Gelungener Saisonabschluss im Stadttheater

„Starke Stücke“ gehen mit kreativer Inszenierung des Neuen Globe Theaters in die Pause

von Heidrun Budke

Don Quijote (Laurenz Wiegand, r.) und Sancho Panza (Andreas Erfurth) machen sich mal wieder mit imaginärem Ross und Esel auf die Suche nach neuen Aventiuren. Foto: Budke

Von Heidrun Budke

Neuburg – Mit minimalistischer Bühnenausstattung und kleinem Ensemble gelingt dem Neuen Globe Theater Potsdam eine großartige Vorstellung des „Don Quijote“ im Neuburger Stadttheater. Großen Anteil am Gelingen haben die live eingespielten Gitarrenklänge sowie die Choreografie der Kampfszenen. Das Publikum belohnt das Ensemble am Montagabend mit langem Applaus.

Nur ein überdimensionales Buch dient als Kulisse und dennoch werden Windmühlen, Hammelherden und andere Gegner des Don Quijote auf der Bühne im Neuburger Stadttheater lebendig. Hier hilft einerseits der eingespielte Ton wie etwa der monotone Flügelschlag moderner Windräder oder das Blöken von Schafen. Andererseits verleiht die exakte Abstimmung zwischen der Choreografie der Kampfszenen (Jean-Loup Fourure) und der Live-Musik der Inszenierung einen ganz besonderen Charme. Es ist faszinierend, wie punktgenau Rüdiger Krause mit der Gitarre die Bewegungen, Schläge und Niederschläge des Don Quijote untermalt und akzentuiert. Die Klänge malen nicht nur das Bild einer spanischen Landschaft. Krauses Gitarrenspiel ist einfühlsam und erzeugt immer die richtige Stimmung, sei es romantisch-verträumt oder wild-kämpfend.

Sympathischer Don Quijote

Don Quijote wird äußerst sympathisch dargestellt durch Laurenz Wiegand. Sein Ritter hat die Schlaksigkeit eines Heranwachsenden, wodurch die Verträumtheit nur glaubwürdiger wird. Ihm zur Seite steht ein handfester Sancho Panza (Andreas Erfurth) mit kugeligem Bauch, gestreiftem Poncho und Umhängetasche. Sein vielseitiges Requisit ist ein kariertes Trockentuch, das mal dazu dient, das anscheinend sehr große Pferd Rocinante zu putzen oder am Abend als Luftmatratze aufgepumpt wird. Das sind Szenen, da zeigt sich das Können von Wiegand und Erfurth, wenn sie mit wenigen Hilfsmitteln alles vermitteln, was gerade passiert. Wie etwa das Bereiten des Nachtlagers, das Sancho auf Geheiß seines Herrn allabendlich ausführt. Pantomimisch wird die Schlafstätte bequem gemacht, ein Essen zubereitet und zuletzt sogar jedes Mal die Lampe ausgeschaltet. Das sind witzige und liebevolle Details, die die Aufführung zu etwas Besonderem machen. Die Zuschauer lachen oder geben Szenenapplaus.

So kämpfen sich Don Quijote und Sancho Panza durch ihre vielfältigen Aventiuren, bis sie nach der Pause selbst zu Helden in den Büchern geworden sind. Der Don hat inzwischen den nicht unbedingt heldenhaften Beinamen „Ritter von der traurigen Gestalt“ erhalten. Sancho freut sich, dass sogar die Rede von einer „heimlichen Hauptfigur“ sei und untermalt dies mit vielsagenden Blicken. Das lässt ihn den Wunsch nach dem eigenen Eiland – mit dieser Aussicht hatte er sich überhaupt erst darauf eingelassen, den Don als Knappe zu begleiten – fast vergessen.

Doch es geht nicht gut aus mit dem jungen Träumer, der ein Held sein wollte. Nach und nach entkleidet sich Don Quijote im wahrsten Sinne des Wortes bis aufs Hemd und offenbart damit mehr und mehr seine verwirrte Gedankenwelt und seine verletzliche Seele. Selbst der rustikale Sancho Panza ist berührt von dem, was den Ritter bewegt: „Die Freiheit, Sancho, ist eine der köstlichsten Gaben, die der Himmel dem Menschen verliehen“, stellt Don Quijote fest. Als sich die beiden auf die Reise zu Dulcinea, der heimlichen Herrin von Don Quijote machen, übernimmt Sancho den Part des Fantasten: Aus drei Bäuerinnen auf Eseln macht er die Prinzessin Dulcinea mit zwei Zofen auf herrschaftlichen Rössern und ruft so Erstaunen und Freude bei seinem Herrn hervor, der meint, dass sein Knappe immer klüger werde. So macht nun Pancho den Vorschlag, das Nachtlager am Waldrand aufzuschlagen und nicht – wie bisher – der Don. In der Nacht steht Don Quijote sich selbst in seinem letzten Kampf mit seinem eigenen Spiegelbild gegenüber. Seine Zerrissenheit zwischen dem Wunsch „Ich kann sein, wer immer ich sein will“ und der Erkenntnis über die Unsinnigkeit seiner Handlungen wird offenbar.

Wenig Zuschauer zum Saisonfinale

Die für ein Saisonfinale leider zu wenigen Zuschauer spenden langen Applaus. Darsteller Andreas Erfurth betont: „Wir spielen immer so für sie, als wäre der Saal knallvoll.“ Das Ensemble hat ein Gästebuch dabei und lädt das Publikum ein, etwas hinzuschreiben. Das ist eine schöne Idee, bringt es doch einige Menschen dazu, mit den Schauspielern und dem Musiker ins Gespräch zu kommen. Zuvor hat Erfurth noch einen Rat für die Neuburger: „Die Saison ist hier zu Ende – bleiben sie diesem Theater treu.“

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DK

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