Mittwoch, 30.05.2012 |

 
Mexiko-Stadt: geschätzte 25 Millionen Bewohner, Menschen, Smog, Dreck, Lärm, Kriminalität. Kann man trotzdem hier leben? Ja! Wie, das erfahren Sie im Oktober und November von Barbara Schröter. Die junge Frau aus Baar-Ebenhausen lebt und forscht für sechs Monate in Mexiko Stadt. Jeden Mittwoch schreibt uns die 28-jährige Politikwissenschaftlerin.
 
13.10.2008 16:57 Uhr | 644x gelesen
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Anfängerfehler: Der erste Kontakt mit Mexikanern


Mexiko-Stadt (DK) Ob Alexander von Humboldt, der vielleicht erste Deutsche, der Mexiko bereiste, auch so seine Probleme mit der mexikanischen Mentalität hatte? Mag sein, dass auch ihm die typischen Anfängerfehler unterlaufen sind. Zum Beispiel, sich zuviel Salsa auf das Essen zu hauen, in der Annahme, es wäre Ketchup (Katsup), und deswegen nicht scharf. Fehler dieser Art gibt es zu Hauf!


Kaffee
Gehen wir morgen einen Kaffee trinken? Das ist in Mexiko häufig nur eine Floskel.
Szene 1: Ich bin auf einer mexikanischen Fiesta und unterhalte mich angeregt mit den anderen mexikanischen Gästen. Zum Abschied schlägt Jimena, eine der neuen Bekannte, vor, dass wir uns doch in der nächsten Woche auf einen Kaffee treffen könnten. „Estamos en contacto! Te llamo mañana!“ “Wir bleiben in Kontakt! Ich ruf dich morgen an!”  Am nächsten Tag, ich warte – kein Anruf! Auch nicht am übernächsten Tag oder in den nächsten Wochen. Jimena ruft nie an. Warum? „Morgen“ bedeutet alles, nur nicht, dass du morgen angerufen wirst. Sondern: Mal sehen, wir bleiben in Kontakt, jetzt habe ich keine Zeit oder Lust, ich glaube nicht, dass ich dir helfen kann und so weiter... Die Mexikaner machen alles "morgen". Ich nenne das immer "la cultura de mañana". Und sie versprechen viel, wenn der Tag lang ist. Wenn man das Versprochene nicht erfüllt, stirbt man auch nicht, so das Sprichwort. Also gilt nicht: Was man versprochen hat, muss man auch halten.


Bild: Barbara Schröter Eile? In Mexiko ein Fremdwort. Hier ticken die Uhren etwas anders als in Deutschland. Auf dem Dorf bewegt man sich oft noch mit Pferd und Esel fort, v.a. wenn man eine Ranch hat. Die Tiere werden dann vor dem ?Supermarkt? angebunden.
Szene 2: Mit der Assistentin des Sekretärs für Wahlangelegenheiten der Partei X habe ich einen Interviewtermin vereinbart:  Dienstagmittag, 12 Uhr, im Büro in der Parteizentrale. Natürlich bin ich pünktlich. Die Sekretärin empfängt mich freundlich. Der Licenciado - der Titel ist wichtig! - kommt gleich. Ich möge Platz nehmen. Ich warte 15 Minuten. 30 Minuten. 45 Minuten. 60 Minuten. Und dann bin ich sauer! Um 14 Uhr habe ich schließlich den nächsten Interviewtermin am anderen Ende der Stadt. Wie soll ich das schaffen? Um 13.05 Uhr  taucht der „secretario“ auf. Er nimmt sich alle Zeit der Welt, und ich bekomme mein Interview. Zum nächsten Interview komme ich 35 Minuten zu spät. Macht aber nichts, 14 Uhr bedeutet schließlich 15 Uhr. Pünktlichkeit gibt es nicht mal bei großen Konferenzen und Hochzeiten. Nicht umsonst hat das Spanische nur ein Wort für "warten" und "hoffen": "esperar!"

Kino CineStar am Westpark
Wer im Kino jedoch auf darauf spekuliert, dass der Film später anfängt, der wird prompt den Anfang verpassen.
Szene 3: Jorge, ein Freund, hat mich für Freitag ins Kino eingeladen. Der Film beginnt um 21Uhr. Woher ich mir sicher bin, dass die Einladung ernst gemeint ist und Jorge tatsächlich erscheint, weiß ich selbst nicht so genau. Ich mache mich also auf zum Kino und setze mich eine halbe Stunde zu spät neben Jorges Sessel. So habe ich es schließlich gelernt. Nur: Der Film hat schon begonnen. Fazit: Theater und Kino beginnen pünktlich!

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