"Aufbruch in eine neue Arbeitswelt"

Siemens bezieht Campus in Erlangen - Forschungsgelände soll einer der modernsten Standorte des Unternehmens werden

04.02.2020 | Stand 02.12.2020, 12:02 Uhr
Sabrina Soussan leitet den Konzernbereich Siemens Mobility und hat beim Einzug in den neuen Siemens-Campus geholfen. −Foto: Pelke

Erlangen - Der erste Umzug ist geschafft.

 

Die ersten 2000 Mitarbeiter haben fristgerecht den neuen Siemens-Campus in Erlangen bezogen. Gestern haben Sabrina Soussan und Thomas Braun die allerletzte Umzugskiste ausgepackt. "Der neue Campus bedeutet für Siemens den Aufbruch in eine neue Arbeitswelt", sagte Soussan, die den Konzernbereich "Siemens Mobility" leitet. Die modernen Büros seien nicht nur gut für das Geschäft, sondern auch gut für das Image und die Kommunikation, schwärmte Soussan. Zusammenarbeit sei in der modernen Industriewelt das Zauberwort für Erfolg.
In der Kaffeeküche steht sogar ein Tischkicker bereit, um die Mitarbeiter in kurzen Pausen bei Laune zu halten. "Zur Not hängen wir auch noch Hängematten und Schaukeln auf", sagte Thomas Braun, Generalmanager des Campus-Neubaus. Bei aller Modernität wolle das Unternehmen seriös bleiben. Für einen Wettlauf um den lustigsten Arbeitsplatz sei Siemens nicht zu haben. Vielmehr gehe es darum, den Mitarbeitern flexible Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Mit Laptop und Smartphone ausgerüstet könne jeder Siemensianer "sofort und überall" loslegen.
Mit dem neuen Campus setzt das Unternehmen auch ein klares Signal an den Standort in der fränkischen Universitätsstadt. Obendrein will sich Siemens mit dem Campus als attraktiver Arbeitgeber behaupten und gleichzeitig ein Zeichen der Stärke an die Konkurrenz senden. "Wir sind Vorreiter der Digitalisierung. Wir wollen mit dem Campus zeigen, dass wir jung und modern sind und noch viel erreichen wollen", sagte Soussan und begrüßte die neuen Mitarbeiter an ihren höhenverstellbaren Schreibtischen.
Statt auf Firlefanz und Schnickschnack scheinen die Architekten besonders auf das Wesentliche viel wert gelegt zu haben. Alle Räume sind sogar an einem Februartag taghell. 50 Prozent der neuen Gebäude bestehen aus Glas. Neben natürlichen Lichtverhältnissen ist auf gute Raumakustik geachtet worden. Kleine Nischen bietet zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten für Telefonate oder Teambesprechungen.
"Im Sommer ist das hier alles ganz lebendig", sagte Generalmanager Braun und zeigte auf die Siemens-Promenade, die die Gebäude nach ihrer kompletten Fertigstellung in zehn Jahren auf einer Länge von eineinhab Kilometern wie eine grüne Fußgängerzone verbinden soll. In den Erdgeschossflächen sollen demnächst noch zahlreiche Cafés und Restaurants eröffnen. Sogar an Geschäfte zur Kleiderreinigung hat Siemens gedacht, damit die Mitarbeiter sich den Weg zur Wäscherei sparen können.

Bis zum Sommeranfang sollen die nächsten 2000 Mitarbeiter auf den Campus umziehen. Insgesamt bietet der erste Bauabschnitt rund 5500 Mitarbeitern Platz. Auch ganz normale Bürger dürfen den neuen, rund 75 Fußballfelder großen Siemens-Stadtteil jederzeit besuchen. Alle Zäune sind verschwunden.

Gleich gegenüber wird bereits am zweiten Modul gearbeitet. Auf der anderen Straßenseite sollen das zentrale Empfangsgebäude, vier weitere Bürogebäude sowie drei Parkhäuser bis 2022 fertiggestellt werden. Gleichzeitig planen die Städte Herzogenaurach, Erlangen und Nürnberg den Bau einer Stadt-Umland-Bahn, die den neuen Siemens-Campus und die angrenzende Hochschule per Straßenbahn erschließen soll.

"Natürlich wird dort eine Siemens-Bahn fahren", freute sich Sabrina Soussan, CEO von Siemens Mobility, und erzählte, dass der weltweit führende Technologiekonzern kürzlich die Ausschreibung für die Bahnen auf der neuen Campus-Strecke gewonnen habe.

DKDER SIEMENS-CAMPUSn Plan: Mit dem Siemens-Campus wird das Forschungsgelände im Süden von Erlangen bis 2030 für rund 500 Millionen Euro peu à peu zu einem der modernsten Standorte von Siemens weltweit umgestaltet. n Bau: 2016 haben mit der Grundsteinlegung die Bauarbeiten begonnen. 2020 haben die ersten Mitarbeiter die acht Bürogebäude, drei Parkhäuser und eine Kantine für insgesamt rund 4500 Mitarbeiter bezogen. Das zweite Modul, in dem ein 70 Meter hohes Hochhaus einen neuen städtebaulichen Akzent setzen wird, soll in zwei Jahren fertig werden. n Idee: Der Siemens-Campus soll Erlangen um einen neuen Stadtteil bereichern, der größer ist als 75 Fußballfelder. DK

 

Nikolas Pelke