: Wohnungssuche auf Italienisch
Die Journalistik-Studentin Anita Hirschbeck – hier vor dem Mailänder Dom – verbrachte ein Semester in Italien. - Foto: hir
Wenn jemand eine Reise tut . . ., dann sollte er sich gut vorbereiten, besonders wenn es gleich für ein ganzes Semester ins Ausland geht. Bei der Planung gilt vor allem eines: Sich nicht entmutigen lassen.

Eine Frau verbringt durchschnittlich 74 Tage ihres Lebens mit der Hand in ihrer Handtasche auf der Suche nach irgendetwas. Wenn man schon 74 Tage dafür opfern muss, Kleinigkeiten aus einer Handtasche zu fischen, wie soll man dann jemals damit fertig werden, seine sieben Sachen aus einer ganzen Wohnung zusammenzutragen? Oder anders gefragt: Wie packt man für ein halbes Jahr im Ausland? Dieser Herausforderung musste ich mich vergangenen September stellen, als ich meine Wohnung im beschaulichen Eichstätt verließ, um ein halbes Jahr in einer der lebendigsten Mode-Metropolen der Welt zu studieren. Das Ziel hieß Mailand, und der Koffer durfte beim Check-In am Flughafen in München nicht mehr als 20 Kilo wiegen.

Kurz vor der Abreise schwenkte ich deshalb auf den Zug um. Damit hatte ich allerdings nur das zweite von zwei Problemen gelöst. Wesentlich schwieriger war es zuvor, eine Wohnung in Mailand zu finden, und hier bewahrheitete sich eine alte Weisheit meiner Oma: Der frühe Vogel fängt den Wurm.

Natürlich kann man einfach drauf losfahren, die ersten paar Tage in einer Jugendherberge verbringen und dann vor Ort nach einer Wohnung suchen. Das ist allerdings sehr anstrengend, und spätestens nach zwei Wochen gerät der gemeine Student so sehr unter Druck, dass er einfach irgendein Dach über dem Kopf nimmt.

Daher empfiehlt es sich, gut drei Monate vor Abreise mit der Wohnungssuche zu beginnen. Erst einmal sollte man sich darüber klar werden, wo die persönlichen Prioritäten liegen. Am Stadtrand gibt es viele günstige Angebote. Allerdings fahren Metro, Tram und Bus nur bis 24 Uhr. Wer Mailand auch mal nachts erkunden möchte, hat also ein Problem. Je zentraler man wohnt, desto flexibler bleibt man, aber um so teurer wird es auch: Die Mietpreise reichen leicht an Münchner Verhältnisse heran. Da hilft nur sparen, sparen, sparen und Auslands-Bafög beantragen.

Die passenden vier Wände findet man am einfachsten auf italienischen Wohnungsbörsen im Internet. Die Seiten kann man entweder nach Angeboten durchforsten oder selbst eine Anfrage schalten. Letzteres funktioniert ziemlich gut: Auf meine Suchanzeige haben 30 Personen geantwortet – auf Italienisch. Spätestens jetzt ist der im Vorteil, der an der Uni brav Vokabeln gepaukt hat. Nach gut drei Wochen hatte sogar ich es geschafft, die passende Wohnung zu finden: Relativ nah am Zentrum und sehr nah an der Uni. Nachdem ich mit meinem zukünftigen Mitbewohner auf Italienisch telefoniert hatte, war die erste Feuerprobe bestanden.

Nächste Woche geht das Mailand-Abenteuer der Eichstätter Studentin weiter mit: Habermas auf Italienisch – Studieren im Ausland ist zugleich eine Herausforderung und tolle Erfahrung.DK