Mittwoch, 30.05.2012 |

 
Mexiko-Stadt: geschätzte 25 Millionen Bewohner, Menschen, Smog, Dreck, Lärm, Kriminalität. Kann man trotzdem hier leben? Ja! Wie, das erfahren Sie im Oktober und November von Barbara Schröter. Die junge Frau aus Baar-Ebenhausen lebt und forscht für sechs Monate in Mexiko Stadt. Jeden Mittwoch schreibt uns die 28-jährige Politikwissenschaftlerin.
 
02.02.2009 19:34 Uhr | 178x gelesen
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Eislaufen auf dem Zócalo: Brot oder Spiele?


Eislaufen bei 20 Grad Außentemperatur: In Mexiko-Stadt gibt es heuer wieder ein Winterspektakel. Vergangenes Jahr sind sie noch über das Eis gepurzelt und haben sich oft nur tastend an der Bande vorwärts bewegt, die Chilangos, die Einwohner der Stadt. Doch mittlerweile sind sie fast schon Eislauf-Profis.


Winterevent auf dem Zócalo.Und sie freuen sich, dass die Stadt dieses Jahr wieder die größte freie Eisfläche der Welt zu Verfügung stellt: 3200 Quadratmeter, mitten im Zentrum mit Ausblick auf die Kathedrale, für 1400 Eisläufer gleichzeitig – dies versprechen die Zahlen in der mexikanischen Presse. Daneben noch ein Riesenweihnachtsbaum, eine Rampe mit natürlichem Schnee, eine Werkstatt zum Schneemannbauen, Weihnachtslieder (oder auch lateinamerikanische Rhythmen) und „Ponche“, ein mexikanischer Früchtepunsch, und fertig ist das Winterwonderland – bei Temperaturen um die 20 Grad.

Eislaufen in Mexiko
Bild: Schröter Viele halten sich anfangs noch an der Bande fest...
Mit ein paar Freundinnen wollte ich das Großereignis auf seine Qualität testen. Ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man nicht genügend Zeit und Geduld mitbringt. Nachmittags um 17 Uhr versuchten wir unser Glück, doch der Sicherheitsbeamte am Ticketschalter erklärte uns, dass die Fläche von 9 bis 20 Uhr geöffnet hat und bereits alle Karten für den Tag weg seien. Der Andrang ist riesig, denn schließlich ist der Eintritt frei. Wer keine Schlittschuhe hat, kann sich kostenlos welche leihen. 600 Paar stehen zur Verfügung.

Die Mexikaner entwickeln sich zu geübten Eisläufern.
Bild: Schröter Die Mexikaner entwickeln sich zu geübten Eisläufern.
Etwas enttäuscht machten wir uns auf zur Tribüne, die um die Fläche für Zuschauer aufgestellt ist. Und hatten trotzdem unseren Spaß, den Mexikanern beim Schlittschuhlaufen zuzusehen. 45 Minuten darf jeder Eisläufer auf der Fläche bleiben, dann sind die nächsten dran. Für Anfänger stehen Lehrer zur Verfügung, die die ersten Schritte beibringen. Die wenigsten jedoch nehmen den Ratschlag ernst, Schutzkleidung wie Helm, Ellbogen- und Knieschoner anzulegen. Deswegen ist man im benachbarten Erste-Hilfe-Zelt auch gut beschäftigt.

Schneemänner bauen will gelernt sein.
Bild: Schröter Schneemänner bauen will gelernt sein.
Für mich ist das Spektakel, mit europäischen Augen gesehen, eher anstrengend. Ich finde die Eisfläche im Verhältnis zum gesamten Platz immer noch klein. Da man wegen der Tribünen die historischen Gebäude kaum sehen kann, fehlt die Romantik. Wie immer in Mexiko gibt es Menschenmassen und man muss lange anstehen und warten. Angenehm sind jedoch die 20 bis 24 Grad, die es über Tags hat. Da fragt man sich, wie viel Energie verwendet werden muss, um die Eisfläche kühl zu halten, und wie viel das Ganze kostet.

Schneemänner made in Mexiko
Bild: Schröter Schneemänner made in Mexiko
Offizielle Angaben sprechen von 16 Millionen Pesos, also rund einer Million Euro, die die Stadt mit Unterstützung von ca. 19 Sponsoren aus der Wirtschaft investiert. Und genau hier scheiden sich die Geister: Muss die Regierung der Stadt für ein eindeutig populistisches Projekt so viel Geld ausgeben, das an anderen Ecken dringend benötigt wird und sicher sinnvoller für die Entwicklung der Stadt ausgegeben werden kann? Oder haben die Mexikaner ein Recht auf ein teures Wintervergnügen, dass etwas Freude in ihren Alltag zaubert?


Barbara Schröter
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