Geisenfeld

Bissige Ode an die Stadt der Straßen und Abgasblasen

Bei Norbert Neugirgs kabarettistischer Lesung kommt nichts und niemand in Geisenfeld ungeschoren davon

25.06.2012 | Stand 03.12.2020, 1:21 Uhr

Neugirgs Unterschrift war gefragt, nachdem er in seiner Lesung kräftig ausgeteilt hatte - Foto: Zurek

Geisenfeld (GZ) Schonungslos greift Norbert Neugirg alles an, was nicht aus der Oberpfalz kommt – und so durften auch die Geisenfelder keine Gnade erwarten. Was sie nicht daran hinderte, sich köstlich bei seiner „vielsaitigen Lesung“ zu amüsieren.

„Oh Geisenfeld, du Stadt der Straßen, der Kreuzungen und Abgasblasen“ begrüßte er wenig schmeichelhaft die vom Schwerlastverkehr als „bewohnter Fahrbahnteiler“ unterjochte Kommune, an der einfach kein Weg vorbei führen will. Eine Umgehung ist nicht in Sicht und das „obwohl der Stadtrat, der regiert, seit Bismarck drüber diskutiert“. Zwangsläufig „kamen auch wir hierher, obwohl’s in Wolnzach schöner wär“, nahm Neugirg eine alte Rivalität aufs Korn und rührte in weiteren Wunden: denn „bei Bayerns beste Bayern gab es nichts zu feiern“.

Der Erwähnung des Erfolges bei der Mission Olympic schiebt er eine traurige Erkenntnis hinterher: Die Prämie reicht nicht für eine Umgehungsstraße, „weil bei den Bauern-Millionären, denen Land und Feld gehören, ein Quadratmeter – noch günstig kalkuliert – 5000 Euro kosten wird“. Selbst das Malheur um den Boulderfelsen hatte Neugirg aktuell im Blick. „Das Matterhorn von Geisenfeld ist auf dem Lkw zerschellt“, reimte er und ergänzte: Der Wunsch, die Anlage Staudter-Gedächtnis-Park zu taufen, scheitere an der Bürgersicht. Denn diese Website, die bekanntlich gerne gegen den Rathauschef schießt, „plädiert, wie zu erwarten, für Christian-Staudter-Stolpergarten“.

Angesichts des zweifelhaften Rufs der „Holledauer-Pferdediebgestalten“ hatte Neugirg, der ansonsten von der Altneihauser Feierwehrkapelln Rückendeckung erhält, drei Unterstützer mitgebracht. Das unter dem Namen „Fletz-Musik“ bekannte Trio machte den Abend „vielsaitig“. Mal die Texte ironisch kommentierend, mal ganz eigenständig mit enormem Swing oder jazzig frech boten Ulrike Märkl-Richter (Harfe), Markus Märkl (Hackbrett) und Ulli Schmutzer (Kontrabass) herrliche Verschnaufpausen für das vom Lachen strapazierte Zwerchfell. Denn was Neugirg als Dichter „schlichter nicht vernichteter Gedichte“ und sonstiger Verbalprojekte zum Besten gab, war einfach umwerfend komisch. Und seine „Drohnung“, er werde mit der Neihauser Kapelln wiederkommen und Geisenfeld „endgültig vernichten“, nahm das Publikum nur allzu gerne entgegen.