Der Autofahrer soll mit einem einfachen Kniff zum Nicht-Autofahrer werden; durch Gratis-Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs.

Schon regt sich Widerstand, weil dadurch eine Überlastung der Busse und Bahnen befürchtet wird. Was wiederum Leute dazu animieren könnte, wieder aufs Auto umzusteigen, weil jede öffentliche Fahrt mit Quetschungen und Nahtoderfahrungen verbunden wäre.

Nicht vergessen werden darf auch der Grundsatz der Gleichberechtigung. Sollte sich herausstellen, dass tatsächlich die Schadstoffbelastung abnimmt dank öffentlicher Mobilität zum Nulltarif, würde nicht zu Unrecht die Frage auftauchen: Wann wird auch der Fernverkehr gratis? Und wieso sollte die neue Freiheit nur auf Gleis und Straße beschränkt sein? Die Luftverkehrsbranche würde aufheulen, wenn der Durchschnittsverdiener mit dem Umsonst-Bus in die Dominikanische Republik oder nach Mallorca fährt statt sich wie bisher einen Flug zu kaufen.

Einige befürchten auch Mitnahmeeffekte. In Ballungsräumen ist bekanntlich Wohnen für die Mehrheit unerschwinglich geworden. Da wäre es naheliegend, den Wohnsitz in die U-Bahn zu verlegen. Mobilie statt Immobilie - das könnte zu einer gewaltigen Entlastung auf dem Wohnungsmarkt führen. Eine vernünftige Zirkulation des Humanmaterials wäre die Folge. In der Früh fährt die arbeitende Bevölkerung in die City. Und die Rentner nehmen die gleiche Bahn raus aus der Stadt ins Grüne. So würde sich Arbeit wieder mehr lohnen und Nichtarbeit ebenso.

Der Gesetzgeber müsste lediglich klarstellen, dass sich diese Umsonstkultur explizit auf Mobilität bezieht. Sonst handelt man sich massiven Ärger mit dem Rotlichtmilieu und den Ämtern ein. Geschlechts- und Parteienverkehr gratis würde zu einer ungesunden Auslastung in diesen Branchen führen. Um den sozialen Frieden zu wahren, wäre auch eine Verteuerung des Grenzverkehrs sinnvoll. Dafür darf sicher auch mit Sprit-Gutscheinen für diejenigen gerechnet werden, die freiwillig auf öffentliche Verkehrsmittel verzichten. Sonst würden die Tankstellenpächter auf die Barrikaden gehen. Am Ende des Tages gäbe es viel mehr Mobilität bei gleichbleibendem Schadstoffausstoß. Damit könnten die Politiker gut leben. Und die Stickoxide sowieso.