Bilderreise in Altmannsteins Vergangenheit

Neue Ausstellung in den Fenstern des Wagnerhauses - Archiv der Marktgemeinde erhält Nachlass Gustl Hallermeiers

30.04.2021 | Stand 23.09.2023, 18:19 Uhr |
Negativplatten von den Fotos Gustl Hallermeiers hat Edeltraud Hallermeier aus Pförring dem Markt Altmannstein geschenkt. Bürgermeister Norbert Hummel bedankte sich dafür mit einer kleinen Aufmerksamkeit. −Foto: K.Schmied

Zwischen 200 und 300 Negativplatten dürften es sein, die Edeltraud Hallermeier dem Altmannsteiner Archiv nun geschenkt hat. Die Marktgemeinde hat damit einen besonderen Schatz bekommen: Werke des Fotografen Gustl Hallermeier. Einige davon sind derzeit in den Schaufenstern des Wagnerhauses ausgestellt.

Altmannstein - Wer erkennt die sieben Ortsteile? Wohin gehört der Kirchturm mit der Zwiebelhaube, und wohin der mit Blech behäubte Brunnen? Rätselraten ist erwünscht - und ein intensiver Blick durch die Fenster des Wagnerhauses auf die Fotos in Schwarz-Weiß oder in Sepia-Tönen sowieso. Manche Bilder sind gar koloriert. Auf einer Postkarte ist Altmannstein an einen hübsch großen See verlegt worden. "Da hat jemand daneben gegriffen", meint Klaus Heining beim Blick durch die Scheibe mit einem Schmunzeln. Und das nicht nur bei Blau, sondern auch bei Rot. Was aussieht wie Wasser, ist in Wirklichkeit natürlich eine Wiese. "Außerdem sind die Dächer alle rot gemalt. Früher waren die meisten aber mit Legschiefer bedeckt, also grau", sagt er weiter. Die Sache ist klar: "Der Kolorateur war wohl nicht von hier."

Wer allerdings von hier ist, für den ist die neue Ausstellung im Herzen Altmannsteins eine Entdeckungsreise in vergangene Jahrzehnte, in die eigene Kindheit oder die der Eltern und Großeltern. Weiße Weihnacht um 1950, die ehemalige Bahnlinie bei Hexenagger, der Sollerner Pfarrhof samt Nebengebäuden, die es seit den 1970er-Jahren nicht mehr gibt: Auf kleinen Zetteln steht geschrieben, was auf den Fotos zu sehen ist. Aufgenommen hat sie Gustl Hallermeier (1907 bis 1988), der so das Leben und die Landschaft seiner Heimat in Momentaufnahmen konservierte. Über 33 Jahre lagerte der fotografische Nachlass Hallermeiers in Kisten verstaut in Pförring. Adolf Hallermeier hatte die unzähligen Negativplatten nach dem Tod seines Onkels Gustl vor der Vernichtung gerettet und in seine Obhut genommen. Adolf Hallermeiers Witwe Edeltraud hat die Sammlung nun dem Markt Altmannstein geschenkt - was für Klaus Heining Anlass genug war, einige der Werke in den Schaufenstern des Wagnerhauses zu präsentieren.

Gemeinsam mit Bürgermeister Norbert Hummel (CSU) nimmt Edeltraud Hallermeier das Ergebnis in Augenschein. Sie freut sich, dass sie die Kisten und auch viele Ordner mit entwickelten Bildern in gute Hände geben konnte. "Ich bin jetzt im einen Alter, wo ich mir denke: Was sagen sich wohl die, die ausräumen müssen, wenn ich nicht mehr bin?", verrät sie und lacht. Nach dem Tod ihres Mannes 2017 habe sie also damit angefangen, die Schachteln mit den Glasplatten durchzuschauen. "Ich war dann glücklich, als der Markt Altmannstein angerufen und Interesse bekundet hat. Und so ist das dann weitergegangen", erzählt sie. "Wir werden gut auf sie aufpassen und sie so aufheben, dass man sie immer wieder herzeigen kann", betont Hummel. Sein Dank geht auch an Klaus Heining für die erneute Bestückung der Schaufenster. In einer Zeit, in der man wegen vieler Einschränkungen nicht viel machen könne, lenkt ein Blick auf die Bilder etwas ab. "Man bekommt ein gutes Gefühl beim Anschauen und die Menschen freuen sich, wenn sie hier vorbeigehen", beschreibt der Bürgermeister. Für Heining ist die Schaufenster-Ausstellung eine Möglichkeit, trotz geschlossener Museen etwas zum Entdecken zu bieten. Insgesamt vier Wochen sind die Hallermeier-Bilder ausgestellt.

Mit dem Aussuchen konnte Heining gleich nach der Ankunft der Kisten beginnen. "Mein Mann ist einmal in der Woche mit einem Schwung Platten nach Ingolstadt gefahren in einen Laden, wo man sie kopieren konnte" erzählt Edeltraud Hallermeier. Gemeinsam mit Archivar Richard Kürzinger will Klaus Heining die Platten noch sichten, für die Ausstellung hat er aber eben jene Abzüge hergenommen - und sie in den Klarsichtfolien belassen, damit sie keinen Schaden nehmen etwa durch die Sonneneinstrahlung. Darüber, welches Foto in welches Fenster kommt, hat er sich natürlich Gedanken gemacht. Und so geht es direkt neben der Metzgerei los mit dem Kernort, mit alten, vergrößerten Postkarten und mit Bildern von Szenen, die es so nicht mehr gibt. "Der Marktbrunnen ist nicht mehr da, auch das Kreuz unterhalb der Schule sieht man nicht mehr so gut", sagt Heining. Letzteres war einst anders, als die hiesige Juralandschaft noch ihren typischen kahlen Charakter zeigte. Heute dagegen sei vieles verbuscht.

Festlichkeiten fehlen auch nicht. Im zweiten Fenster gibt es etwa das Skapulierfest in Sollern zu entdecken. Bürgermeister Hummel kann einige abgelichtete Personen identifizieren, etwa auf dem Bild zum Feuerwehrfest 1977. Das wird wohl auch dem einen oder anderen Betrachter so gehen - der seine Erkenntnisse dann auch gern mitteilen kann. Auch Örtlichkeiten auf manchen Fotos konnte Heining nicht auf Anhieb benennen, hat herumgefragt und das Ergebnis auf der Foto-Rückseite notiert. So soll ein vollständiges Bild vom einstigen Marktleben entstehen.

"Es ist wichtig, die Fotos im Detail anzuschauen", sagt Heining. Diese Methode mag dem Betrachter dann vielleicht auch helfen beim kleinen Rätsel, das im letzten Fenster auf ihn wartet. "Zu gewinnen gibt es zwar nichts", sagt Heining und lacht. Die eigene Ortskenntnis zu testen, dazu reizen die sieben Suchbilder aber allemal. Und soviel sei gesagt: So richtig einfach ist die Sache nicht.

DK

Kathrin Schmied