Friedrichshofen

Ärger ist auf dem Weg

Friedrichshofener Bürgerinitiative wirft Stadt vor, sie verzögere absichtlich die Anbindung des Klinikums

11.01.2013 | Stand 03.12.2020, 0:37 Uhr

Friedrichshofen (DK) Im Westen von Friedrichshofen geht es wieder rund. Die Bürgerinitiative FBI reimt sich aus Gerüchten zusammen, dass die Stadt die geplante Entlastungsstraße zum Klinikumsparkplatz gar nicht mehr in Gänze will. Der Grunderwerb sei nur sehr schwierig, verteidigt sich die Verwaltung.

Wenn es stimmt, was die Friedrichshofener Bürgerinitiative (FBI) jetzt wieder gehört hat, droht neuer Ärger. Ein Mitglied wisse es aus sicherer Quelle, berichtete Georg Niedermeier, der Sprecher des Bündnisses. Es geht um die geplante Verbindung zwischen der Ochsenmühlstraße und dem Klinikumparkplatz von Westen, ein großes Zwischenziel der FBI auf dem Weg zum kompletten Anschluss der Levelingstraße am Klinikum vorbei nach Westen. Die Stadt hat sich des ersten Teils des Projekts jetzt angenommen. Ein Feldweg soll ausgebaut werden. Die Stadt verhandelt mit Landwirten über den für den Bau nötigen Grunderwerb. Angeblich – und da betritt die FBI sozusagen die Gerüchteküche – soll die Stadt den Eigentümern nur 20 Euro pro Quadratmeter Wiese beziehungsweise Acker angeboten haben.

„20 Euro! Das ist ja wohl lächerlich“, sagt Niedermeier, „da sind Gerolfinger Landwirte aber andere Preise gewöhnt.“ Bei vergleichbaren Projekten werde „das Fünf- bis Sechsfache gezahlt“. 1998, das weiß er auch „aus sicherer Quelle“, zahlte die Stadt für Grund am Westpark 98 Mark pro Quadratmeter. „98 Mark! 1998!“ Und jetzt das. „Wenn das mit den 20 Euro pro Quadratmeter stimmt, fühlen wir uns von der Stadt hintergangen“, klagt Niedermeier. „Dann halten die sich nicht an das, was der Arbeitskreis beschlossen hat.“ Eine repräsentativ besetzte Gruppe aus Stadtverwaltung, örtlichem Bezirksausschuss, FBI und anderen Friedrichshofenern hatte in einem Workshop eine Lösung erarbeitet.

Doch was bleibt jetzt davon übrig? Ohne zusätzlichen Raum links und rechts des Feldwegs, der die Grundlage der Verbindungsstraße bilden soll, droht laut FBI ein arg schmales Weglein. „Wir wollen, dass die eine ordentliche Straße bauen, eine, auf der zwei Autos ohne Probleme aneinander vorbeikommen, nicht so was Enges wie an der Antoniusschwaige.“ Es gehe „ja nur um einen Meter links und rechts vom Feldweg“. Niedermeier und seine Mitstreiter sind sich aber gar nicht mehr sicher, ob die Stadt so dahinter her ist. „Bevor dort nur eine Art asphaltierter Feldweg entsteht, sollen sie es gleich bleiben lassen!“

Tatsächlich plant die Stadtverwaltung aktuell „die kleinere Lösung mit zwei Ausweichbuchten“, bestätigt der Stadtsprecher Gerd Treffer auf DK-Anfrage. „Dazu ist der Grunderwerb so gut wie abgeschlossen.“ Die größere – auch von der Verwaltung eigentlich angestrebte – Lösung sei im Moment aber nicht möglich. Treffer erklärt: „Es gibt Grundstückseigentümer, die unabhängig vom Preis aus grundsätzlichen Erwägungen nicht verkaufen wollen.“ Das heißt: Die Stadt kam gar nicht so weit, irgendeinen Preis vorzuschlagen, da sie überhaupt keine Verhandlungen mit den betreffenden Eigentümern aufnehmen konnte. Treffer wollte sich deshalb trotz Nachfrage auch gar nicht mehr zu dem gerüchteweise verbreiteten Angebot von angeblich 20 Euro äußern. Nur so viel: Wer grundsätzlich verkaufen wollte, habe sich auch mit der Stadt geeinigt.

Wie die Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle unlängst bereits bei der Sitzung des BZA Friedrichshofen mit den Worten „Der Grunderwerb war schwierig“ einleitete, wird die Straße wohl mit Bankett vier Meter breit. Das Projekt soll „bald“ im Stadtrat genehmigt werden, vorher werde der BZA (der sein nächstes reguläres Treffen am 26. Februar hat) aber sicher informiert, vielleicht in einer Sondersitzung.

Der Vorsitzende des Bezirksausschusses, Rainer Mühlberger, freute sich nach Preßlein-Lehles Worten: „Die Stadt ist gewillt, kurzfristig was zu tun.“ Das heißt, die Verkehrssituation rund ums Klinikum durch die Straße von Westen zum Parkplatz zu entschärfen. Maßgabe ist aber nach wie vor: Der Weg wird kein Bypass. Er endet im Parkplatz, der mit einer Schranke von der Levelingstraße abgetrennt ist.