Auf den Spuren von Google
Ingolstadt (DK) Beschweren bitte erst hinterher: Microsoft startete gestern in Nürnberg, Fürth und Erlangen mit seinen Kamera-Autos für den "Streetside"-Dienst, bei dem Straßenzüge für das Internet fotografiert werden. Ein Widerspruch gegen die Bilder soll aber erst nach Veröffentlichung möglich sein.

In Bayern unterwegs: Die Kamera-Autos des Bilderdienstes Streetside des Google-Konkurrenten Microsoft.
Doch dies rächte sich: Google bekam heftigen Gegenwind. Hunderttausende Bürger forderten schon vor dem Start des Dienstes das Unternehmen auf, ihr Haus unkenntlich zu machen. Ein gigantischer Aufwand, selbst für einen Mega-Konzern wie Google. Wohl aufgrund der heftigen Gegenwehr der Betroffenen sind derzeit auch keine weiteren Kamerafahrten geplant. Microsoft sah da offenbar eine Chance.
Das "Nein" zum Vorab-Widerspruch aus der deutschen Microsoft-Zentrale in Unterschleißheim klang endgültig. Innenminister Joachim Herrmann erklärte dagegen gestern gegenüber unserer Zeitung: "Die Aufnahmefahrten sind nur vorläufig zugelassen." Microsoft dürfe die Streetside-Bilder aus Bayern erst dann online stellen, wenn verbindlich geklärt sei, wie die Bürger vor einer Veröffentlichung ihre Schutzansprüche wahrnehmen könnten. Bis abschließend geklärt sei, ob und in welcher Form ein Vorab-Widerspruchsverfahren für Streetside angeboten werde, werde Microsoft die Internetveröffentlichung der Straßenaufnahmen unterlassen.
Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD), einer der Betroffenen, sieht die Sache sehr unaufgeregt. "Bisher hat kein Bürger angerufen und sich beschwert." Man habe nichts zu verbergen. Das zweifelhafte Vorgehen des Konzerns beim Widerspruch kommentiert er so: "Wichtig ist, dass der Wunsch der Bürger erfüllt wird."
Für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema plädiert Rainer Hammwöhner, Professor für Informationswissenschaft an der Uni Regensburg – auch wenn er allein das Foto einer Fassade noch nicht als bedenklich ansehe. "Wenn Menschen allerdings in ihrem Garten oder hinter dem Fenster bei privaten Tätigkeiten zu sehen sind, ist das massiv problematisch", sagt Hammwöhner. "Ich kann gut verstehen, wenn man dagegen ist."
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