Dienstag, 18. Juni 2013 |

 

20.12.2007 12:48 Uhr | 704x gelesen
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Kult und Streit um Hinterkaifeck


85 Jahre ist er her, jener ominöse und nie geklärte Sechsfachmord von Hinterkaifeck. Ein Thema, das gerade die Bürger aus der Region immer noch sehr interessiert. Neuerdings auch darüber hinaus: Andrea Maria Schenkels Bestseller "Tannöd" ist der Grund. Und genau hier beginnt der Autoren-Streit.


WO ENDET DIE KÜNSTLERISCHE FREIHEIT?

 
Es war einmal eine Hausfrau aus der Oberpfalz. Sie las ein Buch, das ihr gefiel. Es war ihr aber zu dick. Sie wollte selbst eins schreiben, nur viel dünner. Sie setzte sich hin und begann zu schreiben. Kurze Sätze. Gewöhnungsbedürftig. Aber gut. Nachdem sie mit ihrem Buch fertig war, besuchte sie mit ihren beiden Kindern den Autoren des dicken Buches in dessen Schloss. Es war der 2. April 2006. Sie fand den Mann "ganz, ganz reizend", er weiß bis heute nicht, was sie von ihm wollte. Er ahnt es aber mittlerweile (siehe Videobeitrag in der Linkbox).

In dem Buch geht es um eine Geschichte, die sich vor 85 Jahren in der Nähe von Schrobenhausen ereignet hat. Sechs Tote. Nie geklärt. Grauenhaft. Das interessierte die Menschen aus der Nähe des gruseligen Ortes, die die Geschichte bereits aus dem dicken Buch kannten. Und es interessierte auch viele Menschen, die zum ersten Mal von der Geschichte erfuhren. War schon ganz schön schlau von der Frau mit dem dünnen Buch.

Die Frau aus der Oberpfalz war jetzt keine Hausfrau mehr, sondern eine Schriftstellerin, so wie der Mann mit dem dicken Buch. Sie verkaufte viele viele dünne Bücher und wurde reich. Jeder kannte sie jetzt. Das dünne Buch war auf Platz eins der Krimi-Bestenliste. Die Zeitungen schrieben über sie, das Fernsehen kam.

Andrea Maria SchenkelSo lebte die Frau mit dem dünnen Buch glücklich bis ans Ende ihrer Tage, und wenn sie nicht gestorben... - so könnte diese kleine Geschichte eigentlich enden, und gut wär's. Aber der Mann mit dem dicken Buch - Peter Leuschner aus Hofstetten - hatte etwas dagegen, denn er war der Meinung, dass die Frau aus der Oberpfalz - Andrea Maria Schenkel - von ihm abgekupfert hatte. Und zwar teilweise ganz erheblich. Also schaltete er einen Anwalt ein. Und wurde dann selbst des Plagiats bezichtigt von dem Neffen eines Mannes, der noch vor ihm ein Buch über Hinterkaifeck geschrieben hatte - Josef Ludwig Hecker. Jene Urfassung aller Hinterkaifeck-Bücher, die der DONAUKURIER in diesem Jahr in elf aufeinanderfolgen Wochenendausgaben nochmal veröffentlichte.
 
Es ist nun Sache der Justiz, künstlerische Freiheit und ihre Grenzen zu bewerten. Am 20. Februar 2008 wird der Prozess vor dem Landgericht München I eröffnet.
 
Und die Sache geht noch weiter: Denn jetzt wird sowohl Leuschners Buch als auch "Tannöd" verfilmt. Nahezu zeitgleich. Sie drehen quasi um die Wette. Der Film "Kaifeck Murder" basiert auf Leuschners Recherchen, der andere, "Tannöd", gründet auf Schenkels Roman. Jetzt geraten die beiden Produktionsfirmen aneinander, weil die eine ihren "Kaifeck Murder" unrechtmäßig mit "Tannöd" bewerben soll.
 
Nachfolgend alle regionalen und überregionalen sowie Wirtschaftsthemen des Jahres auf einen Blick - oftmals angereichert mit Bilderserien, weiterführenden Links und Videobeiträgen.
 

 
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Uwe Ziegler, Online-Redaktion

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