan oder war das allein deine Entscheidung?

Daniel: In meiner Familie wurde schon immer sehr viel Fleisch gegessen. Als Kind habe ich wahrscheinlich nur einmal im Monat etwas Veganes gegessen. Meine Familie lehnt vegane Ernährung nach wie vor strikt ab und versucht, mich zu überreden, mich wieder konventionell zu ernähren. „Jetz iss doch moi wieda gscheid!“, höre ich oft von meiner Mutter oder meinem Bruder. Allerdings wird mir auch nicht verboten, mich vegan zu ernähren.

 

Musst du dann für dich selbst kochen?

Daniel: Nein, vegan gekocht hat mir meine Mutter schon immer. Einfach aus dem Grund, weil ich sonst gar nichts essen und untergewichtig werden würde (lacht).

 

Musst du dir oft negative Bemerkungen von Familie oder Freunden anhören ?

Daniel: Es gibt sehr viele Leute, die es nicht leid werden zu sagen, wie nervig doch Vegetarier und Veganer sind, weil sie einen immer von ihrer Ideologie überzeugen wollen und einen nicht in Ruhe Fleisch essen lassen. Meiner Meinung nach ist es aber in anderer Richtung schlimmer. Wie es in einer Großstadt ist, weiß ich nicht, aber im konservativen, ländlichen Bayern verziehen immer noch zu viele Leute das Gesicht, wenn sie erfahren, dass ich mich vegan ernähre. Ich merke aber auch, dass die Menschen hier immer toleranter werden. Früher kamen fast nur Beleidigungen und dumme Sprüche, jetzt bemerke ich, dass doch die meisten Menschen eher Interesse zeigen.

 

Wie ist es, wenn du ausgehst oder in ein Restaurant? Gibt es in vielen Speisekarten auch etwas für dich?

Daniel: Wenn man nicht gerade in Steakhäuser geht, hat man eigentlich kein Problem veganes Essen zu bekommen. Ein veganes Gericht gibt es immer, meistens sind es sogar drei, vier Gerichte. Wenn einem davon nichts schmeckt, kann man bei einem anderen Gericht fragen, ob bestimmte Zutaten weggelassen werden können, damit es vegan ist – was eigentlich nie ein Problem ist. Ich gehöre zu den Menschen, die sich bei größerer Auswahl nie richtig entscheiden können, deshalb bin ich sogar ganz froh darüber, dass bei mir 90 Prozent der Gerichte wegfallen (lacht). Das Einzige, das mich stört, ist immer nachfragen zu müssen, ob etwas vegan ist. Deshalb würde ich mir wünschen, dass neben allen Gerichten Zeichen stehen, die markieren, ob sie vegan, vegetarisch, glutenfrei und so weiter sind.

 

Du hast dich ja früher nicht vegan ernährt, gibt es irgendwas, das du vermisst?

Daniel: Die Sachen, für die es gute Ersatzprodukte gibt, vermisse ich dann natürlich auch nicht. Sowohl Soja- als auch Kokosmilch schmecken mir besser als Kuhmilch. Darum schmecken mir auch alle veganen Milchprodukte – also Joghurt, Sahne, Schokolade – gut. Nur veganen Käse mag ich nicht. Viele Leute sagen, ihnen schmecke Tofu nicht, haben aber wahrscheinlich nur einmal in ihrem Leben Naturtofu gegessen. Beim ersten Mal hat der mir auch nicht geschmeckt. Aber nach mehrmaligem Probieren haben sogar meine Familie und Freunde von mir zugeben müssen, dass manche Tofuprodukte sehr gut schmecken. Eiersatz habe ich auch in Pulverform, womit man beispielsweise Kuchen backen kann und auch keinen geschmacklichen Unterschied erkennt, weil man auch echte Eier nicht wirklich rausschmecken kann. Das, was ich tatsächlich am meisten vermisse, ist Rührei, weil ich dafür keinen guten Ersatz kenne, allerdings ist das auch ertragbar. Übrigens, als ich in der sechsten Klasse das erste Mal angefangen habe, meinen Fleischkonsum zu verringern, dachte ich auch erst, dass ich auf viele Produkte nicht verzichten kann. Allerdings ist es wirklich viel leichter als man denkt und ich bereue es im Nachhinein, nicht schon vor der neunten Klasse vegane Ernährung ausprobiert zu haben.

 

Welche Produkte kannst du denn empfehlen?

Daniel: Am besten finde ich die veganen Varianten von Schnitzel, Würsten und Cevapcici, die man im Bio- oder Supermarkt kaufen kann. Die kommen zwar nicht ganz an die Originalprodukte ran, das ist mir aber komplett egal, wenn ich weiß, dass ich durch Fleischkonsum die Umwelt und Tiere schädige. Allerdings hat man nach einer gewissen Zeit kein großes Verlangen mehr danach, Fleisch zu essen.

 

Sind Ersatzprodukte nicht ungesund?

Daniel: Gerade wenn es um Tofu geht, wird von vielen nicht nur der Geschmack kritisiert, sondern es wird auch behauptet, dass ein Produkt, das ein anderes nachahmt, nicht gesund sein kann. In der Zutatenliste befinden sich aber hauptsächlich natürliche Zutaten und auf keinen Fall mehr Chemie als in üblichen Waren.

 

Vegane Mythen aufgeklärt

Ernähren sich Veganer nur von Salat?

Nein! Auch bei pflanzlichen Produkten gibt es eine große Vielfalt. Die vegane Küche bietet viele Alternativen an. Außerdem bedeutet vegan nicht nur Verzicht, da man durch den Austausch von tierischen durch pflanzliche Erzeugnisse viele neue Lebensmittel kennenlernt. 

Ist der vegane Lebensstil teuer?

Nein! Hauptsächlich besteht der vegane Speiseplan aus Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten. Zusätzlich kann man die Gerichte auch mit Reis, Sojamilch und Haferflocken ergänzen, wofür man nicht viel Geld ausgegeben muss. Anders sieht es bei den veganen Ersatzprodukten aus, diese können oftmals teurer sein als das Original. So kostet zum Beispiel Sojajoghurt weitaus mehr als der normale Joghurt.

Kommt es bei veganer Ernährung zu einem Mangel an Nährstoffen?

Jein! Dennoch sollte die Ernährungsweise gut geplant sein. Neben tierischen gibt es auch zahlreiche andere Nährstofflieferanten wie beispielsweise Hülsenfrüchte und Nüsse. Nur das Vitamin B12 kann ausschließlich durch Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden.

Ernähren sich Veganer automatisch gesünder?

Nein! Oftmals machen sich Veganer aber mehr Gedanken um ihr Essverhalten als andere Menschen. Das führt dazu, dass sie sich oft bewusster, aber nicht unbedingt gesünder ernähren. Es gibt auch veganes Fast Food.

Nimmt man durch vegane Ernährung leichter ab?

Jein! Man sollte Veganismus nicht als Diät betrachten, denn um effektiv abzunehmen, sollte man sein allgemeines Essverhalten umstellen. Dies gilt für jede Ernährungsweise, egal ob bei veganer oder konventioneller Ernährung, da vegane Küche auch ungesund sein kann. 

Sind Veganer beim Sport weniger leistungsfähig?

Nein! Die Pflanzenwelt bietet genügend Nährstoffquellen, wodurch alle benötigten Stoffe aufgenommen werden können.