Ankläger in Erklärungsnöten
Ingolstadt (DK) Neue, unerwartete Plagiatsvorwürfe werden im Autorenstreit Hinterkaifeck – Tannöd erhoben: Peter Leuschner, der der "Tannöd"-Autorin Andrea Maria Schenkel vorwirft, aus seinen beiden Hinterkaifeck-Büchern Passagen übernommen zu haben, soll selbst abgeschrieben haben.
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Kurz nach dem 85. Jahrestag des mysteriösen Sechsfachmords auf dem Einödhof Hinterkaifeck (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen), bei dem der Täter nie gefasst werden konnte, ist der Fall aktueller denn je – auch wenn es diesmal nur um den Diebstahl geistigen Eigentums geht.
![]() Längst ist der Hof von Hinterkaifeck verschwunden. Wo er stand, laden heute ein Marterl und eine Ruhebank zum stillen Gedenken an die sechs Mordopfer ein. Der Erbe Leitner wirft Peter Leuschner – dem Autor der beiden bekanntesten Hinterkaifeck-Bücher – vor, sich seine Inspirationen aus Heckers Werk geholt zu haben. "Als Leuschners Plagiatsvorwürfe laut wurden , habe ich mir das Buch ,Tannöd‘ gekauft, um es mit den Aufzeichnungen meines Onkels zu vergleichen", erzählt Leitner. Die Gegenüberstellung br achte Interessantes ans Tageslicht: "In ,Tannöd‘ habe ich eigentlich wenig Übereinstimmungen gefunden, aber Leuschners Bücher waren an einigen Stellen fast identisch mit den Erzählungen meines Onkels. " Inspiration durch Hecker Der 64-Jährige erinnert sich noch gut daran, was sein Onkel ihm zu seinen Niederschriften über Hinterkaifeck erzählt hat: "Er ließ sich vom Chauffeur des DONAUKURIER zum Tatort fahren. Er hatte nämlich keinen Führerschein." Rund um Schrobenhausen befragte Hecker Zeugen und schrieb seine Ergebnisse in Form einer romanhaften Fortsetzungsgeschichte nieder, die der DONAUK URIER 1951 abdruckte. Rund 20 Jahre später wurde – ebenfalls im D K – eine von Hecker überarbeitete Version der Geschichte veröffentlicht. Diese Neufassung brachte Leuschner auf die Idee, den Mordfall systematisch zu erforschen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit in einem Buch zugänglich zu machen. ![]() Wirft Peter Leuschner vor, abgeschrieben zu haben: Heinz Leitner, der die Rechte an den Texten von Josef Ludwig Hecker hält. Leuschner widerspricht Leuschner, Redakteur bei der Münchner tz, begann mit den Recherchen kurz nach Heckers zweiter Fortsetzungsgeschichte von 1972. Seine Bücher skizzieren sachbuchartig die jahrelangen Ermittlungen im Mordfall "Hinterkaifeck", nachdem sie in einem ersten Teil die Geschehnisse vor dem Mord mit "schriftstellerischer Freiheit" schildern. Auf Anfrage streitet Leuschner vehement ab, die Urheberrechte Heckers verletzt zu haben. Bevor sein erstes Buch veröffentlicht wurde, habe er nur "ein paar Seiten" von Heckers zweiter Fortsetzungsgeschichte vorliegen gehabt. Ansonsten habe er die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft so wie Zeitungsartikel genau studiert und "aus dieser Fülle von Informationen einen Text gestrickt". Heckers erste Artikelserie – die laut Leitner die größten Übereinstimmungen mit Leuschners Büchern aufweist – hat der Redakteur laut eigenen Angaben erst kurz vor der Veröffentlichung seines zweiten Buches erhalten. "Aber noch nicht mal dann habe ich es gelesen, um mich nicht beeinflussen zu lassen."
Die Auszüge der zweiten Artikelserie von Hecker hätten ihn inspiriert, doch übernommen habe er nichts: "Ich habe mich natürlich bemüht, etwas Eigenständiges zu schaffen." Außerdem habe er Heckers Namen im Buch von 1997 auf Seite 220 genannt – wo er sich auch finden lässt. Eine Absprache habe es ebenfalls nicht gegeben. "Wenn es diese gegeben hätte, hätte ich mich daran gehalten." Er sei 1973 oder 1974 zu Hecker gefahren, weil er einen Artikel über den Schriftsteller schreiben wollte. "Es ist möglich , dass ich dabei mein Vorhaben erwähnt habe, ein Buch über Hinterkaifeck zu schreiben." M ögliche Übereinstimmungen könne er sich nur dadurch erklären, dass Hecker und er die gleichen Zeitungsartikel verwendet haben, die die Ereignisse in "poetischer Art und Weise ausschmücken". Ob auch der zweite Plagiatsvorwurf die Justiz beschäftigen wird, ist fraglich. Heinz Leitner sieht bis jetzt von rechtlichen Schritten ab.
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