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18.07.2016 14:56 Uhr | x gelesen
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''Der Traum von Olympia'' - Hitlers große Farce als Dokudrama


Berlin (dpa) An die Olympischen Spiele in Berlin hatten Wolfgang Fürstner und Gretel Bergmann große Erwartungen. Der Nazi-Funktionär und die jüdische Hochspringerin - vom 1. bis 16. August 1936 wollten sie sich jeweils auf ihre Weise den „Traum von Olympia“ erfüllen. Das gleichnamige Dokudrama im Ersten erinnert an diesem Montag (18. Juli, 21.45 Uhr) an das große Vertuschungsmanöver Adolf Hitlers, Nazi-Deutschland als friedliebenden Staat zu präsentieren.

Fürstner (gespielt von Simon Schwarz), NSDAP-Mitglied und Sportfunktionär, hat den Auftrag, vor den Toren Berlins das Olympische Dorf aufzubauen. Der 1896 in Posen geborene Veteran des Ersten Weltkriegs hat Ende der 1920er Jahre die erste Sportvereinigung des Deutschen Offizier-Bundes gegründet. 1934 bekommt er den Auftrag, die Aufsicht über das Olympische Dorf zu übernehmen. Als Kommandant des Dorfes erhofft sich Fürstner eine steile Karriere in der Wehrmacht.

Mit den mehr als 140 Häusern mitten in einer künstlich angelegten Seenlandschaft (inklusive finnischer Sauna) will sich das „Dritte Reich“ den Sportlern und Medien aus aller Welt als fortschrittliches Land zeigen. Neben dem Reichssportfeld mit dem Olympiastadion gehört das Dorf zu den wichtigsten Projekten für die Spiele. Als Vorbild dient Los Angeles. Die US-Metropole hatte die Wettkäämpfe 1932 mit großem Erfolg ausgerichtet.

Gretel Bergmann (gespielt von Sandra von Ruffin) aus Laupheim im heutigen Baden-Württemberg träumt von sportlichen Erfolgen bei den Olympischen Spielen. Doch nach der Machtübernahme der Nazis 1933 werden jüdische Sportler aus den Vereinen verbannt. Gretel Bergmann geht nach England, wo sie weiter trainiert und ihre Leistungen verbessert. Die Nazis hören davon und signalisieren ihr, sie könne nach Deutschland zurückkehren. Weil sie Goldmedaillen und damit Renommee wittern, stellen die Funktionäre ihr einen Platz im Olympia-Kader in Aussicht.

Mit „Wochenschau“-Aufnahmen und Spielszenen zeichnen Autor Florian Huber und Regisseurin Mira Thiel die Wochen vor dem Olympia-Start nach. Von den gigantischen Bauten bis zu den Vergnügungstempeln in der Berliner Innenstadt - im Sommer 1936 präsentiert sich Deutschlands Hauptstadt als weltoffene Metropole.


 

In der Ich-Form erzählt jeder der beiden Protagonisten im Wechsel von seinen Hoffnungen und Wünschen, die sie mit den Spielen verbinden. Doch Fürstner und Bergmann geraten zunehmend unter Druck. Fürstner gerät in Schwierigkeiten, als er dem Berliner Polizeichef Wolf-Heinrich Graf von Helldorf (Gotthard Lange) die Aufsicht über das Olympische Dorf verweigert.

Gretel Bergmann trainiert währenddessen, ohne sicher zu sein, ob die Nazis sie trotz ihrer jüdischen Herkunft doch noch nominieren werden. Ihr Vater Edwin Bergmann (Paul Faßnacht) bestärkt sie in der Hoffnung, die Zusage werde schon kommen.

Zwar mutet die Abfolge der Filmmonologe etwas starr an. Und die Sprache klingt manchmal arg pädagogisch. Am Ende, das wird in diesem Film deutlich, entpuppt sich „Der Traum von Olympia“ als Alptraum und letztes Kapitel einer gigantischen Farce, drei Jahre vor Beginn von Hitlers „totalem Krieg“.





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