Denn der Verlust der Schwerkraft im All kann sich negativ auf den Körper auswirken: Das Herz-Kreislaufsystem wird geschwächt, Muskel- und Knochenmasse abgebaut.

Letzteres soll nun in der bisher längsten Studie des Instituts untersucht werden. „Um Veränderungen am Knochen sichtbar zu machen, müssen die Probanden schon sehr lange liegen“, erklärt DLR-Mitarbeiterin Alexandra Noppe. 60 der 89 Tage werden die Teilnehmer der Studie deshalb komplett im Bett verbringen – und zwar in sechs Grad Kopftieflage, damit die Flüssigkeit im Körper sich genau wie im Weltall in die oberen Körperareale verschiebt.

Die Forscher möchten vor allem ein spezielles Schlittensystem erproben, mit dem die Astronauten auch im Weltall trainieren könnten. „Sie können damit natürliche Sprünge vollführen.“ In der Studie wird eine von zwei Gruppen – die andere ist als Vergleichsgruppe vom Training ausgeschlossen – regelmäßig in die Schlitten hineingelegt. Mithilfe von Druckluft wird dann innerhalb des Gerätes Schwerkraft erzeugt, so dass die Muskelkräfte wirken, als würde der Proband stehen.

Die Forscher erhoffen sich, dass sie nach der Studie wissen, wie sie das Gerät am effektivsten im All einsetzen können und so die Verluste am Knochen minimieren. Denn es dauert auf der Erde bis zu zwei Jahre, bis Knochen wieder nachwachsen.

Damit die Werte vergleichbar werden, erhalten alle Teilnehmer normiertes Essen, das sich nur mengenmäßig je nach Körpergröße unterscheidet. „Damit die Studie nicht verfälscht wird, muss jeder Teilnehmer aufessen.“ Gegen Langeweile empfiehlt sie, sich eine sinnvolle Aufgabe vorzunehmen, „allerdings nicht gerade die Masterarbeit, weil man ohne Bewegung keine mentalen Höchstleistungen vollbringen kann“. Ansonsten können die Teilnehmer, unter denen meist einige Studenten sind, alles tun, wofür sie nicht das Bett verlassen müssen – vom Computerspielen bis zum Erlernen einer neuen Sprache. Auf das Duschen muss niemand verzichten, denn für das Liegend-Duschen wurde ein spezielles Gerät entwickelt.

Vom Ergebnis der Studie werden diesmal vor allem männliche Astronauten profitieren. „Der Knochenstoffwechsel ist bei Männern und Frauen unterschiedlich“, erklärt Noppe. Weil an der Studie nur Männer teilnehmen, könnte es somit sein, dass die Ergebnisse nicht im gleichen Maß für Frauen gelten. „Mit Frauen ist die Studie nicht so einfach.“ Denn der Knochenstoffwechsel ist vom Zyklus abhängig. Das bedeutet, alle teilnehmenden Frauen müssten entweder denselben Zyklus haben oder sich versetzt einen Tag nach ihrer Periode ins Bett legen. „In Zukunft wird es aber sicher wieder Frauen in den Studien geben“, sagt Noppe.

Das DLR verfolgt mit der Forschung auch ein langfristiges Ziel: Die Mission zum Mars. „Wenn dort eine Astronautin oder ein Astronaut ohne Muskelkraft landet und nicht stehen kann, ist das nicht zielführend.“