Russland: Wer denkt da nicht an Schnee, Eis, Wodka und die endlosen Weiten Sibiriens? Doch Russland ist auch ganz anders. Ausgerechnet in der Stadt, in der 2014 die olympischen Winterspiele stattfinden, flanieren die Menschen am Strand unter Palmen, während man hierzulande Schnee schnippt. Unser Redakteur Josef Bartenschlager kennt sich in Sotschi aus, wie sonst nur im heimatlichen Eichstätt. Für donaukurier.de schreibt er über Leben und Leute in einer faszinierenden Stadt am Schwarzen Meer.
Das russische Schulsystem
Heute nehme ich Sie mit in das Gymnasium Nr. 16, eine der besten Schulen, die Sotschi zu bieten hat. Die Direktorin, Zoja Fadejewna Strelkowa, erwartet uns schon. Keine Angst, Sie müssen keinen Schulranzen mitnehmen oder sich einer Prüfung unterziehen. Wir machen einen kleinen Rundgang, besuchen ein paar Klassen und verschaffen uns einen Einblick in das russische Bildungssystem. Da gibt es nämlich Unterschiede zu uns, und das ein oder andere ließe sich vielleicht Gewinn bringend für Deutschland übernehmen.
Aber urteilen Sie selbst. Das Gymnasium Nr. 16, das übrigens den ersten Menschen im Kosmos, Jurij Gagarin, zum Paten hat, wird derzeit von rund 1200 Schülern besucht. Es führt in zwölf Jahren zum Abitur, wobei in Russland das dreigliedrige bayerische Schulsystem unbekannt ist. Wir würden das Gymnasium Nr. 16 als Gesamtschule bezeichnen. Nach der neunten Klasse gehen die Schüler ab, die kein Abitur machen und beginnen eine Berufsausbildung. Über die Berufsausbildung lässt sich später auch das Fachabitur machen.
Ein kräftiger Mann in Kampfanzug und ernster Miene empfängt uns. Hoffentlich haben Sie ihren Ausweis dabei, sonst kommen Sie nicht herein. Seit einer Reihe von Jahren, genauer gesagt, seit dem furchtbaren Terroranschlag in der Schule in Beslan, wird auf diese Weise für die Sicherheit der Schüler gesorgt. So hat auch das Gymnasium Nr. 16 einen Vertrag mit einem Sicherheitsdienst, den übrigens die Eltern bezahlen. Pro Kind und Monat kostet das umgerechnet etwa einen Euro. Befreit sind kinderreiche Familien, Familien unterhalb bestimmter Einkommensgrenzen und Kinder von Lehrern.
Die Eltern legen großen Wert auf diesen zusätzlichen Schutz und zahlen gern. Sie sind der festen Überzeugung, dass Schüler so entspannter lernen können und sie selbst sind auch beruhigter. Jedem ist klar, dass auf diese Weise Terroristen nicht abgehalten werden können, aber das Sicherheitspersonal könnte wenigstens schon sehr frühzeitig Alarm schlagen. Es gibt einen Knopf, der direkt mit der Polizei verbunden ist. Einzeltäter aber, so die vorherrschende Meinung, könnten in der Regel schon an der Tür abgefangen werden. Auf jeden Fall lasse sich verhindern, dass sich jemand in die Schule einschleicht, und dann Schülern oder Lehrern auflauert. Der Sicherheitslage gilt in Russland ein sehr hohes Augenmerk. Daher hängen nicht nur Verhaltensregeln im Brandfall aus, sondern auch die Verhaltensregeln im Falle von Terrorakten. Regelmäßig, etwa alle drei Monate, gibt es Übungen.
Das Büro von Zoja Fadejewna ist ganz in der Nähe. Die Sekretärin bittet uns herein. Zoja Fadejewna, in elegantem Kostüm und sorgfältiger Frisur, sitzt hinter ihrem Computer. Ihr Büro ist nicht besonders groß, jedoch sehr zweckmäßig eingerichtet. Nach einem freundlichen Händedruck fragt sie, was sie für uns tun kann. Gerne schildert sie den Unterrichtsablauf. Die Glocke ertönt um 8 Uhr. Jede Stunde dauert 45 Minuten und danach gibt es eine mindestens zehnminütige Pause. Nach sechs Stunden endet die Schule. Regulären Nachmittagsunterricht gibt es nicht, dafür müssen die Schüler auch am Samstag kommen. Etwas anders ist der Unterricht für die ABC-Schützen geregelt. Sie kommen zwar auch um 8 Uhr, haben aber früher Schluss. Das Einschulungsalter liegt in der Regel bei sieben Jahren.
Großer Wert wird auf das zweite Frühstück gelegt, das in den Unterricht integriert ist. Nach Erkenntnissen russischer Ernährungswissenschaftler spielt diese Mahlzeit eine große Rolle für das gesunde Gedeihen der Kinder. Die unteren Klassen frühstücken - nach dem Händewaschen! - gemeinsam mit ihren Lehrern; die älteren Schüler gehen von selbst in den Speisesaal. An den Tischen ist es ruhig. Russische Kinder lernen von klein auf ein Sprichwort: „Beim Essen bin ich stumm und taub“. Der Staat stellt eine bestimmte Summe für ein normales Frühstück zur Verfügung, doch die Eltern zahlen dazu, und das Essen ist ein Gedicht. Pausen zum Spielen und Toben gibt es natürlich auch.
Sehr viele Schüler gehen zum Mittagessen nach Hause, aber es gibt auch ein Angebot in der Schule. Das Gymnasium Nr. 16 ist bis in den späten Nachmittag hinein ganz regulär geöffnet. Zusätzlich zu den regulären Schulstunden gibt es ein breites Angebot an Kursen und Clubs. Wer will, kann vielen Sportarten frönen, ein Musikinstrument lernen, den Schulchor besuchen, sich in naturwissenschaftlichen Fächern engagieren. Es gibt Clubs für Rhetorik, Theaterspiel, Astronomie, für chemische, biologische oder physikalische Experimente. Die Schachspieler haben ihren eigenen Club. In einem Kurs entwerfen die Teilnehmer Kleidung und führen die dann auf einer Modeschau der gesamten Schule vor. Zu Sowjetzeiten waren diese Kurse kostenlos; jetzt müssen sie bezahlt werden. Doch die Gebühren dafür halten sich in Grenzen.
Um die Schüler zu motivieren, gibt es auf allen Ebenen Wettbewerbe, darunter in Mathematik, in Sprachen, Musik, Sport, in praktisch allen Schulfächern. Zunächst treten Klassen gegeneinander an, dann die Schulen von Sotschi, dann die Schulen verschiedener Gebiete und schließlich treffen sich die Besten in Moskau oder St. Petersburg, und zeigen, was sie können. Die Allerbesten treten in internationalen Wettbewerben an. Die Schulen selbst sind einem Ranking-System unterworfen und die Lehrer ebenfalls. Wer nun aber glaubt, diese Wettbewerbe würden zu einer Ellenbogenmentalität führen, täuscht sich. Gute Schüler helfen in der Regel von sich aus schwächeren Kameraden und suchen ihrerseits nach noch besseren, von denen sie profitieren könnten. Neulinge werden in einer Klasse rasch integriert und es gehört zum guten Ton, sie zu unterstützen und in die Gemeinschaft aufzunehmen.
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Machen auch Sie einen längeren Auslandsaufenthalt? Schreiben Sie gerne und gut? Dann melden Sie sich bei uns (online@donaukurier.de). Wir suchen immer gute Korrespondenten für unsere Reisekolumne. Wir freuen uns.
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Kommentare
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Nahrung für die Seele
"Unsere Seele singt, wenn wir wieder hierher kommen" das ist auch meine Vorstellung von Schule als Ich-kann-Schule-Lehrer. Nicht nur der Körper hat HUNGER sondern auch die Seele. Leider machen wir unsere Du-musst-Schulen zu immer noch perfekteren Schablonen, in die man sich immer noch besser einfügen soll! Die Unkunst des Fügens bringt folglich die Kunst des Unfugs hervor.
Wie schön, ein Beispiel kennenzulernen, in dem man offenbar nicht durch Unfug geistig überleben muss!
Wie angenehm, wenn man statt des den Lehrnachweis führen müssenden Unterrichtsvollzugsbeamten den an der gemeinsamen Entwicklung persönlich interessierten wirklichen LEHRER als noch existent erlebt! In unseren Schulen lernt man nicht Lernen sondern LernenMÜSSEN, in Russland scheint man - wie die Ergebnisse zeigen - am Lernen des LernenKÖNNENS interessiert. Da kann man sich als Ich-kann-Schule-Lehrer und ehem. Eichstätter Student natürlich nur freuen über so einen Bericht. Mit herzlichem Gruß
Franz Josef Neffe
Wie schön, ein Beispiel kennenzulernen, in dem man offenbar nicht durch Unfug geistig überleben muss!
Wie angenehm, wenn man statt des den Lehrnachweis führen müssenden Unterrichtsvollzugsbeamten den an der gemeinsamen Entwicklung persönlich interessierten wirklichen LEHRER als noch existent erlebt! In unseren Schulen lernt man nicht Lernen sondern LernenMÜSSEN, in Russland scheint man - wie die Ergebnisse zeigen - am Lernen des LernenKÖNNENS interessiert. Da kann man sich als Ich-kann-Schule-Lehrer und ehem. Eichstätter Student natürlich nur freuen über so einen Bericht. Mit herzlichem Gruß
Franz Josef Neffe
Löschung!
Wenn zwei das gleiche tun ist es nicht immer dasselbe, lieber layla - nur Sie werden auf Wunsch eines/r einzelnen Herrn/Dame bei qualifizierten Beiträgen GELÖSCHT.
Herr Neffe betreibt seit Wochen ungestraft Werbung für seine Einrichtung - und wird nicht GELÖSCHT.
Aber DK LÖSCHT eben nur, wenn man nicht seiner Meinung ist - deshalb werde jetzt dann ich GELÖSCHT.
vielleicht sollte man jetzt Herrn Neffe melden - allerdings "der liebe Wastl" fehlt mir sehr - der wäre hier erforderlich.
--
franz49
Herr Neffe betreibt seit Wochen ungestraft Werbung für seine Einrichtung - und wird nicht GELÖSCHT.
Aber DK LÖSCHT eben nur, wenn man nicht seiner Meinung ist - deshalb werde jetzt dann ich GELÖSCHT.
vielleicht sollte man jetzt Herrn Neffe melden - allerdings "der liebe Wastl" fehlt mir sehr - der wäre hier erforderlich.
--
franz49
Wie wunderbar
... wäre doch die Welt, wenn sie wunderbar wäre.
Was sie aber leider nicht ist.
Glauben Sie wirklich, mit reiner Freiwilligkeit würde man mehr erreichen? Sicher ist Drill nicht zielführend. Aber ein innerer Willen muß erst einmal erzeugt werden.
Allzu viel Laisser-faire läßt so manches in den Abgrund fahren, was besser nicht ans Steuer sollte.
Was sie aber leider nicht ist.
Glauben Sie wirklich, mit reiner Freiwilligkeit würde man mehr erreichen? Sicher ist Drill nicht zielführend. Aber ein innerer Willen muß erst einmal erzeugt werden.
Allzu viel Laisser-faire läßt so manches in den Abgrund fahren, was besser nicht ans Steuer sollte.
Die SOG-Kräfte verstehen und lenken lernen
Zitat von einfeindesein ... wäre doch die Welt, wenn sie wunderbar wäre.
Was sie aber leider nicht ist. Glauben Sie wirklich, mit reiner Freiwilligkeit würde man mehr erreichen? Sicher ist Drill nicht zielführend. Aber ein innerer Willen muß erst einmal erzeugt werden. Allzu viel Laisser-faire läßt so manches in den Abgrund fahren, was besser nicht ans Steuer sollte. |
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f.j.neffe
Ich schrieb hier weder von "reiner Freiwilligkeit" noch von "Drill" oder "laissez-faire" und mir geht es auch nicht um allgemeines, unverbindliches Philosophieren sondern um den Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Actio = reactio ist ein Naturgesetz und das besagt, dass Druck Gegendruck erzeugt. Folglich weise ich ab und an auf meine Erfahrungen in der Erforschung der Suggestion für die neue Ich-kann-Schule hin, die doch, so meine ich nachvollziehbar und sofort experimentell überprüfbar sein sollten: Druck komprimiert das Problem und die problematischen Kräfte werden dadurch nicht weniger problematisch. Wenn es sich lösen soll, dann muss der Druck durch SOG abgelöst werden. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass nun alles dem Zufall zu überlassen sei, im Gegenteil! Gerade deshalb appeliere ich ja schon über 30 Jahre daran, endlich die SOG-Kräfte verstehen und nutzen und lenken zu lernen.
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe
Wenn Ihre Rezepte
... so schlicht sind, wie der physikalische Grundsatz vom Druck - wenn man Druck auf Kinder ausübt, machen diese Gegendruck? - dann kann man Erziehung auch gleich ganz lassen.
Mit den Thesen von vorgestern die Welt von morgen schaffen, das schaffen nur diejenigen, die sich unter Zukunft vorstellen, es wäre das, was Vergangenheit heute ist, nur spiegelbildlich nach vorne gesehen.
Alle haben Probleme, wie man am besten erzieht und wie man die Schulprobleme löst, auch die studierten Pädagogen und Philologen.
Und da kommen Sie und wollen das Patentrezept haben? Erhebliche Zweifel sind angesagt.
Mit den Thesen von vorgestern die Welt von morgen schaffen, das schaffen nur diejenigen, die sich unter Zukunft vorstellen, es wäre das, was Vergangenheit heute ist, nur spiegelbildlich nach vorne gesehen.
Alle haben Probleme, wie man am besten erzieht und wie man die Schulprobleme löst, auch die studierten Pädagogen und Philologen.
Und da kommen Sie und wollen das Patentrezept haben? Erhebliche Zweifel sind angesagt.
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