Hilpoltstein
"Beendet dieses Verwirrspiel"

Der Amateurfußball ist in einer schwierigen Lage - TSV Mörsdorf will mittels Tests Training ermöglichen

17.03.2021 | Stand 13.05.2021, 3:34 Uhr |
Wann solche Bilder wieder möglich sein werden, kann im Moment keiner mit Sicherheit sagen. Jubel - wie hier in der Partie Göggelsbuch gegen Meckenhausen - gibt es erst wieder, wenn die Spieler wieder auf die Plätze dürfen. −Foto: Tschapka (Archiv)

Hilpoltstein - Wie und vor allem wann geht es weiter im Amateurfußball?

Mit dieser Frage beschäftigen sich die Vereine aus unserem Verbreitungsgebiet. Die Antwort darauf gestaltet sich sehr schwierig. Während manche für einen Abbruch der Saison plädieren, wollen andere sie zu Ende spielen. Auch das Thema Schnell- und Selbsttests wirft Fragen auf.

Die derzeit an Inzidenzen gekoppelten Regeln haben den Fußball wie alle anderen Lebensbereiche durcheinander gewirbelt. Jetzt zählen der Zahlen 35, 50 oder 100, die den Vereinen den Handlungsspielraum vorgeben. Dies löst bei den Teams Verwirrung und Verunsicherung aus, obwohl es nahezu jeder nicht mehr erwarten kann, mit dem Ball arbeiten zu können. Kreisspielleiter Markus Hutflesz ist zwar optimistisch, dass die Saison 2019/21 im Sommer zum Abschluss kommen wird, weiß aber auch, dass dies nur mit unangenehmen Begleiterscheinungen möglich sein wird. "Ja, es ist nicht so angenehm in diesem Hick-Hack seine Arbeit zu verrichten", sagt er.

Ein aktuelles Beispiel biete die Kreisliga West, in der der TSV Heideck zu Hause ist. An kontaktfreien Außensport ist bei einer Inzidenz von 81,26 (Mittwoch) in dieser Woche nicht zu denken - es können sich nur fünf Personen aus zwei Haushalten treffen. Dagegen können die DJK Pollenfeld (Landkreis Eichstätt, 22,58) und der TSV Weißenburg II (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, 27,45) kontaktfrei mit bis zu zehn Spielern trainieren. "Es muss uns irgendwie gelingen, dass die Voraussetzungen für alle gleich sind", so Hutflesz.

Einen konkreten Plan für die Fortsetzung der Runde hat er sich überlegt und müsste ihn nur aus der Schublade ziehen. "Dazu muss ich gleich bemerken, dass Vorstellungen in ein paar Tagen oder sogar Stunden keinen Wert mehr haben. Die dritte Welle ist ja schon da, die Werte steigen permanent. " Man könne von Glück sagen, dass nur noch wenige Spieltage auf dem Programm stünden, so der Kreisspielleiter. "Ich würde eine Vorlaufzeit von vier Wochen vorschlagen, dass dann im April trainiert werden kann. Ende Mai sollten wir dann durch sein. " Doch auch der Juni böte sich an.

Außerdem gibt es noch den Ligapokal, auch diesen hat Hutflesz bislang nicht abgeschrieben - man könnte ihn zur Vorbereitung nutzen. Der Kreisspielleiter hofft nun auf eine positive Entwicklung der Zahlen, die Schnell- und Selbsttests überflüssig machen. Diese wären ab dem 22. März für den Trainingsbetrieb fällig, wenn die Inzidenz zwischen 50 und 100 liegt. Darüber hinaus vermisst Hutflesz eine klare Stellungnahme der Politik bezüglich der Zuschauerfrage. Eine große Gefahr sieht er auch für den Nachwuchs. "Ich bin selbst Vater einer Tochter und kann Veränderungen feststellen, besonders die Lustlosigkeit. " Unter der aktuellen Situation leide aber selbstverständlich nicht nur der Sport, sagt der Kreisspielleiter und denkt etwa an den Einzelhandel. "Fußball ist schön, aber nicht alles. "

TV Hilpoltstein

Obwohl man beim Bezirksligisten in Hilpoltstein liebend gerne wieder Fußball spielen würde, will Spielertrainer Fabian Schäll nichts übers Knie brechen. "Wir haben uns dazu entschlossen, dass jeder Akteur selbst dafür sorgt, fit zu bleiben. Dazu haben wir eine App zur Verfügung, die die Kilometer und die benötigte Zeit bewertet, dafür gibt es Punkte", erklärt er das Prozedere. Sehr wichtig ist für ihn die Grundlagenausdauer. Denn noch wisse keiner ganz genau, ob nach den Vorgaben des BFV ein Training ab dem 22. März in 10er-Gruppen möglich ist. "Es wäre meiner Meinung nach sinnvoll, lieber noch zwei bis drei Wochen die Füße stillzuhalten", sagt Schäll.

Grundsätzlich müsse man feststellen, dass das Thema Corona für Verwirrung sorge. "Es fehlen konkrete Angaben, und damit die Perspektive. Es muss immer damit gerechnet werden, dass neue Richtlinien erlassen werden und das Bestehende hinfällig ist", fährt der 30-Jährige fort. Auch sei noch unklar, wie das Thema Schnell- oder Selbsttests gehandhabt werden soll, etwa, wer die Kosten dafür trägt. "Was ist eigentlich, wenn die Pandemie noch ein halbes Jahr andauert? " Im Moment sei alles noch sehr wage, deshalb bezweifelt Schäll auch, dass die Saison nach den Plänen des BFV wirklich abgeschlossen werden könne. "Alleine schon die vorgeschlagene Vorlaufzeit von drei Wochen ist in meinen Augen utopisch. Wir haben bis zum vorgesehenen Startschuss dann über ein halbes Jahr Wettkampfpause. " Die letzte Partie hat der TV Hilpoltstein Ende Oktober bestritten. "Sechs Wochen wären angemessen, um einer Verletzungsgefahr aus dem Weg zu gehen", ist der Trainer überzeugt. "Über den Ligapokal denke ich erst gar nicht nach, den sollten wir ad acta legen. Das war gut gemeint, bringt in der jetzigen Situation aber gar nichts. "

TSV Greding

In Greding haben sich die Ereignisse innerhalb weniger Tage überschlagen. Am 10. März waren im Landkreis Roth die Inzidenzwerte so niedrig, dass Trainer Jürgen Schmid zwei 10er-Gruppen auf der linken und rechten Seite des Platzes trainieren lassen konnte, ohne Kontakt versteht sich. Knapp eine Woche später ist für den Bezirksligisten alles wieder vorbei. "Meine Jungs haben gestrahlt, als sie wieder auf einem Fußballfeld standen", erzählt Schmid. Die Stimmung sei sehr gut gewesen, und auch der Trainer war zufrieden: "Ich habe gesehen, dass sie in den letzten Wochen gearbeitet haben und deshalb fit waren. Jetzt heißt es wieder: Kommando zurück. " Schmid ist es leid: "Was soll ich meinen Leuten noch sagen, um sie bei der Stange zu halten. Mir fällt nichts mehr ein. " Nichts sei plan- oder kalkulierbar, so könne man nicht vernünftig arbeiten. "Auf Biegen und Brechen will der BFV seine Interessen durchziehen", ärgert sich der 38-Jährige. "Wir sind Amateure, das ist nicht zumutbar. "

Schon im Herbst war Schmid der Meinung, dass ein radikaler Schnitt das Beste wäre. "Beendet dieses Verwirrspiel, schafft neue Fakten. " Eine Lösung könne lauten: Beginn der neuen Saison am 1. Juli. Wenn es weitergehe wie bisher, befürchtet der TSV-Trainer eine Wettbewerbsverzerrung. "Es ist nicht haltbar, wenn in einem Kreis trainiert werden darf, im anderen aber nicht. " Drei Wochen Vorlauf - wie es der BFV-Verbandsarzt Werner Krutsch empfiehlt - hält Schmid für ausreichend. Knapp werde das aber auf alle Fälle.

Es bleiben weitere Fragen offen: "Ein Rätsel ist mir, wer die Tests bezahlen soll", sagt der Trainer, auch über Zuschauer könne noch keiner sprechen. Und der Ligapokal? "Dürfte sich erledigt haben. "

DJK Göggelsbuch

Beim Kreisligisten DJK Göggelsbuch hört man, was die Laufeinheiten angeht, auf Kapitän Michael Gerngroß und Co-Trainer Tobias Eckner. Chefcoach Stephan Handl hält telefonisch Kontakt zu seinen Spielern. "Ich habe den Eindruck, dass die Stimmung bei den Jungs gut ist", sagt er. Kontrolliert werde nichts, aber "das sind fast durch die Bank junge Burschen, die Interesse daran haben, fit zu sein. " Es solle kein Druck aufgebaut werden, auch wenn die Mannschaft auf Platz vier im Moment gut platziert sei. "Und wenn wir am Ende Achter werden, ist keiner enttäuscht. Wir wollen uns in dieser Liga etablieren, an eine höhere denkt keiner", sagt der 36-Jährige. 2018 ist dem kleinen Allersberger Ortsteil der Aufstieg und der damit bisher größte Erfolg in der Vereinsgeschichte gelungen. Handl sorgt sich um die Fortsetzung des Ligabetriebs. "Es ist eine unsichere Angelegenheit, denn niemand kann garantieren, wann vernünftig trainiert werden kann. " Das aber sei für den Sport unverzichtbar. Kann die Rückkehr auf den Platz dank Testergebnis gelingen? "Ich weiß, dass dabei Regeln einzuhalten sind, allerdings kann ich mir Schnelltests für 30 Personen nicht vorstellen. " Denn bezahlt werden müssten diese ja auch.

Wann könnte es weitergehen? "Meiner Meinung nach ist es realistisch, dass ab Mitte April Training möglich ist, die Inzidenzwerte bereiten mir aber Sorgen", sagt Handl. Während den Ligapokal keiner mehr brauche, sollte geklärt werden, ob Zuschauer zugelassen werden können. "Für Göggelsbuch kann ich sagen: Der Verein wäre bereit. "

TSV Mörsdorf

Zuversichtlich und guten Mutes ist man beim TSV Mörsdorf, dessen Spieler sich mit einer Lauf- und Onlinechallenge fithalten. Die Anzahl der Kilometer werden bewertet und als Spende weitergegeben. "Die Stimmung ist bei meinen Spielern recht gut, leider lassen die Inzidenzwerte eine Arbeit mit dem Ball noch nicht zu", sagt Trainer Matthias Rascher über die Mannschaft in der Kreisklasse.

Wenn es soweit sei, so genüge wohl eine Vorlaufzeit von drei Wochen, wie vom BFV vorgeschlagen. "Ich habe mir erst neulich einen Vortrag des zuständigen Arztes, Werner Krutsch, angehört. Der war sehr interessant und informativ. "

Den TSV drängt es auf den Platz: "Wir halten uns an die Regeln und finanzieren die Selbst- oder Schnelltests selber und nutzen dabei auch das kostenlose Angebot", erzählt Rascher. Er sei dafür, die Saison durchzuziehen - am liebsten natürlich vor Zuschauern. "Wenn die Biergärten wieder geöffnet haben, wird man es ermöglichen können, dass Fans vor Ort ihre Mannschaft sehen können. " Auch den Ligapokal hat Rascher noch nicht abgeschrieben, "er hätte bis Ende Mai bestimmt noch Platz im Restprogramm. " Letztlich gilt für den Trainer: "Es sollte vermieden werden, dass Auf- und Absteiger am grünen Tisch per Quotientenregelung entschieden werden. "

HK