Spione auf dem heimischen PC
Ingolstadt (DK) Dass Google Probleme mit dem Datenschutz hat, ist hinlänglich bekannt. Inzwischen hat sich der Internetgigant ausgerechnet auf diesem sensiblen Gebiet auch noch den Zorn der Konkurrenten Apple und Microsoft zugezogen: Google umgeht mit seinen Internetdiensten ganz gezielt die Datenschutz-Einstellungen der Internetnutzer.
Im Mittelpunkt der Diskussion stehen die sogenannten Cookies, das sind kleine Dateien, die beim Besuch einer Internetseite auf dem Computer des Nutzers gespeichert werden. Sie sammeln zum einen Daten und geben sie auf Anfrage an Internetseiten weiter. Webseitenbetreiber können Verbrauchern so beim nächsten Besuch auf sie zugeschnittene Werbung präsentieren. Auch Anbieter von Ebay nutzen Cookies, um Kunden zu erkennen. Alle gängigen Internetbrowser verfügen allerdings über eine Möglichkeit, diese Cookies auszuschalten.
Google und das soziale Netzwerk Facebook erklärten jetzt unabhängig voneinander, ein Sicherheitsprotokoll des Internet Explorer, das das Speichern von Cookies regelt, absichtlich auszuhebeln. Die von Microsoft verwendete Sperre P3P sei „nicht effektiv für die Beschreibung moderne sozialer Netzwerke“, teilte etwa Facebook mit. Ein Google-Sprecher äußerte sich ähnlich: P3P behindere moderne Internetfunktionen. Das stößt aber bei Experten auf Widerspruch: Es sei beileibe nicht so, dass Microsofts P3P veraltet sei, sagt der Internet-Experte Hannes Federrath von der Universität Hamburg.
Allerdings ist die Lücke schon länger bekannt. Der Internet Explorer erlaubt Cookies nur, wenn sie mitteilen, welche Nutzerdaten sie wie verwenden. Anstelle der Datenschutzinformationen übermitteln Google und Facebook nur einen einfachen Link. Der Internet Explorer speichert die Cookies dann ungeprüft.
Sowohl Google wie auch Facebook verweisen darauf, dass die Entwicklungsarbeit am P3P schon seit Jahren ruhe. Der Suchmaschinenbetreiber nennt in diesem Zusammenhang eine Untersuchung der US-Universität Carnegie Mellon in Pittsburgh aus dem Jahr 2010. Der Studie zufolge setzten schon damals mehr als ein Drittel der untersuchten Webseiten das P3P-Protokoll nicht korrekt ein. Facebook versucht inzwischen zurückzurudern: Man platziere ohnehin keine zusätzlichen Cookies auf den Computern der Nutzer, heißt es.
Doch es trifft nicht nur die Nutzer von Microsofts Webbrowser: Erst vor wenigen Tagen hatte sich Apple lautstark über Google beschwert: Der Internetgigant nutzt auch beim Apple-Browser Safari eine Lücke aus, um ungehindert Cookies auf den PCs der Nutzer unterzubringen.
Bis diese Lücken geschlossen sind, können Internetnutzer auf andere Browser ausweichen. Eine Möglichkeit ist Firefox. Bei ihm lassen sich über die Datenschutz-Einstellungen Cookies auf die jeweilige Sitzung beschränken und solche von Drittanbietern völlig ausschließen. Allerdings verwenden nicht nur Browser Cookies: Adobes Flashplayer, mit dem Internetvideos abgespielt werden, platziert sogenannte LSO-Cookies auf dem Rechner. Die wird man nur schwer wieder los: Entweder man verhindert sie durch die Einstellungen des Flashplayer selbst (sehr kompliziert) oder man erweitert den Firefox mit dem Addon Better Privacy. Es löscht solche Cookies zuverlässig.
Von Christian Fahn

