Beilngries

Bereichernde Vielfalt in Bildern festgehalten

Ingrid Dütsch und Mevlüt Altuntas setzen ein Fotoprojekt mit Beilngriesern aus vielen Herkunftsländern um

05.08.2021 | Stand 12.08.2021, 3:34 Uhr
Auf Initiative von Ingrid Dütsch (von links) und Mevlüt Altuntas findet das Fotoprojekt statt. −Foto: Adam/Dütsch

Beilngries - Paul stammt aus Nigeria, Alex aus Chile, Ibrahim aus Sierra Leone, Anna und Antonia aus Italien, Jo Ann aus England, Trudi und Johannes aus Holland und Amad aus Pakistan. So unterschiedlich ihre Geburtsländer auch sind - alle haben eines gemeinsam: Sie leben jetzt in Beilngries. Und sie haben sich bereit erklärt, bei einem Fotoprojekt mitzuwirken, das Ingrid Dütsch und Mevlüt Altuntas zu einer Herzensaufgabe erklärt haben.

Seit Monaten sind die Integrationsbeauftragte der Stadt Beilngries und der leidenschaftliche Fotograf mit immer wieder anderen Neubürgern unterwegs, um für eine Ausstellung Porträt-Aufnahmen von ihnen in der Kulisse ihrer neuen Heimat Beilngries zu machen.

80 Nationen leben mittlerweile in der Altmühlstadt. Frankreich, Irland, Australien, Syrien und Iran, Vietnam, Indonesien, Polen, Afghanistan, Brasilien und natürlich Deutschland gehören unter anderem dazu. "Diese Vielfalt und Unterschiedlichkeit kann eine Bereicherung für uns alle sein", findet Dütsch, die die Fotoausstellung als "Zeichen der Wertschätzung für unsere Neubürger" sieht und als Chance, "positive Aspekte und Möglichkeiten für ein lebendiges Zusammenleben" zu zeigen. Fotografiert werden Familien und einzelne Personen - allerdings immer gemeinsam mit einer anderen Nation. "So wollen wir bereits dabei Menschen mit verschiedenen Kulturen eine Begegnung untereinander ermöglichen."

Die Holländer Trudi und Johannes Straver leben erst seit einem guten Jahr in Beilngries, viele Jahre war zuvor ihre Wahlheimat Italien. Beilngries haben sie sich als ihren Ruhesitz ausgesucht. "Die nahen Wege überall hin, die schöne Landschaft, die freundlichen Menschen, die tollen Radwege", all das sind Pluspunkte, die zu ihrer Entscheidung beigetragen haben, erzählen sie. Das Fotoprojekt von Dütsch und Altuntas finden sie spannend und deshalb haben sie gerne Ja gesagt, ein Teil davon zu werden. Genauso wie Sakhi Ozbak aus Afghanistan, der bereits seit 2016 in der Altmühlstadt lebt, hier Arbeit gefunden hat und als hervorragender Fußballer und Sportler auch gern an Wettkämpfen wie dem Stadtlauf im Rahmen des Bühler Beilngries Triathlons teilnimmt. Mit großem Erfolg, wie er bescheiden abnickt, als Ingrid Dütsch davon begeistert erzählt: "Er war vorletztes Jahr sogar bei einem Lauf Sieger!"

Beim Spaziergang durch die Gassen von Beilngries kommen die weltoffenen Holländer und der freundliche Afghane schnell ins Gespräch - über Familie, Beruf, Zukunftspläne und warum sie alle gerade hier nun leben. Für Ingrid Dütsch und Mevlüt Altuntas, die beide aufmerksam zuhören, gern mitreden und vor allem viel fotografieren, ein sehr erfolgreicher Nachmittag. Genau so haben sie sich die Treffen vorgestellt. "Wir haben auch eine deutsche Familie gefragt und tatsächlich haben sie sich sehr gefreut, dass wir sie zu dem Shooting eingeladen haben. Der Vater sagte sogar, er habe sich sehr geehrt gefühlt", erzählt Ingrid Dütsch.

20 verschiedene Familien und Personen werden bei der Ausstellung zu sehen sein, die vom 1. bis 10. Oktober im Rahmen der bundesweiten Interkulturellen Woche im Beilngrieser Haus des Gastes stattfindet. Unter jedem Bild wird der Name des Porträtierten, das Geburtsland, wie lange er oder sie schon hier ist und wie das Leben in Beilngries empfunden wird, stehen. Zudem hat sich Dütsch kleine Anekdoten aus dem Leben der Porträtierten zusammengeschrieben, persönliche Informationen, die zusammen mit den Fotos Lebens-Geschichten erzählen. Statistische Informationen über Migranten, die in der Stadt und den Ortsteilen von Beilngries leben, ergänzen die Bilder. Zur Vernissage werden alle Porträtierten eingeladen. Musik und kleine Snacks aus verschiedenen Ländern sollen das Motto "Vielfalt bereichert" versinnbildlichen.

"Stellvertretend auch für andere Migranten wollen wir den Porträtierten sagen: Ihr gehört dazu. Beilngries ist unsere gemeinsame Heimat", erklärt Ingrid Dütsch im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie ist sich sicher, "dass Gemeinschaft und Zugehörigkeit viel Halt und Sicherheit geben und einen gesunden Boden bereiten, um die eigenen Fähigkeiten optimal entfalten zu können".

Zugleich soll aber auch die einheimische Bevölkerung auf diese Weise die sich wandelnde Gesellschaft in der Heimat bewusst wahrnehmen - und das möglichst positiv. "Veränderung gab es schon immer. Döner, Gyros und Pizza sowie Essen aus vielen weiteren Nationen bereichern mittlerweile selbstverständlich unseren Alltag. Arbeitskräfte aus dem Ausland tragen dazu bei, dass unser Wirtschaftssystem funktioniert. Zudem ermöglichen vor allem Frauen aus anderen Ländern in der Pflege, dass ältere Menschen lange in ihren Wohnungen bleiben können. Wir können auch voneinander lernen", betont die Integrationsbeauftragte.

DK

Regine Adam