Eigentlich drängt sich die Vermutung auf, dass Seehofer und Söder großartige Volksschauspieler sind, die jetzt erst ihr wahres Gesicht zeigen. Denn in den letzten Jahren hatte das Publikum des CSU-Theaters schon den Eindruck, dass ein gemeinsamer Urlaub der Herren Seehofer und Söder eher unwahrscheinlich ist.

Umso beeindruckender, wie am vergangenen Montag die beiden ihre Karten auf den Tisch gelegt haben. Seehofer outete sich als Mega-Söder-Fan. Söder outete sich als Teamplayer. Da steht einer lustigen Doppelspitze nichts mehr im Weg. Die CSU-Fraktionssitzung, in der Söder tatsächlich 100 Prozent Zustimmung bekam, wird in die Geschichte eingehen. Denn es gab schlicht keinen Gegenkandidaten.

Wo war Joachim Herrmann? Schon anwesend, aber mehr oder weniger nicht präsent. Laut Fraktionschef Kreuzer habe Herrmann mit sich selber gerungen. Das bayerische Volk duldet aber keinen Ministerpräsidenten, der mit sich selber rauft. Stattdessen sind Raufbolde willkommen, die in Berlin ordentlich Radau machen. Da macht Söder natürlich so schnell keiner was vor. Seehofer präsentierte sich im Endspurt des Wahlkampfs als zu großer Merkel-Fan. Da sehnt sich die bayerische Seele schon nach einem, der Merkel behilflich ist auf dem Weg in Richtung politisches Ende. Wobei Merkel eigentlich schon in den Sondierungsgesprächen mit Grünen und FDP ziemlich apokalyptische Pläne präsentierte. Sie wolle die Enden zusammenbringen, ließ Merkel die Welt wissen. Und am Ende waren wirklich alle am Ende.

Schon vorher am Ende war Martin Schulz. Und der darf nun tatsächlich in Koalitionsgespräche mit Seehofer und Merkel. Aber er darf seiner Partei nicht verraten, dass die große Koalition droht. Dass die drei größten Wahlverlierer nun die nächste Bundesregierung bilden sollen, wird Söder Mut machen. Denn Anfang des Jahres bekam auch Schulz 100 Prozent Zustimmung, um dann binnen weniger Monate gefühlt bei null Prozent zu landen. Söder aber peilt die absolute Mehrheit bei der Landtagswahl an.

Geht dieses Projekt schief (wovon nicht gerade wenige ausgehen in der CSU), stünde Seehofer wieder bereit. Oder anders formuliert: Vielleicht gönnt sich der Ministerpräsident lediglich eine Auszeit.