Burgheim

Behördenfunk-Antennen sprießen

Umstrittene Standorte

26.09.2012 | Stand 03.12.2020, 1:01 Uhr

Bürgerprotest in Ortlfing bei Burgheim: Die Gegner des Großprojektes (Bild unten) argumentieren damit, dass die gesundheitlichen Folgen der Bestrahlung für den Menschen nicht hinreichend erforscht seien. Ungeachtet dessen haben die Bauarbeiten begonnen (Bild oben). Burgheims Bürgermeister Albin Kaufmann besichtigt die Baustelle im Wald bei Biding. - Fotos: Schanz

Burgheim/Ehekirchen (DK) Sie wachsen unter widrigen Bedingungen und gegen allen Widerstand: Die Masten für den umstrittenen digitalen Behördenfunk (BOS) sprießen in die Höhe – die Bauarbeiten haben begonnen. Der Freistaat setzt sein Vorhaben unbeirrt durch.

Es ist ruhig geworden um den Tetra-Funk. Lautstark haben die Bürger noch vor einem Jahr gegen die Masten demonstriert. Das Epizentrum des Widerstandes im Landkreis lag in Burgheim. 800 Unterschriften gegen das Projekt nahm dort Bürgermeister Albin Kaufmann in Empfang. Daraufhin organisierte die Gemeinde einen Runden Tisch, bei dem Gegner und Befürworter zu Wort kamen. Doch die Fronten waren verhärtet: Der Funk werde dringend benötigt, um Empfangslöcher für Rettungskräfte zu schließen, hieß es auf der einen Seite. Die gesundheitlichen Folgen seien nicht hinreichend erforscht, das System nicht ausgereift, argumentierte die andere Seite. Der Gemeinderat hat bis zum Schluss gegen den Mast votiert, doch sein Einvernehmen wurde vom Freistaat ersetzt.

Ein Jahr später ist das Thema aus den Schlagzeilen verschwunden. Die Protestschilder hängen in Ortlfing noch am Straßenrand, doch nur ein paar Kilometer weiter haben Arbeiter bereits mit dem Bau des Burgheimer Masten begonnen. Bäume wurden gefällt, Erde abgetragen, die Rodung steht bevor. Auf 400 Quadratmetern, 800 Meter Luftlinie vom kleinen Dorf Biding entfernt, wird bald eine 60 Meter hohe Stahlkonstruktion aus dem Wald ragen.

„Es ist schwierig: Auf der einen Seite brauchen Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte den Funk. Auf der anderen muss man fragen, ob es unbedingt der Digitalfunk sein muss und ob nicht ein analoger Ausbau gereicht hätte“, erklärt Kaufmann. Seine Bürger wollten den Funk komplett verhindern. Und scheiterten.

Mehr Erfolg hatten die Schönesberger in der Nachbargemeinde Ehekirchen. Auch sie wehrten sich gegen den Mast, der knapp 900 Meter von ihrem Dorf errichtet werden sollte. Der Gemeinderat schlug einen Alternativstandort vor, 1400 Meter entfernt. Nach einigem Hin und Her nahm die standortsuchende Firma Telent das Angebot an. „Wir haben den Mast rausgebracht, fast noch mal 500 Meter weiter von der nächsten Wohnbebauung weg“, sagt Ehekirchens Bürgermeister Günter Gamisch. „Das haben wir ganz gut hingekriegt.“

Keine Widerstände gab es in Rennertshofen. Warum eigentlich nicht? „Gespräche mit Bürgern, die der Sache kritisch gegenüberstanden, hat es schon gegeben“, erzählt Bürgermeister Ernst Gebert. Doch wenn das Innenministerium versichere, dass keine gesundheitlichen Schäden nachzuweisen seien, müsse man das auch als verbindlich werten. „Entscheidend ist, dass der Staat die Weichen gestellt hat“, sagt Gebert. Der Rennertshofener Mast im Wald bei Siglohe ist gute zwei Kilometer zum nächsten Dorf entfernt – das nahm Luft aus der Diskussion.

In Neuburg wird der digitale Behördenfunk am Mast der Feuerwehr auf dem Burgwaldberg integriert. Über diese Entscheidung des Stadtrates gab es nur wenig Diskussionen. Neben diesen vier Standorten im Norden sind auch vier weitere im Landkreis geplant: in Schrobenhausen; in Hohenried; im Gemeindegebiet Berg im Gau, wo nach langem Hin und Her mit den Nachbarn Langenmosen und Königsmoos ein Standort festgelegt wurde; und in Karlshuld, wo die Anlage – relativ widerstandslos – am Funkmast bei der Kläranlage montiert wird.