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25.04.2007 22:53 Uhr | 3412x gelesen
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Ankläger in Erklärungsnöten


Bild:  Ankläger in Erklärungsnöten .  Ingolstadt (DK) Neue, unerwartete Plagiatsvorwürfe werden im Autorenstreit Hinterkaifeck – Tannöd erhoben: Peter Leuschner, der der \

Ingolstadt (DK) Neue, unerwartete Plagiatsvorwürfe werden im Autorenstreit Hinterkaifeck – Tannöd erhoben: Peter Leuschner, der der "Tannöd"-Autorin Andrea Maria Schenkel vorwirft, aus seinen beiden Hinterkaifeck-Büchern Passagen übernommen zu haben, soll selbst abgeschrieben haben.


Kurz nach dem 85. Jahrestag des mysteriösen Sechsfachmords auf dem Einödhof Hinterkaifeck (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen), bei dem der Täter nie gefasst werden konnte, ist der Fall aktueller denn je – auch wenn es diesmal nur um den Diebstahl geistigen Eigentums geht.

Marterl
Bild: Von Cordelia Hiller Längst ist der Hof von Hinterkaifeck verschwunden. Wo er stand, laden heute ein Marterl und eine Ruhebank zum stillen Gedenken an die sechs Mordopfer ein.
Der Autor Peter Leuschner hatte Ende März einen Rechtsanwalt eingeschaltet, um gegen die Autorin Andrea Maria Schenkel vorzugehen, die mit ihrem Bestseller-Roman "Tannöd" Leuschners Urheberrecht verletzt haben soll. Nun wird der Schriftsteller selbst beschuldigt, abgeschrieben zu haben. Die Vorwürfe stammen vom pensionierten Eisenbahner Heinz Leitner aus Ingolstadt, der die Rechte an den ersten literarischen Bearbeitungen des berühmten Mordfalls in Hinterkaifeck geerbt hat. Leitners Onkel Josef Ludwig Hecker war es, der 1951 knapp 30 Jahre nach dem Verbrechen – pünktlich zur Verjährung der grausigen Straftat – die Recherchen vor Ort aufnahm und noch im selben Jahr eine vielbeachtete Artikelserie für den DONAUKURIER schrieb.

Der Erbe Leitner wirft Peter Leuschner – dem Autor der beiden bekanntesten Hinterkaifeck-Bücher – vor, sich seine Inspirationen aus Heckers Werk geholt zu haben. "Als Leuschners Plagiatsvorwürfe laut wurden , habe ich mir das Buch ,Tannöd‘ gekauft, um es mit den Aufzeichnungen meines Onkels zu vergleichen", erzählt Leitner. Die Gegenüberstellung br achte Interessantes ans Tageslicht: "In ,Tannöd‘ habe ich eigentlich wenig Übereinstimmungen gefunden, aber Leuschners Bücher waren an einigen Stellen fast identisch mit den Erzählungen meines Onkels. "

Inspiration durch Hecker

Der 64-Jährige erinnert sich noch gut daran, was sein Onkel ihm zu seinen Niederschriften über Hinterkaifeck erzählt hat: "Er ließ sich vom Chauffeur des DONAUKURIER zum Tatort fahren. Er hatte nämlich keinen Führerschein." Rund um Schrobenhausen befragte Hecker Zeugen und schrieb seine Ergebnisse in Form einer romanhaften Fortsetzungsgeschichte nieder, die der DONAUK URIER 1951 abdruckte. Rund 20 Jahre später wurde – ebenfalls im D K – eine von Hecker überarbeitete Version der Geschichte veröffentlicht. Diese Neufassung brachte Leuschner auf die Idee, den Mordfall systematisch zu erforschen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit in einem Buch zugänglich zu machen.

Heinz Leitner
Wirft Peter Leuschner vor, abgeschrieben zu haben: Heinz Leitner, der die Rechte an den Texten von Josef Ludwig Hecker hält.
"Schon mein Onkel hat mir erzählt, dass Leuschner bei ihm abgeschrieben hat", sagt Leitner. Hecker sei darüber verärgert gewesen. Zwar habe es nach einem Besuch Leuschners eine Absprache zwischen den beiden Autoren gegeben: Leuschner könne Textstellen aus den Fortsetzungsgeschichten übernehmen , jedoch unter der Bedingung , dass er Hecker in seinem Buch erwähnt . "Als mein Onkel dann das Buch gelesen hat und nicht einmal seinen Namen als Quelle gefunden hat, hat er sich geärgert ." Im Anschluss daran sei das Verhältnis der beiden Schriftsteller gestört gewesen. "Der Kontakt ist abgebrochen."

Leuschner widerspricht

Leuschner, Redakteur bei der Münchner tz, begann mit den Recherchen kurz nach Heckers zweiter Fortsetzungsgeschichte von 1972. Seine Bücher skizzieren sachbuchartig die jahrelangen Ermittlungen im Mordfall "Hinterkaifeck", nachdem sie in einem ersten Teil die Geschehnisse vor dem Mord mit "schriftstellerischer Freiheit" schildern.

Auf Anfrage streitet Leuschner vehement ab, die Urheberrechte Heckers verletzt zu haben. Bevor sein erstes Buch veröffentlicht wurde, habe er nur "ein paar Seiten" von Heckers zweiter Fortsetzungsgeschichte vorliegen gehabt. Ansonsten habe er die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft so wie Zeitungsartikel genau studiert und "aus dieser Fülle von Informationen einen Text gestrickt". Heckers erste Artikelserie – die laut Leitner die größten Übereinstimmungen mit Leuschners Büchern aufweist – hat der Redakteur laut eigenen Angaben erst kurz vor der Veröffentlichung seines zweiten Buches erhalten. "Aber noch nicht mal dann habe ich es gelesen, um mich nicht beeinflussen zu lassen."

Die Mordnacht von Hinterkaifeck
In der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 geschah eines der unheimlichsten Verbrechen der jüngeren deutschen Kriminalgeschichte, das die Menschen in der Region und darüber hinaus bis heute beschäftigt: Die Mordnacht von Hinterkaifeck, in der auf einem Einödhof in der Nähe von Schrobenhausen sechs Menschen – davon zwei Kinder – von einem unbekannten Täter auf grausame Weise erschlagen wurden. Die vergebliche Suche nach dem Mörder hat in den zurückliegenden 85 Jahren immer wieder zu teils verwegenen Spekulationen geführt. Und bis heute hat das Verbrechen immer wieder den Stoff für Bücher, Filme und Theaterstücke geliefert. Angefangen bei dem ehemaligen Redakteur des DONAUKURIER Josef Ludwig Hecker, dessen Aufzeichnungen „Hinterkaifeck – Eine düstere Erinnerung“ aus dem Jahr 1972 wir ab 5./6. Mai in unserer Wochenendbeilage „Der Sonntag“ veröffentlichen werden. Bis hin zu Peter Leuschner („Hinterkaifeck“), und Andrea Maria Schenkel („Tannöd“), die sich gerade über die mögliche Verletzung von Urheberrechten streiten.

Die Auszüge der zweiten Artikelserie von Hecker hätten ihn inspiriert, doch übernommen habe er nichts: "Ich habe mich natürlich bemüht, etwas Eigenständiges zu schaffen." Außerdem habe er Heckers Namen im Buch von 1997 auf Seite 220 genannt – wo er sich auch finden lässt.

Eine Absprache habe es ebenfalls nicht gegeben. "Wenn es diese gegeben hätte, hätte ich mich daran gehalten." Er sei 1973 oder 1974 zu Hecker gefahren, weil er einen Artikel über den Schriftsteller schreiben wollte. "Es ist möglich , dass ich dabei mein Vorhaben erwähnt habe, ein Buch über Hinterkaifeck zu schreiben." M ögliche Übereinstimmungen könne er sich nur dadurch erklären, dass Hecker und er die gleichen Zeitungsartikel verwendet haben, die die Ereignisse in "poetischer Art und Weise ausschmücken".

Ob auch der zweite Plagiatsvorwurf die Justiz beschäftigen wird, ist fraglich. Heinz Leitner sieht bis jetzt von rechtlichen Schritten ab.


Von Cordelia Hiller
 

Weitere Links zu diesem Thema

 Hinterkaifeck - Die Urfassung als DK-Serie
 Plagiatsstreit geht vor Gericht
 Wer schreibt ab?
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 Mit "Tannöd erobert Andrea Schenkel die Bestsellerlisten
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