Ingolstadt
Auf Distanz zu den Rechtsradikalen

Förderverein des Armeemuseums und Vorstandsbeisitzer Reinhard Brandl geben Erklärungen ab

23.10.2017 | Stand 02.12.2020, 17:19 Uhr

Ein überzeugter Freund des Bayerischen Armeemuseums: Reinhard Brandl (hier im Kavalier Dallwigk) verurteilt revisionistisch-rechtsradikale Beiträge aus den Reihen des Fördervereins. - Foto: Hammer

Ingolstadt (DK) Die Freunde des Bayerischen Armeemuseums bedauern, dass auf ihrer Homepage revisionistische Texte verbreitet wurden, weisen den Vorwurf rechtsradikaler Tendenzen aber weit von sich. Reinhard Brandl gehört dem Förderverein als Beisitzer an. Der Abgeordnete geht ebenfalls auf Distanz.

Streng militärisch würde man vermutlich von einer Frontverkürzung sprechen, von einem taktischen Rückzug oder einer Flucht nach vorn. Je nachdem, wie man die Gefechtslage beurteilt. Vor zwei Wochen ist bekannt geworden, dass der Förderverein des Bayerischen Armeemuseums auf seiner Internetseite geschichtsrevisionistische und rechtsradikale Schriften verbreitet. Der Vorsitzende, Ernst Aichner, hat sich damit seither eher technisch auseinandergesetzt, weniger inhaltlich. Er habe sofort veranlasst, dass die Texte gelöscht werden, als er davon erfahren habe, sei aber vom Administrator der Seite enttäuscht worden, sagte der Museumsdirektor a. D. (im Amt von 1979 bis 2010) dem DK. Doch jetzt reicht der Verein eine Bewertung der von externen Historikern scharf kritisierten Inhalte nach. In einer im Namen Aichners veröffentlichten Erklärung wird das Geschehene bedauert. Man betont, nichts mit rechtsradikalen Umtrieben zu tun zu haben.

In der Erklärung heißt es: "In jüngster Zeit waren auf der Webseite des Vereins zeitweise Texte externer Autoren veröffentlicht, die durchaus kritisch zu beurteilen sind. Die Inhalte stellten zu keiner Zeit eine Positionierung des Vereins dar und verfolgten keinerlei politische Ziele. Wir bedauern, dass es aufgrund der Veröffentlichung zu Irritationen gekommen ist und dass die Inhalte erst nach Hinweisen von außen entfernt worden sind. Mit Entschiedenheit weist der Verein der Freunde des Bayerischen Armeemuseums alle von interessierter Seite lancierten Vorwürfe zurück, in seiner ehrenamtlichen und gemeinnützigen Arbeit würden rechtsradikale Tendenzen verfolgt. Ebenso verwahren wir uns gegen jegliche Unterstellungen der Geschichtsklitterung. Unsere Arbeit für das Bayerische Armeemuseum erfolgt strikt im Rahmen der Vereinssatzung."

Der Förderverein zählt derzeit 300 Mitglieder und hat in den 50 Jahren seines Bestehens nach eigenen Angaben rund 700 000 Euro an Geldspenden sowie "zahllose Sachspenden" für das Armeemuseums gesammelt. Diese sind allerdings nur Leihgaben, die im Besitz des Vereins bleiben; das steht nicht in der Erklärung. Wie berichtet, wurde die 50-Jahr-Feier, die eigentlich am nächsten Samstag stattfinden sollte, kurzfristig auf das Frühjahr verschoben, "weil es Schwierigkeiten mit dem Museum gibt", wie Aichner jetzt in einem Rundbrief an die Mitglieder schreibt.

Eine Bemerkung in der Erklärung bedarf allerdings der Modifizierung: Es sind nicht nur "externe Autoren" für die kritisierten Texte verantwortlich, es waren auch Männer aus den eigenen Reihen, die in offensiver, revisionistischer Manier von der Wissenschaft anerkannte historische Tatsachen relativieren oder sogar leugnen - sei es zur Alleinschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg oder zur Rolle der USA, Polens und der Tschechoslowakei bei der Besetzung des Sudetenlands 1938 durch die Wehrmacht und die Besetzung der Tschechoslowakei im Jahr darauf. Die Interpretation, Hitler sei von den genannten Staaten quasi zu militärischem Handeln gezwungen worden, verbreitet ein enger Freund des Fördervereins: der General a. D. Gerd Schulze-Rhonhof. Er hat seine Thesen, die als rechtsradikal einzuschätzen sind, auch 2015 bei der Mitgliederversammlung der Freunde im Neuen Schloss ausgebreitet; dem Vernehmen nach völlig unwidersprochen. Wie berichtet, hat sich der Ehrenvorsitzende des Fördervereins, Manfred Dumann, vor Kurzem im Gespräch mit dem DK von dem General distanziert.

Noch einer geht auf Distanz: der Obergefreite der Reserve und CSU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Brandl. Er engagiert sich im Förderverein des Armeemuseums als Beisitzer. Jetzt stellt er auf Anfrage des DK klar: "Jede Form der Geschichtsklitterung ist indiskutabel. Eine Veröffentlichung im Internet oder eine anderweitige Verbreitung entsprechender Texte ist nicht zu rechtfertigen." Brandl betont, im Verein keine rechtsradikalen Aktivitäten bemerkt zu haben. Er bedauere die Publikationen und fragwürdigen Vorträge. An der Mitgliederversammlung mit der Schulze-Rhonhof-Rede habe er nicht teilgenommen und erst später davon erfahren. Brandl weiter: "Der Freundeskreis hat auf seiner Webseite und bei Veranstaltungen Referenten eine Plattform geboten, von der aus sie zweifelhafte Thesen vertreten konnten. Das war ein Fehler. Ich habe es aber persönlich nie erlebt, dass sich jemand aus dem Verein selbst in irgendeiner Form revisionistisch oder rechtsradikal geäußert hätte. Geschweige denn gab es irgendeine Beschlusslage in dieser Richtung. Im Gegenteil, ich erfahre jetzt von vielen Mitgliedern, dass es sie persönlich sehr betroffen macht überhaupt in eine solche Nähe gerückt zu werden."

Er sei Mitglied des Fördervereins geworden, "weil das Armeemuseum einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung und zur Dokumentation der Rolle des Militärs in Kultur und Gesellschaft in Bayern leistet", erzählt Brandl auf Anfrage. Als die Vorwürfe wegen der Schriften laut geworden waren, habe er an der nächsten Vorstandssitzung teilgenommen und darauf gedrungen, "dass der Verein sich klar davon distanziert". Was geschehen sei, "hat weder der Freundeskreis noch das Armeemuseum verdient".

Die Seite www.freundeskreis -armeemuseum.de ist seit Mitte Oktober offline. Es wurde ein neuer Administrator ernannt.

Der Museumsleiter Reiß hat den Freundeskreis im Zorn verlassen. Lesen Sie hier mehr dazu.