Ingolstadt

Auf den Spuren Simon Mayrs in Venedig

Die Simon-Mayr-Gesellschaft unternahm mit über 50 Mitgliedern eine erlebnisreiche Fahrt nach Italien

04.06.2018 | Stand 02.12.2020, 16:18 Uhr
Eindrucksvoll: Auch das Teatro la Fenice wurde von der Reisegruppe aus Ingolstadt besichtigt. Simon Mayr prägte die Anfangszeit des weltberühmten Opernhauses kompositorisch wesentlich mit. −Foto: Foto: Haberl

Ingolstadt (DK) Fast alle wichtigen Stationen im Leben "ihres" Komponisten hat die Internationale Simon-Mayr-Gesellschaft schon bereist - das Kloster Weltenburg, wo er seine ersten Schuljahre verbrachte, Poschiavo im schweizerischen Graubünden, wohin er zunächst mit seinem Gönner, dem Illuminaten-Freiherrn Thomas de Bassus vor der bayerischen Regierung floh, und natürlich seine norditalienische Wahlheimat Bergamo.

Doch ein wesentliches Ziel fehlte bisher: Venedig, die Lagunenstadt, in der Johann Simon Mayr einst bei Kapellmeister Ferdinando Bertoni studierte und mehrere Oratorien für ein Mädchenwaisenhaus schrieb, mit denen er den Grundstein für sein reiches Opernschaffen legte.

Diese Lücke schlossen nun über 50 Mitglieder des engagierten Vereins und brachen erwartungsvoll zu einer Reise in die Serenissima auf, um dort auf den Spuren des in Mendorf geborenen Maestros zu wandeln. Begleitet wurde die Gruppe von Mayr-Expertin Prof. Iris Winkler, die als Stipendiatin viele Monate in Venedig forschte.

So kam die Reisegesellschaft nach einem Zwischenstopp in der Universitätsstadt Padua (hier liegen Reliquien des heiligen Antonius) nicht nur in den Genuss einer herkömmlichen touristischen Stadtführung durch Venedig, sondern erhielt auch exklusive Einblicke in Simon Mayrs dortigen Aufenthalt: Das Haus in der Calle dei Cinque, in dem er logierte, das Leben und Treiben auf dem Markt, die Kirche San Cassiano, in der er Angela Venturali, Tochter eines angesehenen Kaufmanns, heiratete.

Auf der weitläufigen Terrasse des ersten Stocks im Palazzo Barbarigo, der - direkt benachbart zum Domizil von Donna Leons Commissario Brunetti - das Deutsche Studienzentrum beherbergt und normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, fühlte man sich bei einem atemberaubenden Blick über den Canal Grande fast wie ein "Nobile", ein adliger Venezianer. Natürlich durfte da auch eine Besichtigung des majestätisch-prunkvollen "Teatro La Fenice" nicht fehlen: Prägte Simon Mayr doch die Anfangszeit des weltberühmten Opernhauses kompositorisch wesentlich mit. Einige Nachtschwärmer entschlossen sich sogar zum Besuch einer hinreißenden Aufführung von Donizettis "L'Elisir d'Amore". Ein Glücksfall, dass hier passend zum Anlass gerade dieses heitere Ränkespiel des bekanntesten Mayr-Schülers gegeben wurde.

Von Mayrs eigenem musikalischen Ideen- und Erfindungsreichtum sollten dann wiederum alle Teilnehmer einen unmittelbaren, lebendigen Eindruck bekommen. Eigens für die Reisegesellschaft gab Titularorganistin Paola Talamini ein Konzert in der Basilica Santa Maria della Salute mit sogenannten Sinfonie veneziane, also Orgelfassungen verschiedener Ouvertüren zu Opern und Oratorien Simon Mayrs, die die Musikwissenschaftlerin selbst in den Archiven und Bibliotheken Venedigs entdeckt und herausgegeben hat. Faszinierend, welche facettenreichen orchestralen Klangfarben sie ihrem Instrument damit entlockte. Abgerundet wurde dieser feierliche Rahmen durch eine Besichtigung der Pinacoteca Manfrediniana. Überwiegend sakrale Gemälde und Skulpturen verschiedener Künstler sind dort ausgestellt, unter anderem von Tizian.

Über Vicenza, wo sie noch die architektonischen, harmonisch-eleganten Meisterleistungen des legendären Baumeisters Andrea Palladio bewundern konnte, trat die Simon-Mayr-Gruppe schließlich erfüllt die Heimreise an. Bei der Einkehr im Wipptaler Hof am Brenner war man sich einig: Trotz mancher spontan erforderlicher Ablaufänderungen, logistischer Schwierigkeiten beim Vaporetto- und Gondel-Fahren oder kurzzeitiger Verwirrung um vertauschte Gepäckstücke - Venedig war ein Traum!

Heike Haberl