Manching
B16-Ausbau bleibt umstritten - wenn er kommt

Der Ausbau der Bundesstraße 16 hat viele Gegner, aber auch große Befürworter

12.11.2021 | Stand 23.09.2023, 21:48 Uhr |
Die Trassierbänder verdeutlichen, wie groß der Kreisel werden soll. Lebenswertes Manching und BN haben dagegen protestiert. −Foto: Foto: Samuel Hendler/Bund Naturschutz

Der Ausbau der Bundesstraße 16 ist seit der Aufnahme in den Verkehrswegeplan des Bundes stark umstritten. Vor allem die Verbreiterung auf vier Spuren mit Mittel- und Seitenstreifen bei Manching führt zu anhaltenden Protesten der Anwohner. Doch Verbände und Kommunen machen sich dafür stark.

Worum es geht

Die B16 soll zwischen der A 8 und A 9 durchgehend drei- beziehungsweise vierstreifig und weitgehend ortsdurchfahrtsfrei ausgebaut werden. Einige Teilabschnitte sind bereits fertiggestellt. Die Verkehrsbelastung ist hoch und liegt im besonders umstrittenen Abschnitt zwischen der Bundesstraße 13 und der A9 bei rund 20000 Fahrzeugen am Tag, wobei überdurchschnittlich viele Lkw unterwegs sind.

Das sagen die Gegner

Nicht viel Federlesen machten Bund Naturschutz (BN) und der Verein "Lebenswertes Manching" am Freitag ab 10 Uhr dort, wo ein mächtiger Kreisel entstehen soll: Trassierbänder markierten im Kartoffelacker die Ausmaße des geplanten Projekts, Landwirte schimpften wegen des Verbrauchs von Ackerfläche und Verantwortliche von BN und Lebenswertes Manching fanden markige Worte: "Unsinniges, klimazerstörendes und überzogenes Straßenbauprojekt" nannte es Richard Mergner, bayerischer BN-Vorsitzender. Der Diplom-Geograph sagte auch: "Wir brauchen keinen verfassungswidrigen Straßenbau." Das machte er an einem Rechtsgutachten zum Fernstraßenausbau-Gesetz fest. "Der geplante Ausbau ist völlig überdimensioniert", meinte Margartha Bauernfeind von "Lebenswertes Manching". Lena Maly-Wischof, BN-Geschäftsführerin aus Ingolstadt, betonte: "Es ist Irrsinn, es den Autofahrern mit diesem Projekt so bequem zu machen. Sie sollen eher im Stau stehen." Am Ende fragte sie: "Ich weiß nicht, was noch passieren muss, damit solche Projekte gestoppt werden." Und Annemarie Räder (Regionalreferentin des BN) befürchtet "eine Ausweichroute für den Fernverkehr", dabei nehme der Verkehr doch messbar ab.

Johann Weiher aus Westenhausen ist Landwirt, der im betroffenen Areal (zwischen Manching und Pichl), aber auch östlich von Manching, wo die Höhenfreimachung geplant ist, Ackerflächen bewirtschaftet: "Für die Höhenfreimachung musste ich rund zwei Hektar Land abgeben, hier wären es gut 1,2 Hektar. Wir brauchen diese Flächen, weil wir sonst einen enormen Verlust erleiden. Wir wollen die Höfe doch unseren Kindern übergeben. So etwas geht an die Existenz. Wir brauchen ein Umdenken, damit landwirtschaftliche Flächen nicht weiterhin so sinnlos versiegelt werden."

Von der B16 im Vorbeifahren gut sichtbar ist das Areal mit rotweißem oder schwarzgelbem Band markiert. Rotweiß zeigt, wie groß der Kreisel wird, wo die zusätzlichen Fahrspuren Platz verbrauchen und wohin die neue Straße Pichl-Oberstimm teilweise verlegt werden soll. Schwarzgelb verdeutlicht, wo die mächtige Lärmschutzwand aufgeschüttet werden soll. Ein Nachbar aus Pichl, mit direktem Blick auf dieses Gebiet, fragt nur: "Ja, sind die verrückt?"

Josef Schweigart vom BN Pfaffenhofen sagte, die Planungen seien "ein Verbrechen an der Zukunft unserer Kinder". Man müsse dringend umdenken. Ob die Gemeinde Manching das tut, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall war am Freitag niemand des Gemeinderats an den Acker neben der B16 gekommen.

Das sagen die Befürworter

Auf der mittlerweile dritten B-16-Konferenz der IHKs für München und Oberbayern, Schwaben und Oberpfalz/Regensburg haben Unternehmer aus den Wirtschaftsstandorten entlang der Strecke zwischen Günzburg und Roding ihre Forderungen nach einem raschen, durchgängigen und mindestens dreispurigen Aus- und Umbau dieser Bundesstraße bekräftigt - und möglichst ohne Kreuzungen. Sie überreichten der Bayerischen Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) in Ingolstadt ein entsprechendes Positionspapier. Unterzeichnet haben es 255 Vertreter der Wirtschaft, die rund 90000 Arbeitnehmer repräsentieren.

"Zu einem Ausbau der B16 als leistungsstarke Ost-West-Verbindung für Wirtschaft und Pendler gibt es keine Alternative", betonte Franz Schabmüller, Vorsitzender des IHK-Regionalausschuss Ingolstadt. Die Unternehmen seien auf verlässliche Erreichbarkeit, funktionierende Lieferketten und eine reibungslose Logistik angewiesen. Auch die Pendler sind nach seinen Worten auf die Strecke angewiesen, die möglichst bald ausgebaut werden soll.

Laut Verkehrsministerin Kerstin Schreyer werden insgesamt rund 800 Millionen Euro in die B16 investiert werden. In der Region zählen dazu der Anschluss an die A9 (vollständiges Kleeblatt),der vierspurige Ausbau bis zur B13 sowie weiter bis zur Zeller Kreuzung bei Neuburg sowie die Verlegung bei Marienheim.

So zumindest sahen es die Pläne des früheren Bundesverkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU) im Jahr 2017 vor. Doch ob das alles so verwirklicht wird, ist mittlerweile fraglich. "Ich zweifle sehr daran, dass die nächste Bundesregierung große neue Straßen baut", sagte Schreyer im Hinblick auf Bundesstraßen und Autobahnen und die nächste Regierungskoalition in Berlin, die bekanntlich SPD, Grüne und FDP bilden. Zur Erinnerung: Die vergangenen zwölf Jahre war das Bundesverkehrsministerium mit CSU-Vertretern besetzt. Angesichts dieses Paradigmenwechsels rief sie die Wirtschaft dazu auf, "noch enger zusammenzurücken", denn es werde schwieriger werden, bayerische Interessen zu vertreten. Aber die Unternehmer benötigten Anbindungen in ganz Bayern.

Schreyer will nach eigenem Bekunden "pragmatische Lösungen" und die Belange der Bürger und Anlieger berücksichtigen. Eine Verkehrswende sei richtig. "Aber wir werden nicht alle Güter auf die Schiene bringen und nicht jeden Weiler damit erschließen." Wichtig sei, Verkehrsträger nicht gegeneinander auszuspielen.

DK

Bernhard Pehl