Oberdolling

Ärger um Ausbau von Mobilfunkanlage

Funkmast trotz Ablehnung seitens des Oberdollinger Gemeinderats erweitert – Bürgerinitiative plant Infoveranstaltung

22.01.2015 | Stand 02.12.2020, 21:44 Uhr

Oberdolling (DK) Ein Funkmast erregt die Gemüter der Oberdollinger Bürger. Bei der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend reichten die Stühle nicht, um allen Interessenten eine Sitzgelegenheit zu bieten.

In allen Räumen des Rathauses wurde gesucht. Als dann die Sitzung mit zehnminütiger Verspätung begann, musste niemand mehr stehen. Die Bürgerinnen und Bürger interessierten sich für den mittlerweile erfolgten Mobilfunkausbau in der Jurastraße. Trotz Ablehnung des Gemeinderats wurde mitten im Wohngebiet der bestehende Funkmast deutlich erweitert. Darüber hinaus ging es um den Breitbandausbau in der Gemeinde.

Christian Braun von der Breitbandberatung Bayern GmbH sagte, der Freistaat Bayern fördere den Breitbandausbau mit insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Der Gemeinde Oberdolling habe das Bayerische Finanzministerium mitgeteilt, dass mit einem Fördersatz von 70 Prozent gerechnet werden könne, dies seien 700 000 Euro. Eine Steigerung um weitere 50 000 Euro sei durch eine Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen möglich. Deshalb hat sich Oberdolling mit Mindelstetten, Pförring und Altmannstein zusammengetan. Die Fördergelder und der Eigenanteil Oberdollings fließen in den Austausch alter Kupfer- gegen moderne Glasfaserkabel. Damit seien Geschwindigkeiten von 30 bis 50 MBit pro Sekunde machbar. Dabei gehe es um reine Verkabelung, Funk werde nicht verwendet.

Laut Braun wird damit in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren jeder Ortsteil der Gemeinde erreicht. Auch St. Lorenzi soll angeschlossen werden. Bürgermeister Josef Lohr versicherte, mit der Ausschreibung der Arbeiten zügig beginnen zu wollen.

Bei Brauns Ausführungen sah man zufriedene Gesichter bei den Zuhörern der Gemeinderatssitzung. Denn den Besuchern, meist Mitglieder der Bürgerinitiative, ging es primär um den Ausbau der Mobilfunkanlage in der Jurastraße, gegen den sie sich stellen. Die dort vorhandene Anlage wurde mittlerweile im Auftrag der Telekom von der Firma Funkturm deutlich erweitert – trotz Ablehnung seitens des Gemeinderats. Die Kommune sei, so Lohr, nicht in der Lage, den Bau zu verhindern. Es sei deshalb wichtig, nach einem Alternativstandort zu suchen. Er sagte, die Gemeinde habe „ihre Hausaufgaben gemacht“: Bei neuen Baugebieten werde den Bauherren per Kaufvertrag vorgeschrieben, dass auf Häusern die Errichtung von Mobilfunkanlagen nicht zulässig sei.

Gemeinderat Georg Elender, ein Sprecher der BI, sagte, es werde in Kürze eine Infoveranstaltung zu dem Thema geben. Dazu werde der Experte Jörn Gutbier eingeladen. Es soll dazu auch ein Strahlenexperte in die „Roßschwemm“ kommen. Damit die Situation bei der Veranstaltung „nicht eskaliert“, werde kein Vertreter der Deutschen Telekom eingeladen. Veranstalter des Infoabends werde die Bürgerinitiative sein. Die Gemeinde werde die Kosten tragen. Maria Elender von der BI, die als Zuhörerin gekommen war, hob ebenso wie Lohr hervor, wie wichtig die Suche nach einem Alternativstandort sei.

Als die Besucher schon weg waren, hatte der Gemeinderat ein weiteres kniffliges Thema zu behandeln: einen Bauantrag von Silvia Schmailzl zur Errichtung einer Lagerhalle und eines Außenregals in Unterdolling. Das Landratsamt lehnt den Bau im Süden des Grundstücks ab. Auf der anderen Seite erheben die Nachbarn Einwände. Sie befürchten eine Minderung der Wohnqualität. Eine Errichtung in Massivbauweise würde laut Gemeinderat Michael Schmailzl, dem Ehemann der Bauherrin, mindestens 50 000 Euro mehr kosten. Der Gemeinderat beschloss, den Bauantrag bis zur nächsten Sitzung zurückzustellen. Bürgermeister Lohr soll in der Zwischenzeit Gespräche im Landratsamt führen. Gemeinderat Schmailzl bemängelte, dass es bis jetzt kein Gewerbegebiet in Oberdolling gebe. Alle Parteien hätten dies zur Wahl versprochen, „und passiert ist nichts“. Lohr bezeichnete die Situation als „unbefriedigend“.

Etwas Positives gab es in der Sitzung auch: Der Bau der Kinderkrippe liegt voll im Zeitplan. Die Bauarbeiten seien weit fortgeschritten. Das Erdgeschoss werde in Kürze möbliert. Laut Bürgermeister wird am 2. März mit mindestens einer Gruppe gestartet. Kinder von Oberdollinger Familien hätten Vorrang. Mitbetrieben wird die Kinderkrippe von der Kinderwelt Gaimersheim, die mit freiberuflichen Kräften arbeitet. Die Kinderkrippe Oberdolling soll Mitte März feierlich eröffnet werden.