Riedenburg

Appell zur Gemeinsamkeit

Riedenburgs Bürgermeister Thomas Zehetbauer bei konstituierender Sitzung des Stadtrats vereidigt

13.05.2020 | Stand 02.12.2020, 11:22 Uhr
Vereidigung in Zeiten der Coronakrise: Stadtrat Josef Fuchs nimmt dem neuen Bürgermeister Thomas Zehetbauer den Amtseid ab. Die Sitzung des Stadtrats fand in der Drei-Burgen-Halle statt. Damit die Besucher alles gut verstanden, waren Mikrofone im Einsatz. −Foto: Stadt Riedenburg

Riedenburg - Riedenburgs neuer Bürgermeister Thomas Zehetbauer will eine "aufrichtige, transparente und vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit allen im Stadtrat vertretenen Fraktionen pflegen. "Unsere Aufgabe ist es, über alle Parteigrenzen hinweg für das Wohl Riedenburgs zu arbeiten", sagte der CWG-Kommunalpolitiker bei der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrats am Dienstagabend.

 

Er forderte alle Mandatsträger auf, die "vielfältigen Talente, Ideen und Fähigkeiten" zu bündeln sowie eine intensive und sachliche Kommunikation zu führen, um am Ende das beste Ergebnis für alle zu erreichen. "Hier ist kein Platz für persönliche Eitelkeiten", mahnte Zehetbauer unmittelbar nach seiner Vereidigung. Den Amtseid hatte ihm bei der wegen der Corona-Pandemie in die Drei-Burgen-Halle verlegten Sitzung der CSU-Stadtrat Josef Fuchs abgenommen, der das an Lebensjahren älteste Mitglied des Gremiums ist.

Ausgerechnet an Fuchs entzündete sich aber eine kontroverse Debatte, die von der CSU-Stadträtin Sandra Schmid angestoßen wurde. Denn der Gastronom Fuchs hatte in der vergangenen Wahlperiode das Amt des Tourismusbeauftragten inne, das Zehetbauer nun abgeschafft hat. Ausgerechnet dieses Amt nicht mehr zu besetzen, sei angesichts der Coronakrise ein "schlechtes Zeichen", rügte Sandra Schmid. Die Riedenburger Gastronomie- und Freizeitbetriebe seien seit dem 18. März geschlossen. "Das ist ein Wirtschaftsmotor für Riedenburg und die Region, für den wir eine starke Stimme brauchen", erklärte die Vorsitzende des Touristikvereins. Die Abschaffung des Tourismusbeauftragten sei "nicht begründet" und lasse nur den Schluss zu, dass der Tourismus keine wichtige Rolle mehr spiele und nicht mehr wertgeschätzt werde, beklagte Sandra Schmid. "Wir nehmen das zur Kenntnis, ziehen aber Konsequenzen", kündigte sie an.

Dem widersprach Zehetbauer: "Der Tourismus ist ein wichtiges Standbein für Riedenburg und wird weiterhin wertgeschätzt." Er versprach, dass der Tourismusausschuss als eines der ersten Gremien einberufen werde. Neben diesem Ausschuss verfüge man noch über eine leistungsfähige Touristik-Information. "Deshalb ist der Beauftragte nicht nötig, das hat nichts mit der Person oder einer speziellen Fraktion zu tun", bekräftigte der Bürgermeister.

Doch Sandra Schmid war am Dienstagabend noch mit einer weiteren Personalentscheidung höchst unzufrieden. Wie berichtet, wurde Martin Schwarzmeier (Bürgerliste) gegen die Stimmen der CSU-Fraktion zum Vize-Bürgermeister gewählt, sein Gegenkandidat Siegfried Lösch von der CSU vereinigte nur sechs Stimmen auf sich. Das Amt des Dritten Bürgermeisters errang Wolfgang Wirth (Freie Wähler). Gegen Letzteren hatte aus den Reihen der CSU die Stadträtin Karin Dachs kandidiert, aber mit nur sechs Stimmen den Kürzeren gezogen. "Es ist bedauerlich, dass wieder keine Frau gewählt wurde", monierte Sandra Schmid. Drei männliche Bürgermeister würden die Riedenburger Gesellschaft nicht abbilden. Sie forderte mehr Frauen in kommunalen Spitzenämtern, auch um junge Frauen zu motivieren, sich in diesem Bereich zu engagieren. "Da wurde eine Chance vertan, das ist sehr schade", stellte Sandra Schmid fest.

Generell gaben die neuen Fraktionssprecher Karl Freihart (CWG), Max Sedlmeier (CSU), Kurt Schiefer (Bürgerliste), Eric Hock (SPD) und Sebastian Graf (FW) der Hoffnung Ausdruck, dass alle Amtsträger bei ihren Entscheidungen eine gute Hand haben mögen. Man strebe eine fraktionsübergreifende und konstruktive Zusammenarbeit an, hieß es aus allen politischen Richtungen. Dem pflichtete Bürgermeister Zehetbauer mit einem Appell zur Gemeinsamkeit bei: "Die Mehrheit entscheidet und wir müssen uns am Wohl der Bevölkerung orientieren."

rat