Ingolstadt

Biohendl im Anflug

Auf den Volksfesten werden nun auch Ökospeisen aufgetischt, die Grünen fordern das seit einem Jahr

21.01.2014 | Stand 02.12.2020, 23:10 Uhr

Für den großen Hunger: In den Zelten von Lorenz Stiftl und der Familie Lanzl werden die Gäste dieses Jahr in Ingolstadt erstmals mit Biohendl bewirtet. - Foto: Archiv

Ingolstadt (DK) Die Stadtratsfraktion der Grünen fordert bereits seit über einem Jahr, dass Biokost auf den Ingolstädter Volksfesten angeboten wird. Den Besuchern werden heuer nun auch Biohendl aufgetischt. Einige der Festzeltwirte bieten das ökologisch produzierte Geflügel in ihren Zelten an.

Bislang suchten die Besucher auf den Ingolstädter Pfingstvolksfesten und den Herbstfesten vergeblich nach Biokost. Die Festzeltwirte tischten ihren Gästen in den vergangenen Jahren nur konventionell erzeugte Speisen und Getränke auf. Das Fehlen von Bioangeboten bemängelten die Mitglieder der Grünen-Stadtratsfraktion bereits vor über einem Jahr. Rupert Ebner – Mitglied des Grünen-Kreisverbands und Vorstandsmitglied von Slow-Food Deutschland – gab mit einigen Bürgern den Anstoß: „Ihnen war aufgefallen, dass auf den Volksfesten überhaupt kein Bioessen angeboten wird“, erzählt Petra Kleine, Vorsitzende der Grünen-Stadtratsfraktion. Mit ihren beiden Stadtratskolleginnen Barbara Leininger und Angelika Wegener-Hüssen beantragte sie deshalb im November 2012, dass die Stadt künftig explizit auch Biokost für die Volksfeste mit in die Ausschreibung aufnehmen sollte. Die grünen Damen forderten: „Zumindest Biohendl sollten sich in Zukunft dort finden lassen.“ Der Stadtrat gab zwar gleich grünes Licht, an Bioprodukten mangelt es aber nach wie vor. „Insbesondere wird das Biohendl vermisst“, klagten die Stadträtinnen kürzlich, als sie bei Kulturreferent Gabriel Engert nachhakten.

Das Warten hat nun aber ein Ende: Beim nächsten Pfingstvolksfest tischt zum Beispiel Festwirt Lorenz Stiftl – der wie Manfred Enzersberger eines der beide Festzelte bewirtet – auf Wunsch erstmals auch Biobrathähnchen auf: „Den Anstoß gab uns das Ingolstädter Kulturreferat“, berichtet Stiftl. Für den Festwirt ist der Verkauf von Bioware kein Neuland: „Beim Volksfest in Pfaffenhofen haben wir bereits welche verkauft.“ Die Gäste seien dort aufgeschlossen. „Die Nachfrage liegt im Schnitt bei etwa drei bis fünf Prozent der Festbesucher.“ Manche Leute kämen sogar eigens wegen der Biohendl aufs Volksfest – obwohl sie dafür tiefer in die Geldbeutel greifen müssen: Rund ein Drittel mehr kosten die Brathähnchen aus ökologischer Landwirtschaft im Vergleich zu herkömmlichen Hendl. „Die bieten wir natürlich trotzdem weiterhin an“, verspricht Stiftl.

Einen Probelauf mit Grillhähnchen auf Biobasis möchte jetzt auch die Familie Lanzl starten, die beim Ingolstädter Herbstfest immer das einzige Festzelt betreibt. „Es hat zwar keiner unserer Gäste bisher explizit nachgefragt, aber ich habe schon eine ganze Weile überlegt, einmal den Verkauf von Biohendl zu testen“, erzählt Michaela Kemper, Geschäftsführerin der Lanzl-Gastronomie. Die Besucher müssten keine riesigen Mehrkosten fürchten, auch wenn die Bioware im Einkauf etwas teurer sei. Falls das neue Angebot gut ankommt, hat Kemper bereits eine weitere Idee: „Vielleicht könnten wir später dann auch noch Bioenten mit anbieten.“

Die Chancen für eine rege Nachfrage stehen nicht schlecht: Immerhin waren bereits die Biobratwürste ein richtiger Renner, die Bäcker Wolfgang Erhard in der Vorweihnachtszeit in der Skihütte auf dem Paradeplatz brutzelte. Alle seien verkauft worden – obwohl vor der Hütte noch normale Würstchen angeboten worden seien, heißt es seitens des Bäckereiteams. Die Gäste hätten die Speisen aus der Region sehr geschätzt.

Dass das auf den Volksfesten anders sein könnte, glaubt auch Michael Olma nicht (siehe Interview). Der Leiter der Ingolstädter Slow-Food-Gruppe, die sich seit Jahren für gutes und nachhaltig produziertes Essen einsetzt, betont: „Sogar auf dem Oktoberfest sind Biowaren in den Festzelten zu finden.“ Zum Thema „Bioangebote auf den Volksfesten“ wird heute auch Kulturreferent Gabriel Engert die Stadträte informieren, wenn der Ausschuss für Sport, Veranstaltungen und Freizeit ab 16 Uhr im Großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses (wie immer) öffentlich tagt.