Ingolstadt: Mysteriös, grausam und faszinierend
Dem Verbrechen auf der Spur: Eine Ausstellung zum Mordfall von Hinterkaifeck aus dem Jahr 1922 lockt viele Besucher zum Turm Triva ins Bayerische Polizeimuseum. Am Freitagabend präsentierten die DK-Redakteure Mathias Petry (li.) und Christian Silvester (3.v.l.) darüber hinaus ihr neues Buch zum fast 100 Jahre alten Kriminalfall. - Foto: Hammer
Ingolstadt

Jahrzehntelange Ermittlungen auf 150 Quadratmetern: Fünf verschiedene Räume des Bayerischen Polizeimuseums im Turm Triva im Klenzepark beschäftigen sich mit dem Mord von Hinterkaifeck. 1922 wurden in einer Einöde in der Nähe von Schrobenhausen in der Nacht vom 31. März auf 1. April sechs Menschen erschlagen, unter ihnen zwei Kinder im Alter von sieben und zweieinhalb Jahren. Trotz zahlreicher Hinweise wurde nie ein Mörder gefunden. Dennoch fesselt die Tat die Menschen nach wie vor. Vor allem weil sie viele Rätsel aufgibt (siehe Kasten).

Ansgar Reiß, der Leiter des Bayerischen Armee- und Polizeimuseums sagt: "Die Welt von damals ist heute ja gar nicht mehr so recht greifbar. Die komplette Einöde, die ländliche Umgebung ohne jegliche Kommunikationswege - das alles ruft bei vielen große Neugierde hervor." Das Museum nimmt die Besucher der Hinterkaifeck-Ausstellung mit auf eine Reise in die 1920er-Jahre. Die Besucher nehmen diese Einladung gerne an. Sie fühlen sich in die ländliche Umgebung der Einöde versetzt. Auch wenn es insgesamt nur fünf Fotos vom Tatort gibt. "Ich komme mir ein bisschen vor wie in einer Zeitschleife", sagt eine ältere Teilnehmerin der Führung. Die ältere Dame war selbstredend nicht live dabei, aber zahlreiche Schautafeln mit vielen Informationen und detailtreue Nachbauten bieten zumindest die Illusion, das Geschehen läge nicht schon 95 Jahre zurück. Die Tafeln erzählen von den Verletzungen der getöteten Familie, sie geben sogar Hinweise darauf, wie sich die Tat konkret abgespielt haben könnte, inklusive interessanten, aber wenig appetitlichen Details. Die Rede ist zum Beispiel vom Herausreißen der eigenen Haare im Todeskampf.

Besonders die Tatwaffe fesselt die Besucher. Die ausgestellte circa 75 Zentimeter lange Reuthaue ist eine Replik. Das Original ist wohl zerstört worden. Und doch: Die Brutalität, mit der die Opfer erschlagen wurden, lässt sich zumindest erahnen. "Grausam, grausam, grausam", sagt ein älterer Herr und zückt sein Smartphone, um ein Foto der Waffe zu knipsen. Irgendwie mag man fast nicht hinsehen. Und tut es dann trotzdem. Die Neugier siegt über das Unbehagen. Das ist auch beim Nachbau eines Teil des Stalles der Fall.

Dort können die Besucher durch ein Guckloch einen Blick ins Innere werfen. Was es da zu sehen gibt, ist aber nichts für schwache Nerven. Denn dort liegt die Nachbildung der Leiche von Andreas Gruber, so, wie man den Mann gefunden hatte. Brutal erschlagen. "Das schaut so echt aus, dass man das Gefühl hat, die Leiche stinkt bestialisch, weil sie da schon so lange liegt", sagt eine Besucherin.

Das Bayerisches Armeemuseum hat zusammen mit hinterkaifeck.net die damalige Polizeiarbeit und deren Möglichkeit unter die Lupe genommen. Dabei treten auch die Grenzen des damals Machbaren hervor. Vier Stunden habe es gedauert, bis die Polizei 1922 am Einsatzort eintreffen konnte. Da sei es dann allerdings 1 Uhr nachts gewesen und die Beamten mussten bis zum nächsten Morgen warten, ehe sie die Arbeiten aufnehmen konnten, so eine Museumsführerin. Man vermutet, dass mit den technischen Möglichkeiten von heute der Fall damals hätte aufgeklärt werden können.

Seit Herbst des vergangenen Jahres haben weit über 6000 Menschen die Ausstellung besucht. Die wenigsten Besucher glauben, dass der Mord noch aufgeklärt werden kann. So vertiefen sie sich weiter in ihre eigenen Theorien. Das Ungewisse bleibt. Der Mythos Hinterkaifeck lebt ungebrochen.

 

Die Ausstellung zu Hinterkaifeck kann von Di. bis Fr. von 9 Uhr bis 17.30 Uhr und am Wochenende von 10 Uhr bis 17.30 Uhr im Turm Triva des Bayerischen Polizeimuseums in Ingolstadt besucht werden.