Alles aus dem Automaten

19.11.2019 | Stand 02.12.2020, 12:34 Uhr
Täglich frische Blumensträuße gibt Floristin Yvonne Huml in ihren Blumenautomaten. Meist bleiben sie dort nicht lange, die Nachfrage sei gerade am Wochenende enorm, sagt sie. −Foto: Brandl

Das Automatengeschäft in Ingolstadt erlebt offenbar einen Boom. Gemeint sind damit freilich nicht Geldspielautomaten, wie sie in Kneipen und Casinos zu finden sind - sondern Automaten für Lebensmittel und andere mehr oder weniger nützliche Dinge.

Ingolstadt (DK) Seit Juni 2016 bieten Willi und Christine Höcker Eier aus eigener Freilandhaltung aus dem Automaten an. Die Landwirte seien mit dem Angebot die ersten in Ingolstadt gewesen, wie sie sagen. Zwei Automaten stehen an der Einfahrt zu ihrem Hof bei der Antonius-schwaige, ein weiterer steht in Mailing. "Wir sind froh, dass wir die Idee hatten, denn die Menge an Eiern könnten wir im Hofladen nicht verkaufen, weil es an Zeit und Personal fehlt", sagen sie. Weitere Eierautomaten stehen Am Stadtweg bei Rothenturm und in der Rothenturmer Straße. Sie gehören Ferdinand Ettl Junior, der hier außerdem Nudeln aus eigener Herstellung verkauft. Der Landwirt bot seine selbst produzierten Eier zunächst in einem SB-Häuschen an, schwenkte vor einem Jahr aber auf den Automaten um. "Es ist von der Hygiene her besser, es gibt keinen Diebstahl mehr, und die Leute tauschen die Eier nicht mehr aus", begründet er den Schritt.

Personalmangel ist mit ein Grund, warum Yvonne Huml entschied, sich einen Blumenautomaten anzuschaffen. Die Floristin betreibt ihren Laden, die Blumerie Immergrün, seit neun Jahren Am Konkordiaweiher. Hier steht seit Oktober der Automat, groß wie ein Schließfachschrank, mit dem Unterschied, dass sich in den Fächern hinter durchsichtigen Klappen Blumensträuße befinden. "Die Nachfrage ist hoch, vor allem außerhalb der Ladenöffnungszeiten. Ich befülle den Automat täglich, am Wochenende sogar mehrmals", sagt sie. Für sie bedeute das aber auch mehr Arbeit, denn die Sträuße müssen gebunden werden. Ein sogenannter Frostwächter sorgt dafür, dass die Blumen nicht erfrieren.

Automaten mit Grillfleisch und Würsten haben sich in Ingolstadt längst etabliert und erfreuen sich gerade in der Grillsaison großer Beliebtheit. Sie gibt es bei der Metzgerei Richard Huber an der Münchner Straße, bei der Metzgerei Joseph Huber in Hundszell (Standort Hagauer Straße) sowie bei der Metzgerei Geyer (Inhaber Metzgerei Beyer) in der Arndtstraße. Dort bietet man seit April 2017 Frisches für den Grill aus dem Automaten an. "Damit konnten wir schon so manche spontane Feier abends und am Wochenende retten", sagt Johannes Beyer. Mittlerweile werde das Angebot auch von der älteren Kundschaft gut angenommen, ergänzt er. Neben Aufschnitt, Halssteaks, Hackfleisch und Bauernwürsten lassen sich, je nach Bedarf, auch Sauerkraut, Süßigkeiten und alkoholfreie Getränke auf Knopfdruck kaufen.

Wer im Winter Lust auf Eis aus regionaler Herstellung hat, kann sich in der Eigenheimstraße am Automaten rund um die Uhr bedienen. Betrieben wird er unter dem Namen Eis vom Funck von Rolf und Sonja Schowalter aus Denkendorf. Im Sommer wird hier - mitten in einem Wohngebiet im Süden von Ingolstadt - im Laden Eis verkauft, derzeit aber nur nachmittags. "Die Kunden verlangen immer öfter außerhalb der Öffnungszeiten nach Eis, auch spätabends nach dem Fortgehen", sagt Schowalter. Weil der Automat in Ingolstadt gut läuft, werde bald ein größerer aufgestellt. "Der ist schon bestellt", so der Inhaber.

Seit Anfang des Jahres bietet die Ingolstädter Brauerei Yankee&Kraut ihr Craft Beer auch aus dem Automaten an. Derzeit stehen sieben Sorten zur Wahl. Standort ist das Büro der Firma, das sich im hinteren Bereich des Cafés District Five in der Donaustraße befindet, wo er während der Öffnungszeiten benutzt werden kann. "Der Automat wird nach einer Anlaufzeit bisher definitiv gut angenommen. Es hat sich in jedem Fall rentiert", sagt Mitinhaber Bryan France. Grund für den Entschluss sei gewesen, dass die Leute auch nach Craft Beer gefragt hätten, wenn das Büro gerade einmal nicht besetzt gewesen sei.
Das Automatengeschäft macht neuerdings auch vor der Kunst nicht mehr Halt. In der Kunst- und Kulturwerkstatt Kap 94 in der Jahnstraße (Eingang Schlosslände) gibt es seit August ein Exemplar, in dem die Künstler ihre Arbeiten anbieten. Zugänglich ist der Automat, wenn das Kap für Veranstaltungen geöffnet hat oder die Künstlerateliers besetzt sind. Vielleicht liege es daran, dass er bislang nur mäßig Beachtung finde, heißt es seitens des Vorstands. Man plane deshalb, einen weiteren an einem öffentlich besser zugänglichen Ort aufzustellen.
Insgesamt vier Milchautomaten hat der Wellheimer Landwirt Roland Moll vor knapp einem halben Jahr in den beiden Ingolstädter Kaufland-Filialen in der Münchner Straße und in der Richard-Wagner-Straße aufgestellt. "Der Automat in der Münchner Straße erfüllt die Erwartungen voll und ganz", sagt er. Wer möchte, kann vor Ort eine leere Milchflasche zum Befüllen kaufen und wiederverwenden. "Es können aber auch eigene Behälter verwendet werden", sagt Moll, der diesen Service auch anbiete, um sein Personal zu entlasten.

NEU IN DER STADT: DER HONIGAUTOMAT

Wer Geld in den Honigautomaten des Bezirks-Bienenzuchtverein Ingolstadt investiert, kann sicher sein, dass er dafür Honig aus der Region erhält. Der Automat steht seit Oktober vor dem Vereinshaus im Mooshäuslweg. Aufgestellt hat ihn Josef Kaufmann, Vorsitzender des Vereins. "Automaten sind die Zukunft", sagt er. Das Angebot, des mannshohen Kastens besteht aus Blütenhonig klar, Blütenhonig cremig, Lindenhonig und Waldhonig in 500-Gramm-Gläsern und weniger. Dazu gibt es eine Auswahl an Halsbonbons mit Honig und Kerzen aus Bienenwachs.

"Honig aus der Region wird immer gefragter", so Kaufmann. Deshalb wolle der Verein gerade seinen kleinen Imkern, die keinen eigenen Laden betreiben, mit dem Automaten Gelegenheit geben, ihre Produkte an die Verbraucher zu bringen. "Sonst verschenken sie den Honig oder geben ihn an den Großhandel ab", sagt er. Auch Honigliebhabern, die sonntags nicht auf ihren süßen Brotaufstrich verzichten wollen, werde geholfen. Der Automat verspricht Honiggenuss rund um die Uhr - auch wenn im Vereinsheim gerade niemand da ist.

Im Prinzip funktioniert er wie viele andere: Nach dem Geldeinwurf tippt der Kunde eine zweistellige Zahlenkombination ein, um an sein Wunschprodukt zu gelangen. Danach setzt sich ein Hubmechanismus in Bewegung, der das Glas auf einer der Regal-Ebenen "abholt" und es sicher zum Ausgabeschacht bringt. Beliebt sei der cremige Blütenhonig im kleinen Glas, so Kaufmann. Der kostet 3,50 Euro und sei ideal für Ein-Personen-Haushalte. "Es gibt ja immer mehr Singles", so der Imker, der im Hauptberuf Fliesenleger-Meister ist und in der Umgebung von Ingolstadt über 20 Bienenstöcke besitzt. Insgesamt sieben Imker bieten aktuell ihren Honig hier an. "Die jüngeren waren von der Idee gleich angetan, die älteren mussten erst überzeugt werden", so Kaufmann. Inzwischen seien aber alle mit dem neuen Vertriebsweg zufrieden. "Weil der Automat einfach was hermacht", findet er. Die Neuanschaffung überzeugt Honigproduzenten und Kundschaft jedoch nicht nur durch ihre Optik, sondern schützt das Naturprodukt Honig auch gegen äußere Einflüsse. "Die Temperatur innen beträgt immer konstant 13 Grad Celsius, und die Sichtscheibe schützt zugleich vor UV-Licht", erklärt Kaufmann. So erhalte der Kunde immer ein sicheres Produkt.

Der Verein habe sich bewusst für den Kauf des Automaten entschieden. Die Investition liege im fünfstelligen Bereich, heißt es. Dafür kann das Gerät auch Wechselgeld ausgeben. In fünf Jahren soll er sich refinanziert haben, so Kaufmann.

Michael Brandl