Der Mordfall war das Vorbild für den Roman "Tannöd", mit dem die Schriftstellerin Andrea Maria Schenkel einen Bestseller landete. Fackelwanderungen zum Tatort, die seit einigen Jahren angeboten werden, sind oft wochenlang im Voraus ausgebucht. Es ist gerade mal ein paar Wochen her, da lief im Fernsehen die Wiederholung des Films "Hinterkaifeck: Die wahre Geschichte hinter Tannöd", den der Pöttmeser Regisseur Kurt K. Hieber gedreht hat. Mit Folgen.

"Wir erleben das immer wieder, dass wir nach solchen Sendungen schnell mal über 100 neue Mitglieder in unserem Forum haben", erzählt Jasmine Kaptur, die zusammen mit anderen das Internetforum hinterkaifeck.net betreibt. "Die Leute wollen dann mehr wissen."

MYTHOS HINTERKAIFECK (4)

Tausende lesen einfach so auf den Seiten des Forums mit, das übrigens nicht das einzige ist. Es gibt noch weitere Internetgemeinschaften, die sich der Aufklärung des Hinterkaifeck-Mordes verschrieben haben. Die Dokumentation von hinterkaifeck.net aber ist die detaillierteste. Die Lebensgeschichten nahezu aller, die im Entferntesten mit Hinterkaifeck zu tun hatten, wurden nachvollzogen. Selbst die exakte Aufschlüsselung des Erbes nach dem Mord gelang.

Geradezu wissenschaftlich ist die Vorgehensweise der Internetforscher, und das kommt ja auch nicht ganz von ungefähr. "Ich habe Meteorologie studiert", sagt Jasmine Kaptur, "weil ich Dingen gern auf den Grund gehe. Und nicht nur dem Wetter."

Das können in den nächsten Monaten auch andere, die sich für Hinterkaifeck interessieren. Fünf etwa 30 Quadratmeter große Räume wurden zuletzt im Turm Triva, der zum Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt gehört, eingerichtet. Morgen beginnt dort die Ausstellung "Mythos Hinterkaifeck - Auf den Spuren eines Verbrechens".

Zwei Jahre sind vergangen, seit aus der vagen Idee einer Ausstellung im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt, dem ja auch das Bayerische Polizeimuseum angegliedert ist, nun Realität wird. "Das Ende der Ausstellung ist offen", verrät Museumsdirektor Ansgar Reiß. Und das passt ja auch irgendwie zu diesem Fall.

Unter anderem soll der Fundort der Leichen so originalgetreu wie möglich nachgebaut werden. Parallel ist ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen und Expertenrunden geplant, um sich dem ungeklärten Mordfall weiter anzunähern, den ja auch die Polizei selbst vor ein paar Jahren - zu Übungszwecken - noch einmal aufgerollt hat.

Ob es jemals geklärt wird, was zwischen dem 31. März und dem 4. April 1922, dem Tag, an dem der Mord entdeckt wurde, geschah? Ausgeschlossen ist es nicht. Bis dahin bleibt der Mordfall von Hinterkaifeck ein Mythos. ‹ŒEnde