Mittwoch, 30.05.2012 |

 
Mexiko-Stadt: geschätzte 25 Millionen Bewohner, Menschen, Smog, Dreck, Lärm, Kriminalität. Kann man trotzdem hier leben? Ja! Wie, das erfahren Sie im Oktober und November von Barbara Schröter. Die junge Frau aus Baar-Ebenhausen lebt und forscht für sechs Monate in Mexiko Stadt. Jeden Mittwoch schreibt uns die 28-jährige Politikwissenschaftlerin.
 
24.11.2008 14:57 Uhr | 2589x gelesen
Drucken Text vergrößern

Die Maya – früher und heute


Auf dem Zócalo sieht man so einiges. Unter anderem auch Leute in weißen Gewändern, die andere Leute mit Weihrauch einräuchern und dabei in einer komischen Sprache reden. Spinner? Vielleicht! Aber auch selbsternannte (?) Mayapriester! Und als diese können sie stolz sein auf ihre Vorfahren, die Maya oder "Menschen aus Mais".


Denn dieses Volk, das zwischen 1000 v. Chr. und 1600 n. Chr. Mittelamerika beherrschte, hat so einiges geleistet, worüber Europäer zur gleichen Zeit vor Neid erblasst wären.

maya-museum
Bild: Barbara Schröter Das Maya-Museum in Chetumal, mit der aufgeschnitten Muschel, der »Maya -Null«.
Da wäre zum Beispiel die Mathematik. Die Maya rechneten mit einem System aus 20 Zeichen (Vigesimalsystem), wobei aus nur drei verschiedenen Zeichen die anderen Zahlen entworfen wurden. Herausragend ist dabei, dass sie schon die Null kannten, die durch das Symbol einer Muschel verkörpert wird. Hinzu kommt ein Punkt für die Eins ● und ein Balken ▬ für die Fünf. Eine Drei sieht demnach so aus: ● ● ● , die 10 so …und das ist ▬ ● ● ? Eine Sieben, richtig.

Ebenso wie eigene Zahlen hatten die Maya auch als einziges Volk in Lateinamerika ein eigenes Schriftsystem, das aus Zeichen und Silben besteht und somit dem Chinesischen ähnelt. Die Logogramme (Zeichen) bilden zum Großteil das Wort ab, das sie darstellen, z.B. einen Jaguar (Balam). Hinzu kommen Wörter, die sich aus Silbenzeichen zusammensetzen.

Aus Zahlen und Schriftzeichen setzt sich auch der Maya-Kalender zusammen. Es gibt 20 Zeichen für die verschiedenen Tage, die mit Zahlen von eins bis dreizehn kombiniert werden. Das Zeichen des vierzehnten Tages wird wieder mit der Zahl eins kombiniert. Nach 260 Tagen sind alle Kombinationen durchlaufen und der Zyklus fängt von vorne an. Zu diesem Ritualkalender (Tzolkin), kommt das Sonnenjahr (Haab), das 365 Tage zählt. Es gibt 18 Monate zu je 20 Tagen, plus einen Kurzmonat mit den letzten fünf Tagen des Jahres, die Unglück bringen. Aus der Kombination beider Kalender ergibt sich ein System das sich alle 52 Jahre wiederholt.

Observatorio in Chichén Itzá
Bild: Barbara Schröter Das Observatorio in Chichén Itzá zur Sternenbeobachtung.
Die Berechnungen für die Erstellung eines Kalenders waren nur möglich durch die großen astronomischen Kenntnisse der Maya. Noch heute kann man in den Ruinenstätten die Observatorien besichtigen, mit denen die Maya den Himmel beobachteten. Dadurch konnten sie Sonnen- und Mondfinsternisse, Sonnenwenden und sogar den Lauf der Venus fast exakt vorausberechnen.




Ballspielplatz
Bild: Barbara Schröter Der Ballspielplatz in Cobá.
Basketball oder Fußball? Auch etwas, was die Maya erfunden haben. Auf einem steinernen Ballspielplatz musste ein kleiner Kautschukball durch einen Steinring befördert werden. Mit zu Hilfenahme aller Körperteile außer der Hände, vor allem der Hüfte und der Arme. Der Ball durfte den Boden nicht berühren. Zwei Mannschaften spielten gegeneinander - ein Spiel der Gegensätze. Sonne gegen Mond, Leben gegen Tod. Der Kreislauf des Lebens wurde nachgespielt. Über die weiteren Spielregeln - Dauer, Mannschaftsgröße und Zählung des Spielstandes - kann nur spekuliert werden. Ebenso darüber, welche Partei letztendlich geopfert wurde, der Verlierer oder der Sieger?

Cenote in Chichén Itza
Bild: Barbara Schröter Ein Cenote in Chichén Itza.
Die Opfer dieses rituellen Ballspiels oder anderer religiöser Handlungen wurden in den Cenotes bestattet, den Unterwasserhöhlen, die durch einen Meteoriteneinschlag auf der Yucatán entstanden und die ganze Halbinsel durchziehen. Sie gelten als Eingang zum Jenseits und lassen einen schon Erschaudern, wenn man im schönen blauen Wasser in einer Art Tropfsteinhöhle liegt, während einige Hundert Meter unter einem sich die Skelette vielleicht auf dem Boden stapeln.


Traditionelle Choza.
Bild: Barbara Schröter Eine traditionelle Choza.
Nachkommen der Maya gibt es heute noch in Mexiko. Sie wohnen vereinzelt in den traditionellen Chozas, den Strohhütten, nicht mehr zu 50 000 in den großen Mayastätten. Diese sind heute nur noch Ruinen im Dschungel, die sie ihrer Nachwelt zurückgelassen haben als sie ihre Herrschaft aufgeben mussten– sei es wegen Naturkatastrophen oder durch Kriege mit den Azteken und Spaniern.

Das Reich der Maya ist bereits untergegangen. Doch auch für unsere aktuelle Welt haben sie das baldige Ende vorausgesagt. Für den 21.12.2012. Nach einem Zyklus von 5 125 Jahren wiederholt sich auch die Geschichte der Menschheit. Dies prophezeien die Mayas an Hand einer Wintersonnwende und einer einmaligen Planetenkonstellation zur Sonne und Milchstraße. Die Endzeit, die 1999 begonnen hat, ist durch Umweltkatastrophen wie z.B. Überschwemmungen gekennzeichnet. Das Positive: die Menschheit tritt in eine neue Ära ein, in der der Einzelne unwichtig wird und Menschen, die ihren inneren Frieden gefunden haben, mit den anderen über Gedanken kommunizieren können!

Also Beeilung, und auf nach Mexiko, um all diese tollen und interessanten Sachen noch zu sehen, bevor die Welt untergeht!




 
Mehr zum Thema

Barbara Schröter
Besuchen Sie Barbara Schröters Profil.
 
Machen auch Sie einen längeren Auslandsaufenthalt? Schreiben Sie gerne und gut? Dann melden Sie sich bei uns (online@donaukurier.de). Wir suchen immer gute Korrespondenten für unsere Reisekolumne. Wir freuen uns.
 
 

 
Artikel weiterempfehlen  Empfehlen Artikel verlinken  Artikel verlinken

Wenn Sie diesen Artikel von donaukurier.de verlinken möchten, können Sie einfach folgenden HTML-Code verwenden:

 

Drucken  Drucken  Leserbrief schreiben   Leserbrief Kommentare lesen/schreiben  Kommentieren

Kommentare

Symbol = Kommentar melden= Kommentar melden
Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. mehr
Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert.

 

Um Artikel kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Jetzt kostenlos Community-Mitglied werden und mitmachen!

Benutzername  
Passwort      
Noch keinen Zugang?
Jetzt kostenlos registrieren!
Anmeldung über Cookie merken


>