Hilpoltstein

AWO-Station unter Quarantäne

Realität holt Kompetenzzentrum in Hilpoltstein ein - Negative Schnelltests beim Personal

09.12.2020 | Stand 13.12.2020, 3:33 Uhr
Ein wenig Stimmung in schwierigen Zeiten: Gemeinsam mit einer Seniorin schmückt eine Pflegerin den Weihnachtsbaum im AWO-Kompetenzzentrum Hilpoltstein. −Foto: AWO

Hilpoltstein - Die Realität hat das AWO-Kompetenzzentrum schneller eingeholt, als es allen dort lieb war.

 

Am Dienstag noch hatte Einrichtungsleiter Frank Krebel dem Hilpoltsteiner Kurier davon berichtet, froh zu sein, keinen Coronafall in seinen Reihen zu haben. Am Mittwoch, dem Tag, an dem die Inzidenz im Landkreis Roth über die besorgniserregende Marke von 200 gestiegen war, hatte es auch das AWO-Heim erwischt. Ein Bewohner, der im Rother Kreiskrankenhaus behandelt werden musste, war routinemäßig auf Covid-19 getestet worden - der Schnelltest schlug positiv an. Der folgende PCR-Test bestätigte laut Andrea Raithel, Pressesprecherin des Landratsamtes Roth, dieses Ergebnis.

Das Personal müsse sich nicht in Quarantäne begeben, sagte Andrea Raithel, da es durchgehend FFP2-Masken getragen hatte. Interne Schnelltests haben laut Krebel zudem nur negative Ergebnisse gebracht. Die Station mit den 36 Plätzen indes sei aktuell abgeriegelt und stehe unter Quarantäne, erklärte Raithel. Die Bewohner wurden getestet, die Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Verärgert zeigte sich Krebel allerdings darüber, dass er von dem positiven PCR-Test nicht vom Gesundheitsamt, sondern erst durch den Anruf des Hilpoltsteiner Kuriers erfahren habe, wie er sagte. Der Bewohner sollte gestern laut Krebel nämlich wieder vom Krankenhaus in das AWO-Heim zurückverlegt werden. Dort Quarantäne einzuhalten sei zwar möglich, da dieser über ein Einzelzimmer verfüge. "Aber das muss ich rechtzeitig wissen, die Person muss eingeschleust werden, Mitarbeiter unterrichtet und Schutzkleidung hergerichtet werden. Das ist ein Riesenbrimborium. " Laut der Pressesprecherin hat das Gesundheitsamt indessen Kontakt mit der Einrichtungsleitung aufgenommen.

Was sich am Mittwoch zuspitzt hat, hatte die Einrichtung genauso wie viele andere schon seit Monaten begleitet: Corona-Schnelltests, Fiebermessen, Schutzkleidung, FFP2-Masken, Quarantäne, Isolation. Begriffe wie diese prägten in der Pandemie den Alltag in Altenheimen - eben auch im sozialen Kompetenzzentrum der Arbeiterwohlfahrt in Hilpoltstein. "Dennoch versuchen wir so viel Normalität wie möglich im Alltag zuzulassen", bekräftigt Frank Krebel.

Mitglieder der evangelischen Gemeinde hätten im Innenhof eine Andacht abgehalten, die Bewohner konnten von ihren Zimmerfenstern aus zuschauen. "Wir haben uns auch eine Videokamera angeschafft", ergänzt Krebel. "So können wir das innen machen und übertragen. " Die Devise lautet, so vorsichtig wie möglich zu agieren. "Mehrmals täglich kontrollieren wir die Bewohner auf Covid-Symptome wie erhöhte Temperatur oder Schnupfen. " Sollte ein Verdacht auftreten, kann ein Schnelltest rasch Auskunft geben, ob es sich wirklich um Corona handelt. Der nun betroffene Bewohner sei vor der Verlegung ins Krankenhaus unauffällig gewesen.

Wie vorgeschrieben werde natürlich auch das Personal regelmäßig getestet. Der Pflegeeinrichtung stünden genügend Schnelltests zur Verfügung. "Das ist nicht das Problem", sagt Krebel. "Das ist aber wahnsinnig zeitaufwendig. " Etwa 15 bis 20 Minuten dauere es, bis der Test ausgewertet sei. Bei 120 Mitarbeitern, die zwei Mal die Woche getestet werden müssen, "da können Sie sich ausrechnen, was das an Zeit kostet". Die vielen Stunden, die dafür aufgewendet werden müssen, "bräuchte ich eigentlich für die Versorgung der Bewohner", so Krebel. "Wir hoffen, dass wir da in Zukunft Unterstützung bekommen", wünscht er sich. "Von der Bundeswehr, dem Bayerischen Roten Kreuz, den Maltesern oder Johannitern. " Mit Tests sowie Masken sei die Einrichtung "super versorgt, der Kreisverband unterstützt uns hier kräftig".

Bisher hat es laut Krebel nur drei Corona-Verdachtsfälle beim Personal gegeben, "aber früher oder später erwischt es uns, so grausam das ist", hatte Krebel noch am Dienstag gesagt. Nun ist es so weit. Aktuell habe man deshalb Verwandte und Freunde gebeten, von Besuchen Abstand zu nehmen, bis die Situation geklärt sei. Bisher lautete die Regel, einen aktuellen negativen Coronatest vorzulegen, der laut Krebel nicht älter als 48 Stunden sein darf. Den Test könne man beim Hausarzt oder der Rother Testrecke vornehmen lassen, informiert Krebel. "Dort sind sie recht fix und zuverlässig, normalerweise liegt das Ergebnis innerhalb von 24 Stunden vor. " Vorausgesetzt, man bekommt einen Termin.

Besucher müssen sich außerdem telefonisch anmelden und, sobald sie das Haus betreten, eine FFP2-Maske tragen. Um den Eintrag von Viren ins Haus möglichst auszuschließen, dürfen die Verwandten und Freunde auch nicht auf die Zimmer, vielmehr wurde der ehemalige Speisesaal hergerichtet, "dort haben wir vier Besuchsplätze, die mit Paravents abgetrennt sind". Nur die extrem Bettlägerigen oder Menschen, die im Sterben liegen, können auf der Station besucht werden, "dann werden die Besucher eingeschleust, mit Kittel, Mundschutz und ausreichender Desinfektion", so Krebel. "Wir tun alles, um den Bewohnern das Leben so angenehm wie möglich zu machen und trotzdem größtmögliche Sicherheit zu bieten. "

HK

 

Monika Meyer