Ingolstadt

Abgründiges

5/8erl in Ehr'n begeistern im Diagonal

13.12.2018 | Stand 02.12.2020, 15:02 Uhr
Poesie und hinterlistiger Schmäh: 5/8erl in Ehr'n. −Foto: Knobloch

Ingolstadt (DK) "Wiener Soul" - diese ganz spezielle Stilrichtung ist eine Schöpfung der Combo 5/8erl in Ehr'n, welche freudvoll mit ihrer Performance am kontinuierlichen Chill-out entlang lustwandelt und die Zuhörer im weihnachtlich anheimelnd geschmückten Diagonal von der ersten Minute an in ihr musikalisch-verbales Universum entführt.

Ihr Markenzeichen ist der Laidback-Gesang auf sparsame und dennoch voller melodischer und rhythmischer Raffinessen steckende Arrangements für Kontrabass, akustische Gitarre und Wurlitzer. Nicht umsonst hat das kreative Quintett heuer bereits zum vierten Mal den Amadeus-Award in der Kategorie Jazz/World/Blues eingeheimst und damit unter anderem Hubert von Goisern ausgestochen.

Max Gaier und Bobby Slivovsky ergänzen sich nicht nur stimmlich perfekt, sie führen mit extravaganten Überleitungen durch das Konzert und ernten dafür viel Applaus. Mit Miki Liebermann an der Gitarre, Clemens Wenger an Akkordeon, und Wurlitzer sowie Hannibal Schutz am Kontrabass haben die zwei Frontmänner die absolut geniale Besetzung für ihre einschmeichelnden Songs gefunden. Das Lieblingsthema des außergewöhnlichen Quintetts ist die Liebe, auf dem aktuellen Album "Duft der Männer" gibt es auch wieder einige davon wie "Kuss" oder "Wann i di net kennen würd".

Die Band nutzt die sprachliche Poesie des Wienerischen, pendelt zwischen feinsinnigen Zeilen und hinterlistigem Schmäh. Schließlich kann auch in der Liebe viel Abgründiges stecken. Doch 5/8erl in Ehr'n schlagen auch kritische Töne an, etwa in "Akademikerball" oder "Schwochstö". 5/8erl in Ehr'n haben eine politische und gesellschaftliche Botschaft, auch wenn dies in ihren Texten oft erst auf das zweite Hinhören erkennbar ist. Kurzweilig bringen sie in ihren Songs das, was sie bewegt, auf den Punkt und sind dabei auch noch fantastische Musiker.

So beweisen sie beispielsweise in "Hob mi gern" eindrucksvoll die Anwendung perfekt gesetzter Pausen als musikalisches Stilmittel und im sphärisch-hypnotischen "Sterne essen Kapitäne" schlägt Hannibal Schutz auf dem Kontrabass drei gegen zwei, was die innere Spannung des Songs pulsieren lässt. Mit "Schneid die Melone an" hat die Gruppe sogar einen Mitsing-Hit im Gepäck. So kommt man als Fan handgemachter deutschsprachiger Musik kaum umhin, 5/8erl in Ehr'n lieb zu gewinnen, weshalb sie wohl in Österreich nicht umsonst von Zuhörern aus Mainstream und Subkultur verehrt werden.

Sandra-Isabel Knobloch