Oberlauterbach

Abschied nehmen und Hoffnung schöpfen

Der Künstler Martin Knöferl aus Hörzhausen hat den Aussegnungsraum in Oberlauterbach neu gestaltet

21.11.2014 | Stand 02.12.2020, 21:57 Uhr

Fenster zum Himmel, Siegeszeichen über den Tod: Bei der Neugestaltung des Aussegnungsraums in Oberlauterbach kamen viele christliche Symbole zum Einsatz. In 150 ehrenamtlichen Arbeitsstunden haben die Gläubigen das Gebäude auf dem Friedhof renoviert - Foto: Schmied

Oberlauterbach (SZ) Licht und Hoffnung und Trost: Aufgehoben in dieser Atmosphäre können sich die Oberlauterbacher künftig von ihren Angehörigen verabschieden. Der von Martin Knöferl aus Hörzhausen neu gestaltete Aussegnungsraum wird am Sonntag bei einem Festgottesdienst um 10 Uhr gesegnet.

Die Wände sind weiß, der Boden aus Stein, die Einrichtung schlicht. Viel befindet sich nicht in dem Raum, in dem die Gläubigen aus dem Aresinger Ortsteil Oberlauterbach künftig von ihren Angehörigen Abschied nehmen. Eine Bahre, verkleidet mit schwerem, tiefschwarzem Tuch, das am Fußende ein gesticktes, goldfarbenes Kreuz ziert. Zwei Kerzenständer. Ein Gefäß für das Weihwasser. Ein Kreuz. Und ein Fenster zum Himmel.

Elemente, um die Trauer um einen lieben Menschen aufzufangen. Im frisch renovierten Aussegnungsraum auf dem Oberlauterbacher Friedhof reichen goldgelb und ozeanblau. „Das Sterben und der Tod sind eine der größten Herausforderungen in unserem Leben“, sagt Martin Knöferl. Der Künstler hat den Raum neu gestaltet. „Es kommt darauf an, wie wir mit unserem Verlust umgehen, um ihn zu ertragen. Und im guten Fall ist der Abschied von einem Angehörigen etwas Trauriges.“

Zu seinem Werk aus Glas und Stahl gibt es verschiedene Zugänge, davon ist Knöferl überzeugt. Wahrscheinlich genauso viele Wege, wie es Menschen gibt. Eines bleibt dabei immer gleich: Der Tod ist für Christen nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang. „Ich bin froh, liebe Menschen bei Gott glauben zu dürfen“, sagt Knöferl. Die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod hätte ihn zur Wahl der Symbolik im Aussegnungsraum inspiriert, erklärt er.

Da ist das gleichschenklige Kreuz, leuchtend gelbes Glas. „Der verlängerte untere Balken, wie wir ihn üblicherweise kennen, kam erst im Laufe der Jahrhunderte“, sagt Knöferl, „In der frühen Kirche waren die vier Schenkel des Kreuzes gleich lang, so wie hier.“ Ein Siegeszeichen. Ausdruck dafür, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. „Daran soll es erinnern. An die Sonne des Lebens und die Auferstehung.“

Lebendig und strahlend ist nicht nur das Kreuz. Das gelbe Glas der Kerzenständer trägt die Flamme in sich fort. Eine brennende Kerze ist wichtig, findet Knöferl. „Sie erinnert an das Licht der Hoffnung und des Vertrauens.“ Jedes einschneidende Ereignis im Leben eines gläubigen Christen werde von einer Kerze markiert – Taufe, Kommunion, Hochzeit, Beerdigung.

An jedem dieser Punkte zeigt ein weiteres Zeichen die Verbindung zum Glauben: Weihwasser. „Es erinnert an die Taufe, den Anfang unserer Beziehung zu Gott“, erklärt der Künstler. „Im Aussegnungsraum symbolisiert es die Vollendung, die Einlösung eines Versprechens.“ Ein Gefäß aus durchsichtigem Glas wird das Weihwasser in Oberlauterbach fassen. Darin: ein grüner Zweig. Etwas Lebendiges. „Ein Sinnbild für das Leben.“ Darunter: Eine Stele mit blauem Glas – Ozeanblau.

Wie das Fenster zum Himmel. Kreisrund scheint sich die Decke des Aussegnungsraumes zu öffnen. Wie schwerelos ziehen sich tiefblaue Fäden hindurch. Wenn der Verstorbene auf der Bahre liegt, ist sein Gesicht dieser Richtung zugewandt. „Auf direktem Weg zu Gott“, sagt Knöferl. Diese Aussicht soll Trost spenden im Angesicht des Todes. Genauso der Kranz aus sieben Leuchten. „Das ist die Zahl der Vollendung“, so Knöferl. Vier steht für die Menschen, die Himmelsrichtungen und Elemente. Drei ist die Zahl Gottes, Symbol für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und letztlich die sieben Sakramente dafür, dass Gott immer bei uns ist. „Sterben und Tod, Leben und Hoffnung sind für mich wichtige Themen. Das alles ist in dieser Zahl vereint.“ Knöferl hat die Ausgestaltung des Raumes gut durchdacht. „Ich hoffe, die Botschaft hilft über die Trauer hinweg.“