Nürnberg

Beethoven blickt jetzt auf die Altstadt

Zum 250. Geburtstag wird das Beethoven-Denkmal an der Nürnberger Hallerwiese auf Vordermann gebracht

03.06.2020 | Stand 02.12.2020, 11:14 Uhr
Auch einen neuen Rasen bekommt der runderneuerte Beethoven. Die vorbereitenden Arbeiten sind voll im Gange. −Foto: Pelke

Nürnberg - Freude, schöner Götterfunken: Fränkische Klassikfreunde hätten sich den 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven heuer wohl sicher ganz anders vorgestellt. Wegen der Corona-Krise sind alle geplanten Festkonzerte und Geburtstagsständchen bislang ins Wasser gefallen.

Am kommenden Wochenende hätte beispielsweise Joana Mallwitz, die gefeierte Generalmusikdirektorin der Nürnberger Staatsphilharmonie, die berühmte "Pastorale" des Meisterkomponisten im Opernhaus dirigiert. Im Gluck-Saal ist eine kleine Klassik-Party unter der Überschrift "250 Jahre Beethoven" geplant gewesen, um dem Genie musikalisch die Ehre zu erweisen.

Als Perfektionist, Philosoph und Revolutionär sei das Geburtstagskind schließlich "der wichtigste Wegbereiter der Romantik und Erbauer einer Tonsprache, die in ihrer Dichte und Tiefe einzigartig ist" gewesen, wird auf der Homepage des Staatstheaters Nürnberg geschwärmt.

Mit einer besonderen Idee haben die Nürnberger Symphoniker dem berühmten Tonkünstler ein Ständchen bringen wollen. Unter dem Motto "Mittendrin statt nur dabei" ist eine spannende Aufführung der Neunten in einem ganz eigenen Setup geplant gewesen. 400 Sänger, Jung und Alt, musikalische Profis und Laien - und die Symphoniker sollten dabei kreisförmig in der Mitte der Meistersingerhalle sitzen und gemeinsam musizieren.

"Eine nie da gewesene Gemeinschaft von Ausführenden und Publikum für eine neue Dimension des musikalischen Erlebnisses" haben die Symphoniker damit schaffen wollen. Doch auch diese Beethoven-Party ist durch das Corona-Virus leider abgesagt worden.

Klassik-Freunde können sich immerhin damit trösten, dass pünktlich zum 250. Geburtstag das Beethoven-Denkmal in Nürnberg saniert wird. Sogar der kleine Park rund um das Ehrenmal wird gründlich auf Vordermann gebracht. Die Klavierlehrerin Ottilie Schüler hat die zwölf Tonnen schwere Marmorstatue seinerzeit anlässlich des 100. Todestag des Komponisten gestiftet. Vor lauter Bewunderung für Beethoven soll Schüler in den 20er-Jahren ihr komplettes Erbe für das Monument geopfert haben.

Ursprünglich durfte die Statue ab 1927 sogar den Richard-Wagner-Platz vor dem Opernhaus schmücken. Den Nationalsozialisten hat diese Beethoven-Vergötterung in der Stadt der Meistersinger offensichtlich dermaßen missfallen, dass das Denkmal in den 30er Jahren auf den heutigen Standort umziehen musste.

Dort hat die knapp drei Meter hohe Sitzfigur in würdevoller Haltung mit leicht gesenktem Kopf auf die Hallertorbrücke geblickt, und mit der linken Hand versunken dreinschauend ein Notenblatt umfasst. Bereits im Herbst ist die Statue mit einem Kran angehoben und um 90 Grad gedreht worden. Nun schaut der frisch gereinigte Beethoven zur Altstadt und grüßt mit seinem genialen Blick, der heroischen Pose und mit dem Notenblatt in der linken Hand alle Verkehrsteilnehmer an den Hallertor-Ampeln.

Besonders Spaziergänger dürften sich demnächst von Beethoven magisch angezogen fühlen. Im Beethoven-Jahr hat sich die Stadt Nürnberg offensichtlich nicht lumpen lassen wollen und auch den kleinen Park rund um das frisch renovierte Denkmal aufgemöbelt. Mit neuen Stufen und frischem Rasen soll ein neuer Balkon über der Hallerwiese entstehen. Eine undichte Decke hat die Stadt laut einem Sprecher erst auf die Idee mit der umfangreichen Neugestaltung des Beethoven-Parkes gebracht.

In dem ehemaligen Toiletten-Häuschen unter dem Denkmal befindet sich die Freiluft-Schenke "Schnepperschütz", die wiederum ihrerseits nach einem Denkmal auf der Hallerwiese benannt ist. Schade ist an der ganzen Beethoven-Geschichte eigentlich nur, dass es heutzutage nicht mehr en vogue ist, verdiente Künstler und Denker der Nation wie im 19. Jahrhundert überlebensgroß in Stein meißeln zu lassen.

HK