Pfaffenhofen

Auf die Spitze gesetzt

25.10.2019 | Stand 02.12.2020, 12:46 Uhr
Das Kreuz ist zurück: Restaurator Bernd Zeiler (Mitte) und Mitarbeiter der Spenglerei Heinzlmeier brachten das frisch vergoldete Glaubenssymbol wieder an der Kirchturmspitze an. −Foto: Straßer

Pfaffenhofen (PK) Der Turm der Pfaffenhofener Stadtpfarrkirche Sankt Johannes Baptist ist wieder komplett. Am Freitag haben Handwerker das Kreuz und die darunter liegende goldene Kugel wieder in knapp 80 Metern Höhe verankert.

Das Kreuz und die darunter liegende Kugel an der Spitze der Pfaffenhofener Stadtpfarrkirche Sankt Johannes Baptist strahlen wieder golden. Unzählige acht auf acht Zentimeter große Goldblätter hat Restaurator Bernd Zeiler in Handarbeit auf das mehr als zwei Meter hohe Kreuz und die Kugel mit einer Oberfläche von gut zweieinhalb Quadratmetern gelegt. An dieser Arbeit hat sich seit der bislang letzten Sanierung vor knapp vierzig Jahren nicht viel geändert. Der Transport auf die Spitze ist aber heutzutage wesentlich weniger beschwerlich als noch 1981, erinnert sich Zeiler. Als 17-Jähriger war der Kirchenmaler und Restaurator auch damals schon dabei.

Mehr als drei Stunden dauerte die Prozedur damals. Einen Aufzug wie jetzt gab es nicht, über eine Außentreppe mussten die Handwerker die schwere Kugel und das sperrige Kreuz bis in knapp 80 Meter Höhe schleppen. Weil es so eng war, konnten nie mehr als zwei Mann anpacken. Die letzten Meter gab es nicht einmal mehr die Treppe, durch Leitern zwischen den Ebenen bugsierten die Männer die Gegenstände nach oben.

Am Freitag sind Kreuz und Kugel schon nach wenigen Minuten knapp unterhalb der Turmspitze angelangt. Die letzten Meter ziehen Spengler Norbert Heinzlmeier und seine Mitarbeiter die sperrigen Gegenstände mit Hilfe eines Seilsystems in die Höhe. Noch schnell die drei Kartuschen mit den Erinnerungsstücken in die Kugel stopfen, dann stecken Heinzlmeier, Zeiler und Architekt Daniel Eggeling die Kugel auf den Kaiserstiel, der aus dem Kupferdach ragt. Gut 2,5 Tonnen des glänzenden Metalls haben die Spengler in den vergangenen Monaten verbaut. Erst in etwa einem Jahr wird das Dach wieder die gewohnte dunkle Farbe angenommen haben. "Für einen Spengler ist das ein Highlight. Vor allem wenn man weiß, dass alles für Generationen oben bleibt", sagt Heinzlmeier.

In der Kartusche stecken neben einer Spenderliste, Fotos, Geldmünzen Zeitungsartikeln und einem Kirchenanzeiger auch ein von Heimatforscher Reinhard Haiplik verfasster Überblick über das Jahr 2019. Er geht darin auf Dinge wie den Klimawandel und die Digitalisierung ein, umreißt die Situation der katholischen Kirche und hält wichtige Personen der Zeitgeschichte und Preise fest.

In seiner Ansprache bezeichnete Pfarrer Albert Miorin das Kreuz als Segenszeichen für Stadt und Umkreis. "Für mich ist es ein Zeichen, zu dem die Menschen aufschauen können. Ein Zeichen der Hoffnung", sagte Miorin. Mit dem Ablauf der Bauarbeiten sind Miorin und Eggeling zufrieden. Miorin spricht von einer "super Zusammenarbeit, Eggeling betont, dass die Kosten voll im Rahmen liegen.

Gleich nachdem Kreuz und Kugel fest verankert sind, machen sich die Gerüstbauer daran, die obersten Podeste zu entfernen. Am Nachmittag war das frisch vergoldete Kreuz aus einiger Entfernung also schon an der Kirchturmspitze zu bewundern.

Severin Straßer