Dann hat er getwittert, dass er der Kanzlerin einen Brief geschrieben habe. So viel Geschwätzigkeit ist Merkel ein Gräuel. Dementsprechend hat die CDU-Geschäftsstelle verlautbart, Angela denke gar nicht daran, noch mal so einen TV-Zirkus zu veranstalten. Schließlich müsse sie sich auf ihre Wiederwahl vorbereiten.

Außerdem würde Schulz wahrscheinlich nach einem neuerlichen TV-Duell gleich twittern, dass er die Merkel jederzeit ins TV-Studio bestellen könne und somit er der wahre Kanzler sei. Dass Schulz jetzt nicht der Welt zeigen kann, wo Martl den Most holt, nervt ihn tierisch.

Er beklagt sogar, dass er der Chefin der Bundesregierung geschrieben habe und die Antwort aus der CDU-Parteizentrale bekam. Das ist eine Schweinerei sondergleichen. Aber nur, wenn man nicht weiß, dass Merkel a) in der CDU ist und b) dem ganzen Laden auch noch vorsteht. Mit solchen Details will sich Schulz gar nicht erst abgeben.

Und das eint ihn mit seinem Kumpel Juncker. Jener EU-Kommissionspräsident hat derzeit auch eher das Große und Ganze im Sinn. Weil der Euro für etliche rückständige Euro-Länder zum Totengräber geworden ist, schlägt Juncker was vor? Richtig, alle EU-Staaten sollen den Euro kriegen. Also auch Wirtschaftswundernationen wie Rumänien oder Bulgarien. Was Schulz in Germany ist, sind diese Länder in Europa: auf dem Papier chancenlos, aber mit sehr guten Chancen auf die Spitzenposition, falls alle anderen freiwillig daheimbleiben.

Wenn nun Merkel aus karitativen Gründen Schulz in zwei Jahren zum Nachfolger von Juncker vorschlagen wird, schließt sich somit ein Kreis. Denn je mehr Verliererstaaten die EU prägen, umso mehr macht es Sinn, einen Verlierer ans Brüsseler Ruder zu lassen. Ein Siegertyp wäre heillos überfordert, weil er sich gar nicht in die Situation von Rumänien oder Bulgarien hineinversetzen könnte. Und Merkel wäre fein raus. Sie müsste nicht mehr befürchten, von Schulz penetrante Briefe zu kriegen. Das würde ihre Lebensqualität enorm steigern.

Die SPD könnte sich konzeptionell neu orientieren derweil: Sie tritt erst wieder zur Wahl an, wenn Merkel keine Lust mehr hat. Oder wie Juncker sagen würde: wenn Mazedonien und Moldawien auch im Euro sind.