Neumarkt
Aktion gegen das Vergessen

Fünf weitere Stolpersteine erinnern an ermordete Juden

13.11.2019 | Stand 02.12.2020, 12:37 Uhr |
Fünf weitere Stolpersteine hat Künstler Gunter Demnig in Neumarkt und Sulzbürg verlegt. −Foto: Meyer

Neumarkt (fxm) Bereits zum vierten Mal hat in Neumarkt und Sulzbürg der Künstler Gunter Demnig zehn mal zehn Zentimeter große Betonsteine mit einer Messingplatte ins Straßenpflaster eingelassen.

Darauf stehen die Namen der im Dritten Reich Ermordeten, Geburts- und Sterbedatum sowie der Name des Vernichtungslagers. Zu den bisher verlegten 32 Stolpersteinen sind nun weitere fünf gekommen.

Vor dem letzten Wohngebäude der Opfer versammelten sich eine Schülergruppe des Ostendorfer-Gymnasiums, die sich im P-Seminar mit diesem Thema beschäftigte, Schulleiterin Ulrike Severa, Stadtarchivar Frank Präger, Dekanin Christiane Murner, Dekanatsreferent Christian Schrödl sowie Bürgermeisterin Gertrud Heßlinger (SPD) und Heide Inhetveen, die beide der Initiative Stolperstein angehören. Dabei waren auch die jetzigen Hausbesitzer, die mit der Verlegung der Gedenksteine einverstanden waren. Zwei Schüler umrahmten die nachdenklich stimmende Feier mit Geigenklängen, während Demnig die Stolpersteine verlegte. Inhetveen und Präger verlasen die Lebensgeschichten der umgebrachten Juden. Alle gehören der Familie Neustädter an. Jakob Hirsch Neustädter zum Beispiel kam 1883 in Sulzbürg zur Welt und lebte in Neumarkt als Viehhändler. Bei den Novemberpogromen 1938 wurde er in sogenannte Schutzhaft genommen und in Regensburg inhaftiert. 1941 wurde er nach Riga deportiert und ermordet. Seine Frau Kathi wurde 1888 geboren und ihr Schicksal ähnelte dem ihres Mannes. Für ihre Kinder Kurt und Lotte wurden Platzhalter eingesetzt, die in den nächsten Jahren durch Stolpersteine ersetzt werden.

"Wir müssen Flagge zeigen", sagte Bürgermeisterin Gertrud Heßlinger, bevor Dekanin Murner Segensgebete sprach. An den Stolpersteinen legten danach zahlreiche Anwesende Rosen nieder.