Ingolstadt: Mit den Dampfloks verschwanden die Arbeitsplätze
Historische Begegnung auf Schienen: Eine restaurierte bayerische S 3/6 fuhr vor zehn Jahren am ehemaligen Ausbesserungswerk vorbei. Die Dampflok war bis Ende der 50er-Jahre auch in Ingolstadt unterhalten und umgebaut worden. ‹ŒArch - foto: Kunz
Ingolstadt

Am Ende war die Belegschaft auf 200 geschrumpft.

Die ab 1909 errichteten Hallen gegenüber vom Hauptbahnhof sollten eine wechselvolle Geschichte erleben. Ingolstadt mit seinen drei Bahnhöfen (Nord-, Haupt- und Militärbahnhof, heute Stadttheater) war Anfang des 20. Jahrhunderts ein Eisenbahnknotenpunkt. Daher war ein Ausbesserungswerk für Waggons und Loks naheliegend. Doch während des Ersten Weltkriegs dienten die Gebäude von 1915 bis 1917 als Reservelazarett für Tausende verwundete Soldaten.

Nach dem Ersten Weltkrieg war das Werk mit seinen rund 1500 Beschäftigten immerhin der zweitgrößte Arbeitgeber Ingolstadts. Im Zweiten Weltkrieg in Teilen schwer von Bomben getroffen, wurde es danach in mühevoller Arbeit wieder aufgebaut. Doch mit dem Verschwinden der Dampflokomotiven ging ein seit 1917 laufendes Reparaturprogramm zu Ende. Im Jahre 1961 musste sich daher der Betrieb auf die Instandsetzung von Güterwagen aus dem ganzen Bundesgebiet umstellen, das Tauziehen begann. An Gesprächen über das Schicksal des Ausbesserungswerkes und seiner Belegschaft hat es nie gemangelt. 1959 wurde bereits eine Einstellungssperre erlassen, Ende 1963 kam die erste Verfügung zur Auflösung des AW. 800 Menschen standen dort noch in Lohn und Brot. Rettungsanker sollte dann die Auto Union sein, die das Ausbesserungswerk kaufen und auch das Personal übernehmen wollte. Diese Verhandlungen zerschlugen sich jedoch kurz vor dem Abschluss, als VW zum Jahreswechsel 1964/65 bei der Auto Union einstieg und den Vertrag mit der Bahn kündigte.

Zunächst führte die Bahn das Werk noch als Außenstelle von Freimann weiter, eine komplette Stilllegung wäre eine Härte für die Beschäftigten gewesen. Doch die endgültige Schließung war nur eine Frage der Zeit. Bis 1970 oder sogar 1972 könne man noch arbeiten, so die Hoffnung. Doch früher als gedacht war Ende Oktober 1966 dann Schluss.

Blieb nur noch die Verwertung des über 200 000 Quadratmeter großen Geländes am Hauptbahnhof. Die ehemalige Kesselschmiede erwarb ein Mischfutterbetrieb, den allergrößten Teil aber ein Kaufmann namens Waldhauser, heute besser bekannt als Staudinger Hallen.