Die Polizei hatte damals nicht den Hauch einer Ahnung, was da auf sie zukam. Im Zentrum steht Viktoria Gabriel (35), eine ausnehmend schöne und begehrte Frau, die gleich mehreren Nachbarn den Kopf verdrehte, die aber auch über Jahre in einem inzestuösen Verhältnis zu ihrem Vater stand. Von wem sind ihre beiden Kinder? Ganz klar war das nie. Waren Kabale und Liebe das Motiv für einen Mordfall, der in die Bayerische Kriminalgeschichte einging?

MYTHOS HINTERKAIFECK (3)

Oder gab es ganz andere Gründe? Vor Jahren tauchten Lebenserinnerungen eines Soldaten im Elsass auf, der behauptete, der Mörder von Hinterkaifeck zu sein. Ging es also um Waffengeschäfte, um Schiebereien? Oder war es doch ein Raubmord, wie die Polizei ursprünglich annahm? Immerhin gelangten einige Burschen aus dem Hinterkaifecker Umland zu jener Zeit quasi über Nacht zu ungeahntem Reichtum. Und was hatte es mit der Spende auf sich, die der Dorfpfarrer Tage vor dem Mord in seinem Beichtstuhl fand? Eine Geldübergabe? Zufall? Dann war da der Ehemann von Viktoria Gabriel, der womöglich im Ersten Weltkrieg gefallen war, vielleicht auch nicht. Er hatte seine Gattin bald nach der Hochzeit unglücklich verlassen und war in den Krieg gezogen. Hat er Jahre später blutige Rache genommen?

Immer wieder wird Lorenz Schlittenbauer aus dem Nachbarort Gröbern, der eine Affäre und wohl auch ein Kind mit Viktoria Gabriel hatte, als Täter genannt. Aber kann ein schwächlicher Mann, der vorzeitig aus dem Kriegsdienst entlassen wurde, der keine Zähne hatte, dafür aber schwerstes Asthma, sechs Menschen erschlagen? Und wie wäre es unbemerkt geblieben, wenn er nach dem Mord tagelang das Vieh weiter gefüttert hätte - und genau das hat der Mörder getan? Und: Hätte er seinen Sohn, einen potenziellen Erben, erschlagen?

Fragen über Fragen, und auf die wenigsten gibt es bis heute eine Antwort. Die Polizei trennte seinerzeit den Opfern die Köpfe ab, um sie zu Wahrsagern zu bringen. Das Zurückgreifen auf übersinnliche Hilfe gilt in Polizeikreisen heute nicht mehr als branchenüblich, damals durchaus. Nicht einmal die Tatzeit des Hinterkaifeckmordes ist gesichert - einen Obduktionsbericht gibt es nicht. Nur Notizen des Leichenbeschauers.

In der nächsten Folge: Der Fall bewegt bis heute