Thalmässing
Biber in die Schranken weisen

Dämme des tierischen Baumeisters machen Probleme – Langfristige Lösung wird gesucht

02.12.2014 | Stand 02.12.2020, 21:55 Uhr

Der Rückstau hat Wiesen und die Straße unter Wasser gesetzt - Foto: Karch

Thalmässing (HK) Als Sturm im Wasserglas hat sich die Debatte um ein verstopftes Drainagerohr entpuppt. Nichtsdestotrotz bleibt das eigentliche Problem bestehen: Die fleißige Bautätigkeit des Bibers an der Thalach wird wohl auch weiterhin die Wiesen unter Wasser setzen.

Helmut Müller ist richtig sauer. Der Thalmässinger Landwirt ist einer der drei Grundstücksbesitzer an der Thalach, deren Flächen immer häufiger unter Wasser stehen. Und dazu braucht es inzwischen kein Hochwasser mehr, das den Wasserspiegel der Thalach steigen lässt. „Beim geringsten Regen staut sich der Entwässerungsgraben zurück und läuft gar nicht mehr ab.“ Das Ergebnis dieses Rückstaus konnte vor zwei Wochen beobachtet werden: Mehr als ein halbe Woche musste die Straße über die Europabrücke gesperrt werden, weil sie komplett unter Wasser stand. Die angrenzenden Wiesen sahen nicht viel besser aus.

Der „Schuldige“ war schnell gefunden: Der Biber, der seit Jahren an der Thalach lebt, hat seinen Schwerpunkt von der Kläranlage Alfershausen Richtung Europabrücke verlagert und einen hohen Damm aufgeschichtet. Der hat viel Wasser aufgestaut, ein verstopftes Drainagerohr tat ein Übriges, um Wiesen und Straße unter Wasser zu setzen. Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts haben den Damm des Bibers etwas niedriger gemacht und die Drainage gereinigt, doch waren diese Arbeiten nicht lange von Erfolg gekrönt. Der Biber machte sich fleißig wieder an die Arbeit und stellte seine Fähigkeiten als Baumeister unter Beweis, und auch die Drainage war gleich wieder verstopft.

Was die Gemüter dann allerdings vor allem erregte, war ein Leserbrief von Michael Stöhr, dem Biberbeauftragten. Er hatte darin vermutet, dass die Drainage nicht verstopft, sondern von menschlicher Hand entfernt worden sei. „Die Drainage lag auf Pflöcken und einem Querholz“, berichtet Stöhr. Er habe sie immer wieder sauber gemacht, doch Anfang November habe er sie nicht mehr gefunden – obwohl er mit der Hacke im Schlamm gestochert habe. Er sei deshalb davon ausgegangen, dass das Rohr nicht mehr da sei, „an anderen Orten im Landkreis sind auch schon solche Drainagen entfernt worden“. Nach einem Telefonat mit dem Wasserwirtschaftsamt wisse er aber nun, dass er sich getäuscht habe. „Es tut mir leid, ich entschuldige mich“, räumt er seinen Fehler ein.

Aber auch unabhängig von der aktuellen Rückstauproblematik ist Helmut Müller nicht glücklich: „Der Schaden durch den Biber wird immer größer“, prophezeit er. Heuer sei ein zweiter Grasschnitt gerade noch möglich gewesen, allerdings von minderer Qualität. Einen dritten Schnitt habe es nicht gegeben, weil das Wasser so lange in der Wiese gestanden sei. An einen vierten Schnitt, den es manchmal gebe, sei gar nicht zu denken. „In Zukunft werden nicht mehr die Wildschweine das Problem sein, sondern der Biber. Und die Wildschweine darf man wenigstens schießen.“

Der Eindruck, dass mehr Biber an der Thalach siedelten, täusche, so Michael Stör. Das Tier habe lediglich seinen Schwerpunkt verlagert. Beim Biberlehrpfad Richtung Alfershausen gebe es gar keinen Biber mehr. Innerhalb von zwei Monaten seien zwischen Thalmässing und Alfershausen vier Biber überfahren worden. „Die Zahl der Verkehrsopfer nimmt immer mehr zu.“

Um eine langfristige Lösung des Problems zu finden, werden sich Wasserwirtschaftsamt, Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt und Biberbeauftragter zusammensetzen, versichern die Behördenvertreterinnen Barbara Ertl und Ingrid Küttinger. „Wenn wir immer wieder rausfahren und die Drainage säubern oder den Damm entfernen müssten, wäre das eine Dauerbeschäftigung“, sagt Barbara Ertl. „Der Biber ist ja ein recht schlaues Tier. Wir haben das schon erlebt, dass der abgerissene Damm nach zwei oder drei Wochen wieder eingebaut war.“ Nachgedacht werde auch über einen Grundstückstausch.