In einer Vorstudie hat das neuartige Therapiekonzept bei den Patienten bereits zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik geführt. In den nächsten Wochen beginnt in Frankfurt, Berlin und Ingolstadt die Hauptstudie. Das Bundesforschungsministerium fördert das Forschungskonsortium mit 1,4 Millionen Euro.

Sexueller Missbrauch und körperliche Misshandlung im Kindes- und Jugendalter sind Themen, die immer wieder Schlagzeilen in der Öffentlichkeit machen. Etwa eines von vier Mädchen und einer von elf Jungen werden sexuell missbraucht. Etwa zehn Prozent der Kinder erleben körperliche Misshandlung. Die langfristigen Folgen solcher Erfahrungen in Kindheit und Jugend sind alarmierend: Betroffene haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer psychischen Störung zu erkranken, insbesondere an der sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Diese psychische Erkrankung führt zu Einschränkungen in vielen Lebensbereichen. Traumatisierte Menschen zeigen Symptome wie wiederkehrende Erinnerungen, Ängste, Schlafstörungen oder Reizbarkeit.

Für Jugendliche mit einer PTBS sind die kinder- oder erwachsenenspezifischen Verfahren nur schwer anwendbar. Diese Lücke wollen die Wissenschaftler um Rita Rosner schließen. Bei dem neuen Verfahren handelt es sich um eine kognitive Verhaltenstherapie, welche bereits bei erwachsenen Traumapatienten gute Erfolge gezeigt hat und auf dem Konzept der Amerikanerin Patricia Resick beruht. In einer großen Studie mit verschiedenen Zentren wird die Therapie gerade umfassend überprüft. Zu den Standorten gehören dabei die Hochschulambulanz der Freien Universität Berlin, die Verhaltenstherapie-Ambulanz der Goethe-Universität Frankfurt und die Psychotherapeutische Hochschulambulanz der KU in Ingolstadt.

Nach einer Testphase wird in den nächsten Wochen mit der Hauptstudie begonnen. Dafür werden an allen Zentren – unter anderem in Ingolstadt – über die gesamte Projektlaufbahn Interessenten zwischen 14 und 21 Jahren gesucht, die sich für ein erstes unverbindliches Gespräch an die Ambulanz in der jeweiligen Stadt wenden können. Dabei wird abgeklärt, ob die angebotene Traumatherapie zu den Problemen des Interessenten passt. Ist die Therapie für den Patienten geeignet, kann relativ schnell die Behandlung, die von allen Krankenkassen finanziert wird, begonnen werden.