Jetzt fotografieren sie wieder
Ingolstadt (sep) Seit gestern fotografieren die Kamera-Autos des Internet-Giganten Microsoft die Straßen von Nürnberg, Fürth und Erlangen. Die Datenschützer sind in Alarmbereitschaft, denn ein Widerspruch soll beim "Streetside"-Dienst erst möglich sein, wenn die Bilder bereits im Netz stehen.

In Bayern unterwegs: Die Kamera-Autos des Bilderdienstes Streetside des Google-Konkurrenten Microsoft.
Bei Google gab es die Möglichkeit, vorab Widerspruch gegen die Veröffentlichung von Bildern seines Hauses einzureichen. Microsoft will den Bürgern diese Chance aber nicht einräumen. Die Datenschützer sind von der Haltung des Konzerns wenig begeistert. "Es ist kein Vorab-Widerspruch vorgesehen", bestätigte Microsoft-Sprecherin Miriam Kapsegger unserer Zeitung. Zu den Gründen will man sich nicht näher äußern, mehrmals beruft sich die Konzernsprecherin stattdessen auf einen freiwilligen "Datenschutzkodex für Geodatendienste" des Branchenverbandes Bitkom, der dieses Recht eben nicht vorsehe.
Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass Microsoft ganz einfach einen größeren Proteststurm umgehen will. Denn Konkurrent Google waren bei seinem Dienst im Vorfeld gleich Hunderttausende Widersprüche ins Haus geflattert. Wohl wegen dieses Widerstands plant Google auch derzeit keine weiteren Kamera-Fahrten.
Bayerns Innenminister Joachim Hermann (CSU) erklärte gestern: "Die Aufnahmefahrten sind nur vorläufig zugelassen." Das bedeute, dass "Streetside" erst dann für bayerische Städte und Gemeinden zugelassen wird, wenn verbindlich geklärt sei, wie die Bürger vor einer Veröffentlichung ihrer Häuser ihre Schutzansprüche wahrnehmen könnten. "Ich erwarte, dass Microsoft sehr bald abschließend klärt, ob und in welcher Form ein Vorabwiderspruchsverfahren für Microsoft-Streetside angeboten wird", so Hermann weiter: "Solange wird Microsoft die Internetveröffentlichung der Straßenaufnahmen unterlassen."
Von Sebastian Peterhans
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